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Interviewformat "60 Minutes" "Es gibt einige Anzeichen dafür, soll untersucht werden": Irans Präsident Raisi zweifelt am Holocaust

Irans Präsident Ebrahim Raisi
Der ultrakonservative Ebrahim Raisi hatte 2021 das Amt des Präsidenten von seinem Vorgänger Hassan Rohani  übernommen
© Office of the Iranian Presidency / AP / DPA
Ebrahim Raisi gilt selbst im erzkonservativen Iran als Hardliner. In der US-Interviewsendung "60 Minutes" spricht der Regierungschef nun nicht nur von einem "falschen Regime in Israel", sondern zweifelt auch daran, dass es den Holocaust gegeben hat. 

Der iranische Regierungschef Ebrahim Raisi ist dafür bekannt, ultrakonservative, immer wieder auch krude Ansichten zu vertreten. Im US-Interviewformat "60 Minutes" ließ sich der 61-Jährige kürzlich dazu hinreißen, die Existenz des Holocaust in Frage zu stellen. Auf die Frage von CBS-Journalistin Leslie Stahl, ob er glaube, dass die systematische Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden durch das Nazi-Regime stattgefunden habe, antwortete Raisi laut Übersetzung: "Historische Ereignisse sollten von Forschern und Historikern untersucht werden. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass dies geschehen ist. Wenn dem so ist, sollten sie es zulassen, dass es untersucht und erforscht wird."

Die Frage kam auf, als Stahl den Präsidenten mit Vorwürfen konfrontierte, wonach er in den 80er-Jahren auf Anweisung von Ayatollah Khomeini für den Tod von 3000 Menschen durch Erhängen verantwortlich sei. Raisi war 1988, zum Zeitpunkt der sogenannten "Khomeini-Massakers", stellvertretender Generalstaatsanwalt von Teheran und laut der israelischen Zeitung "Jerusalem Post" Mitglied des "Teheraner Todeskomitees".

Ob er zumindest das Existenzrecht des Staates Israel anerkenne, wollte Stahl weiter wissen. "Sehen Sie, das Volk von Palästina ist die Realität. Das ist das Recht des palästinensischen Volkes, das gezwungen wurde, seine Häuser und sein Mutterland zu verlassen. Die Amerikaner unterstützen dieses falsche Regime, um dort Wurzeln zu schlagen und sich zu etablieren", antworte Raisi. Jeder Staat, der "dem zionistischen Regime die Hand reicht", sei ein "Komplize seiner Verbrechen", so der Regierungschef.

Israels Politik reagiert empört

Die israelische Politik reagierte empört auf Raisis Äußerungen. Ministerpräsident und Außenminister Jair Lapid, selbst Sohn eines Holocaust-Überlebenden, postete auf Twitter unter den Worten "Einige Anzeichen" Fotos aus Konzentrationslagern.

Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Gilad Erdan, forderte den UN-Generalsekretär via Twitter dazu auf, Raisis Aussagen öffentlich zu verurteilen. Dessen "abscheulichen Hass und Antisemitismus" dürfe auf der bevorstehenden UN-Generalversammlung in New York keine Bühne geboten werden.

Keine Lösung zu Atomabkommen in Sicht: "Wenn es keine Garantie gibt, gibt es auch kein Vertrauen"

Wie CBS berichtet, fand das einstündige Interview vergangenen Dienstag auf dem Gelände des Präsidialamts in Teheran statt. Es war das erste Mal seit seiner Ernennung, dass Raisi mit einem westlichen Journalisten sprach.

Der Iran steckt in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die USA hatten die massiven Sanktionen, die unter Präsident Obama teilweise gelockert worden waren, nach dem einseitigen Ausstieg aus dem Abkommen unter der Präsidentschaft Donald Trumps erneut verschärft. Auch Raisi selbst steht in den USA auf einer Sanktionsliste von Personen, deren Vermögen eingefroren und deren Teilnahme am internationalen Bankverkehr erschwert werden können.

Im vergangenen Monat standen die Gespräche zu einem erneuten Atomabkommen kurz vor einer Einigung, gerieten jedoch nach neuen Forderungen aus Teheran wieder ins Stocken. "Wenn es keine Garantie gibt, gibt es auch kein Vertrauen", erklärte Raisi diesbezüglich im CBS-Interview. Obwohl Raisi bei der UN-Generalversammlung in New York erwartet wird, gibt es keine Pläne für ein Treffen mit US-Präsident Joe Biden.

Raisis Reise in die USA dürfte durch den Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini überschattet werden. Die junge Frau war am Dienstag während eines Familienbesuchs in der Hauptstadt Teheran von der Sitten- und Religionspolizei wegen ihres "unislamischen" Outfits festgenommen und auf eine Polizeiwache gebracht worden. Nach Polizeiangaben war sie dort wegen Herzversagens zunächst in Ohnmacht und danach ins Koma gefallen. Am Freitag wurde ihr Tod bestätigt. Seitdem ist die iranische Regierung in Erklärungsnot – auch international gab es viel Bestürzung und Protest.

Quellen: "CBS"; "Jerusalem Post"; dpa

yks

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