Abschlussbericht vorgestellt Cameron bittet um Verzeihung für "Bloody Sunday"


Der britische Premierminister David Cameron hat sich für das blutige Vorgehen von britischen Fallschirmjägern am Bloody Sunday 1972 in Nordirland entschuldigt. "Was am Bloody Sunday geschah, war ungerechtfertigt und ist nicht zu rechtfertigen. Es war falsch", sagte Cameron vor dem Unterhaus in Westminster.

Der britische Premierminister David Cameron hat sich für das blutige Vorgehen von britischen Fallschirmjägern am Bloody Sunday 1972 in Nordirland entschuldigt. "Was am Bloody Sunday geschah, war ungerechtfertigt und ist nicht zu rechtfertigen. Es war falsch", sagte Cameron vor dem Unterhaus in Westminster am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung des Abschlussberichtes über das Massaker im nordirischen Londonderry.

Die Ergebnisse des Berichtes seien schockierend. Der Bericht beweise, dass die Fallschirmjäger sogar auf fliehende Demonstranten geschossen hätten, sagte der Premierminister.

Etwa tausend Zuschauer einer Live-TV-Übertragung in Londonderry jubelten und applaudierten zur Entschuldigung des Premiers. Angehörige der damals Getöteten hielten bei der Versammlung vor dem Rathaus Reden. Der Sohn eines Opfers sagte: "Die Wahrheit ist schließlich ans Licht gekommen. Das britische Volk, das irische Volk und die Welt sollen bescheid wissen."

Die Meinung von tausenden Augenzeugen, zwei britischen Regierungen und sogar einigen der vernommenen Soldaten wurden nun bestätigt: dass das Erste Bataillon eines Fallschirmjägerregiments in den Straßen von Londonderry Amok lief. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass keiner der Demonstranten eine echte Gefahr dargestellt habe. Die Soldaten hingegen hätten gegen Einsatzregeln verstoßen, die Demonstranten seien nicht gewarnt worden und manchen Soldaten seien die Konsequenzen ihres Handelns wohl egal gewesen.

Bei dem jüngsten Opfer, einem 17-jährigen IRA-Mitglied, wurden laut Bericht vier selbst gebastelte Sprengsätze, sogenannte Nagelbomben, gefunden. Der Jugendliche sei aber weggerannt, als das Feuer eröffnet wurde, und habe keine Gefahr für die Soldaten dargestellt, hieß es.

Die Ermittlungskommission unter Leitung eines englischen Richters war zwölf Jahre lang damit befasst, das Geschehen vom 30. Januar 1972 aufzuarbeiten, das zu einer weiteren Eskalation des Nordirland-Konflikts führte.

Am jenem "Blutigen Sonntag" vor fast vier Jahrzehnten hatten britische Soldaten in Londonderry das Feuer auf nationalistische Demonstranten eröffnet, die gegen die Internierung mutmaßlicher IRA-Mitglieder ohne Haftbefehl protestierten. Dabei wurden 13 katholische Demonstranten getötet.

Die 1998 vom damaligen britischen Premierminister Tony Blair angeordnete Untersuchung, die umfangreichste in der britischen Rechtsgeschichte, verschlang 200 Millionen Pfund (240 Millionen Euro). 921 Zeugen wurden gehört.

Eine erste Untersuchung war 1972 nach nur zwei Monaten abgeschlossen worden. Der damals vorsitzende Richter hatte die Aussagen der Soldaten akzeptiert, dass sie auf IRA-Angriffe reagiert hätten und erklärte, er vermute - ohne dass ihm belastbare Beweise vorlagen -, dass einige der Getöteten im Verlauf des Nachmittags Waffen abgefeuert oder mit Bomben hantiert hätten.

Der nun veröffentlichte Bericht kam auch zu dem Schluss, dass die Soldaten die Vorgänge bei vorigen Untersuchungen vorsätzlich falsch dargestellt hätten, um ihre Taten zu rechtfertigen.

APN APN

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