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TV-Duell "Trump ist Putins Schoßhündchen": Warum Biden wieder die Russland-Keule schwingt

Donald Trump und Wladimir Putin bei einem bilateralen Treffen während des G20-Gipfels in Japan 2019 
Donald Trump und Wladimir Putin bei einem bilateralen Treffen während des G20-Gipfels in Japan 2019 
© The White House/Arte / Getty Images
Wie ein Schatten liegt die Beziehung zu Putin über Donald Trumps Präsidentschaft. Nun setzt Joe Biden das Thema wieder auf die Agenda. Das Verhalten des US-Präsidenten in den letzten Wochen gibt ihm Anlass genug. 

Es war ein Spektakel an Beleidigungen, Unterbrechungen, Übertreibungen und Lügen: Das erste TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden artete in einer Schlammschlacht aus. Der US-Präsident fiel seinem Herausforderer ständig ins Wort. Biden wiederum beschimpfte Trump als "Lügner", "Clown", "Rassisten" – und "Putins Schoßhündchen".

"Tatsache ist, dass ich Putin konfrontiert und ihm klar gemacht habe, dass ich seine Tricks nicht schlucken werde, aber er [Trump] ist Putins Schoßhündchen. Er kriegt es nicht einmal hin, gegenüber Putin etwas zu dem Kopfgeld auf amerikanische Soldaten zu sagen," sagte Biden. 

Die US-Zeitung "The New York Times" hatte in diesem Sommer berichtet, Russland habe ein Abkommen mit militanten Kräften in Afghanistan geschlossen und böte ihnen Geld für den Mord an US-Soldaten. Beweise für diese Anschuldigung fehlen jedoch. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Trump bezeichnete den Artikel als "Ente".

Donald Trump: "Ich mag Putin, und er mag mich"

Dennoch gelingt es Biden mit seinem Vorwurf, wieder ein Thema auf die Agenda zu setzten, das Trump seit seiner Wahl vor vier Jahren belastet. Die sogenannte Russland-Affäre hängt wie ein Schatten über dem Präsidenten. Eine jahrelange Untersuchung des Senats hat inzwischen bestätigt, dass es im Vorfeld der Präsidentenwahl 2016 zahlreiche Kontakte russischer Geheimdienstmitarbeiter mit dem Team von Trump gegeben hat. Aber nicht nur das Verhalten des Präsidentschaftskandidaten Trump und seines Teams während des Wahlkampfs beschäftigt die USA bis heute, sondern auch etliche Entscheidungen Trumps nach seinem Wahlsieg sowie sein Verhältnis zu Putin.

Erst vor rund zwei Wochen meldete das FBI, dass sich Moskau offenbar massiv in den diesjährigen Präsidentschaftswahlkampf einmische. Dabei gehe es speziell darum, den demokratischen Gegenkandidaten von Präsident Donald Trump, Joe Biden, "zu verunglimpfen", sagte FBI-Chef Christopher Wray bei einer Anhörung im US-Kongress. "Wir sehen sehr, sehr aktive Bemühungen der Russen, unsere Wahlen 2020 zu beeinflussen", so Wray. Moskau versuche, "Spaltung und Zwietracht" zu säen.

Für Trump sind die Warnungen der US-Geheimdienste aber offenbar kein Grund zu Besorgnis. "Ich mag Putin, und er mag mich", erklärte er bei einer Kundgebung in der vergangenen Woche. Tatsächlich hat Trump in den letzten Monaten ein denkwürdiges Verhalten in Richtung Moskau gezeigt.

Seltsames Schweigen zum Fall Nawalny 

Seit mehr als einem Monat steht Putin wieder im Zentrum eines internationalen Skandals. Der Kreml wird verdächtigt, die Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers veranlasst zu haben. Doch seitens Trumps herrschte in dieser Angelegenheit lange schweigen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania Anfang September brüstete er sich hingegen mit guten Beziehung nach Moskau: "Ich komme gut mit Russland aus. Ich denke, das ist eine gute Sache." Nawalny erwähnte er nicht, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass der Kreml-Gegner mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden war, auf das nur staatliche Stellen in Russland Zugriff haben.

Später in seiner Rede beschwerte sich Trump über demokratische Politiker, die vor einer erneuten Einmischung Moskaus in die US-Wahlen warnen: "Diese Fanatiker reden dauernd über Russland", so Trump. Wenn er das höre, schalte er einfach ab: "Es ist verrückt."

Erst mehrere Wochen nach dem Anschlag ließ sich Trump zu einer Äußerung zum Fall Nawalny hinreißen: "Ich weiß nicht genau, was passiert ist", sagte der US-Präsident auf Nachfrage. "Ich denke, es ist tragisch, es ist schrecklich, es hätte nicht passieren sollen." Man habe noch keine Beweise für eine Vergiftung mit Nowitschok, behauptete er trotz anderslautender Laborbefunde. "Ich wäre sehr verärgert, wenn das der Fall ist", fügte er hinzu.

"Sein Schweigen ist Komplizenschaft"

Trumps sanfte Worte in Richtung Moskau stoßen bei vielen auf Unverständnis. Der ehemalige Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, verlangte nach einer "dringenden Erklärung" des Weißen Hauses, in der von Moskau eine umfassende Erklärung zum Fall Nawalny gefordert wird. Doch sein Ruf verhallte ungehört. 

Stattdessen war es Joe Biden, der den Kreml direkt für den Mordanschlag verantwortlich machte: "Er trägt das Zeichen des russischen Regimes, das so paranoid ist, dass es keinerlei Kritik oder abweichende Meinung erträgt."

Der ehemalige Obama-Vize geht auch Trump hart an: "Sein Schweigen ist Komplizenschaft." Im Falle seiner Wahl werde er mit den Verbündeten zusammenarbeiten, um "das Putin-Regime für seine Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen", versprach Biden.


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