Ärger mit dem Weißen Haus US-General McChrystal entschuldigt sich

Ein Artikel über den NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, hat deutliche Spannungen zwischen dem General und dem Weißen Haus offenbart.

Ein Artikel über den NATO-Oberbefehlshaber in Afghanistan, Stanley McChrystal, hat deutliche Spannungen zwischen dem General und dem Weißen Haus offenbart. Das US-Musikmagazin "Rolling Stone" zitiert in seiner jüngsten Ausgabe geringschätzige Äußerungen von McChrystal über mehrere Vertreter der US-Regierung. Der 55-Jährige entschuldigte sich zwar umgehend, wurde aber am Dienstag zu einer Klarstellung ins Weiße Haus beordert.

Das Musikmagazin überschrieb sein Porträt des Oberkommandierenden der NATO-Truppen in Afghanistan mit dem Titel "Der durchgebrannte General" ("The Runaway General"). Dem Artikel zufolge verunglimpfte McChrystal unter anderem den US-Vizepräsidenten Joe Biden, einen Gegner seiner Militärstrategie in Afghanistan, mit dem Wortspiel: "Joe Biden, wer ist das? - Sagten Sie Bite Me (Leck mich)?"

Von Kabuls US-Botschafter Karl Eikenberry fühlte sich McChrystal im vergangenen Jahr während der Debatten über die Afghanistan-Strategie "verraten". Zu einem der Presse zugespielten internen Memo, in dem sich Eikenberry gegen eine Truppenaufstockung aussprach, sagte McChrystal dem "Rolling Stone", der Botschafter wolle sich nur einen guten Platz in den "Geschichtsbüchern" sichern: "Wenn wir scheitern, kann er sagen, 'ich habe euch gewarnt'."

Obwohl sich US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr für McChrystals Strategie entschied und mehr Truppen nach Afghanistan entsandte, bezeichnete der General die Entscheidungsfindung im Weißen Haus im "Rolling Stone" als "mühsam": "Ich habe eine unverkäufliche Position verkauft."

Von Obama selbst zeigte sich McChrystal laut einem seiner Berater wenig beeindruckt. Ein erstes Treffen mit dem US-Präsidenten kurz nach seiner Ernennung zum NATO-Kommandeur in Afghanistan habe McChrystal "ziemlich enttäuscht", sagte der namentlich nicht genannte Berater dem Magazin. "Das war ein zehnminütiger Fototermin", fügte er hinzu. "Obama wusste ganz offensichtlich nichts von ihm, wer er war - er schien nicht sehr interessiert."

Bislang hatte sich der ehemalige Kommandeur für Sondereinsätze immer sehr vorsichtig in der Öffentlichkeit geäußert. Die Medien waren ihm sehr gewogen, seit er das NATO-Kommando vor einem Jahr übernahm. Dagegen führt das Porträt des "Rolling Stone" ihn und seine Berater in unbeobachteten Momenten vor.

Wenige Stunden nach Erscheinen des Porträts entschuldigte sich McChrystal für die Äußerungen: "Es war ein Fehler, der aus einer falschen Einschätzung heraus entstanden ist und nie hätte passieren dürfen", schrieb er in einer Erklärung. Einem ranghohen Regierungsbeamten zufolge wurde McChrystal am Dienstag ins Weiße Haus einbestellt, um sich zu seiner Kritik an Obama und dessen Beratern persönlich zu äußern.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellte sich hinter den Afghanistan-Kommandeur. "Der Artikel ist bedauerlich, aber es ist nur ein Artikel", teilte Rasmussens Sprecher mit. "Wir befinden uns inmitten eines sehr realen Konflikts und der Generalsekretär hat volles Vertrauen in General McChrystal und seine Strategie."

AFP AFP

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