HOME

US-Geheimdienst: CIA-Akte: SS-Mann berichtete Agenten, Hitler habe als Adolf Schüttelmayer in Kolumbien gelebt

Historiker wissen: Adolf Hitler hat kurz vor Ende des Krieges Selbstmord begangen. Jetzt freigegebene CIA-Akten zitieren eine SS-Quelle, der "Führer" habe in den 1950er-Jahren in Südamerika gelebt. Doch die CIA zweifelt die eigenen Dokumente an.

Grobkörnig: Hier sollen SS-Sturmbannführer Philipp Citroen (l.) und Adolf Schüttelmayer 1954 in Kolumbien zu sehen sein. (Ausschnitt aus dem CIA-Dokument "Hitler, Adolf 0003" von 1955)

Grobkörnig: Hier sollen SS-Sturmbannführer Philipp Citroen (l.) und Adolf Schüttelmayer 1954 in Kolumbien zu sehen sein. (Ausschnitt aus dem CIA-Dokument "Hitler, Adolf 0003" von 1955)

Mit der Veröffentlichung der meisten Geheimdienst-Akten zum tödlichen Anschlag auf US-Präsident John F. Kennedy in Dallas im Jahr 1963 sind auch andere -Dokumente deklassifiziert worden. Der Öffentlichkeit zugänglich ist damit auch eine bizarr wirkende Akte mit der Bezeichnung "Hitler, Adolf 0003". Darin zu finden: Informationen darüber, dass der Nazi-"Führer", der kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Selbstmord begangen hat, womöglich überlebt habe und noch in den 1950er-Jahren in Südamerika lebte.

Allerdings zweifelte die CIA schon damals die Dokumente an. Denn in seinem Bericht, der 62 Jahre lang in den Archiven schlummerte, stützt sich der Agent mit dem angegebenen Code-Namen Cimelody-3 auf die Begegnung mit einem Informanten, der sich wiederum auf Aussagen eines ehemaligen niederländischen SS-Sturmbannführers, dessen Name mit Philipp Citroen angegeben wird, bezieht. Dieser habe behauptet, regelmäßig mit Hitler in Kontakt zu stehen. Der "Führer" werde in seinem Wohnort Tunja, einer rund 140 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bogotá gelegenen kolumbianischen Kleinstadt, regelmäßig von anderen Nazi-Größen, die sich ebenfalls nach abgesetzt hätten, besucht. "Mit der Vergötterung aus der Nazi-Vergangenheit nennen sie ihn weiterhin 'Führer' und erweisen ihm die Ehre mit dem Nazigruss", wird Citroen zitiert.


Adolf Schüttelmayer alias Adolf Hitler?

Das Dossier des US-Auslandsgeheimdienstes beinhaltet als vermeintlich aussagekräftigsten Beleg ein äußerst grobkörniges Bild, auf dem angeblich SS-Mann Citroen und ein weiterer Mann zu sehen sind, der wie aussieht. Dazu der Vermerk: "Adolf Schüttelmayer, Columbia, Tunga, America del Sur 1954". Im Zusammenhang der CIA-Dokumente legt dies also nahe, dass Hitler damals in Südamerika lebte.

Die Verantwortlichen bei der CIA waren schon damals äußerst skeptisch, weil weder Agent Cimelody-3 noch die in die Sache angeblich involvierte CIA-Station im venezolanischen Caracas eine Bestätigung für die Information aus bestenfalls zweiter Hand beibringen konnten, hieß es. Tatsächlich kommen immer wieder Gerüchte auf, Adolf Hitler habe sich nach Südamerika abgesetzt, statt Suizid zu begehen - dabei stützt man sich beispielsweise auf den argentinischen Autor Abdel Basti ("Auf den Spuren Hitlers"). Doch im Gegensatz zu anderen Nazi-Größen, deren Flucht nach Lateinamerika zum Teil gut belegt ist, ist kein Hinweis bekannt, der eine Flucht Hitlers belastbar belegen würde. Im Gegenteil: Zeugen berichten vom Fund von Hitlers Leiche am 30. April 1945 in den Privaträumen des Berliner "Führerbunkers". Seit 2010 sind zudem Tonaufnahmen dieser Aussagen zugänglich.


Hitler erst 1956 amtlich für tot erklärt

Das Original-Dokument der CIA datiert vom 3. Oktober 1955. Damals war der "Führer" offiziell noch nicht für tot erklärt worden - was allen Spekulationen in den Nachkriegsjahren Tür und Tor öffnete. Das Amtsgericht Berchtesgaden holte die Erklärung ein Jahr später, am 25. Oktober 1956, nach. Seither ist der Tod Adolf Hitlers amtlich. Anhänger von Verschwörungstheorien werden durch die CIA-Papiere von 1955 dennoch elektrisiert sein. Dass die US-Schlapphüte von ihrem dürren Material selbst nichts gehalten haben, wird sie kaum stören.


dho

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren