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45.000 Tote in einem Vierteljahrhundert: Konflikt zwischen Türken und Kurden spitzt sich abermals zu

Seit über 25 Jahren kämpft die kurdische Arbeiterpartei PKK gegen den türkischen Staat. Zuerst ging es noch um einen eigenen Staat, mittlerweile "nur noch" um mehr Eigenständigkeit. Am Mittwoch hat sich der Konflikt weiter verschärft. Kurdische Rebellen töteten an der Grenze zum Nordirak mehr als 20 türkische Soldaten. Die Antwort Ankaras ließ nicht lange auf sich warten.

Die Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Staat und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat sich am Mittwoch weiter zugespitzt. Nach der Tötung von mehr als 20 Soldaten durch kurdische Rebellen bombardierten türkische Kampfflugzeuge mutmaßliche Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak. Die von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte PKK kämpft seit 1984 mit Waffengewalt gegen die Regierung in Ankara. In dem Konflikt kamen bislang etwa 45.000 Menschen ums Leben.

Zentrale Forderung der Organisation ist mittlerweile nicht mehr die nach einem eigenen Staat, sondern die nach mehr politischer und kultureller Eigenständigkeit der kurdischen Minderheit in der Türkei. Dort leben schätzungsweise rund 14 Millionen und damit fast die Hälfte aller Kurden weltweit, die vor allem im Dreiländereck Türkei, Irak und Iran zuhause sind.

Trotz ihrer langen Geschichte und reichen Tradition ist es den Kurden bis heute nicht gelungen, einen eigenen Staat zu gründen. 1514 teilten sich Perser und Osmanen erstmals die Herrschaft über Kurdistan. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde den Kurden 1920 im Vertrag von Sèvres ein eigener Staat zugesagt; im Lausanner Friedensvertrag von 1923 wurde diese Zusage jedoch wieder rückgängig gemacht.

Die kurze Geschichte der "Volksrepublik von Mahabad"

Stattdessen wurde der einst osmanische Teil des Kurdengebietes dem Irak, Syrien und der Türkei zugeschlagen. Ein zweiter Kurdenstaat entstand für kurze Zeit im Iran, als sowjetische Truppen 1945 die kurdische "Volksrepublik von Mahabad" stützten. Als die Rote Armee die Kurden 1947 fallen ließ, brach der Staat zusammen.

Neu gemischt wurden die Karten in der Kurdenregion, als die von den USA geführte Kriegskoalition 2003 den damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein entmachtete. Seither konnten die Kurden im Nordirak faktisch eine Art Selbstverwaltung errichten. Das wiederum zog PKK-Kämpfer aus der Türkei an. Sie nutzen die unwegsame Bergregion im Norden des Irak als Rückzugsgebiet für ihren Kampf gegen die Regierung in Ankara. In der Vergangenheit haben die Kurdenrebellen bereits mehrere türkische Angriffe mit Flugzeugen, Artillerie und Bodentruppen überstanden, auch den Einmarsch im Nordirak im Jahr 1995 mit rund 50.000 Soldaten.

jwi/AFP / AFP