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Affäre um Sex-Partys: Französische Justiz will gegen Strauss-Kahn ermitteln

Hat sich Dominique Strauss-Kahn an Zuhälterei beteiligt? Um das herauszufinden, will die französische Justiz Ende März ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen IWF-Chef eröffnen. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte es zu einer Anklage kommen.

Die französische Justiz will in der Affäre um Sex-Partys Ende März ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn einleiten. Wie aus Justizkreisen verlautete, soll es dabei um mögliche Beteiligung an Zuhälterei und Beihilfe bei der Veruntreuung von Firmengeldern gehen. In den USA findet die erste Anhörung in einem Zivilverfahren gegen Strauss-Kahn Mitte März statt.

Die Polizei in der nordfranzösischen Stadt Lille hatte den 62-Jährigen am Dienstag für zwei Tage in Gewahrsam genommen, um ihn zur Teilnahme an einer Reihe von Sex-Partys in Luxushotels in Paris und Washington zu verhören. Am Mittwochabend wurde "DSK" aus dem Polizeigewahrsam entlassen, aber für den 28. März vor die Untersuchungsrichter geladen. Bei dem Termin soll dann ein Ermittlungsverfahren eröffnet werden, das in eine Anklage münden könnte.

Auf die Beteiligung an Zuhälterei stehen in Frankreich bis zu 20 Jahre Haft, für Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Unklar ist, ob Strauss-Kahn wusste, dass es sich bei den zu den Partys eingeladenen Frauen um Prostituierte handelte. Außerdem versuchten die Ermittler herauszufinden, ob der frühere IWF-Chef sich über die Herkunft des Geldes im Klaren war, mit dem die Partys bezahlt wurden. Laut Zeugen sollen zwei Unternehmer die Rechnungen für die Treffen beglichen haben.

Ihr Mandant sei "völlig zufrieden, dass er angehört wurde", sagte Strauss-Kahns Anwältin Frédérique Baulieu, nachdem "DSK" aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurde. Das Verhör habe unter entspannten Bedingungen stattgefunden, und Strauss-Kahn habe "völlig ruhig" geantwortet.

Prostituierte von Polizeibeamten vorgestellt?

Strauss-Kahn hatte sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen mit dem Hinweis verteidigt, er habe sich nicht vorstellen können, dass es sich bei den Frauen um Prostituierte handelte, weil sie ihm "von Polizeibeamten vorgestellt wurden". Der sozialistische Ex-Minister hatte bereits nach ersten Berichten über seine Teilnahme an Swinger-Partys verlangt, dazu gehört zu werden.

Strauss-Kahn hatte im vergangenen Jahr wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er am 14. Mai am New Yorker Flughafen wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens festgenommen worden war. In dem zivilrechtlichen Verfahren, das die Angestellte des Luxushotels Sofitel anstrengte, soll am 15. März die erste Anhörung stattfinden. Es handele sich um eine Anhörung vor dem eigentlichen Prozessbeginn, erklärte das zuständige Gericht im New Yorker Stadtteil Bronx.

Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo verlangt Schadensersatz von Strauss-Kahn für versuchte Vergewaltigung. Der Anwalt von "DSK" fordert die Einstellung des Verfahrens, da sein Mandant zum Zeitpunkt, auf den sich die Vorwürfe beziehen, als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechtliche Immunität genossen habe.

Ein Strafverfahren hatte die US-Justiz im August eingestellt, da Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos aufgekommen waren. Die New Yorker Staatsanwaltschaft bestätigte aber, dass es zwischen der Frau und Strauss-Kahn mehrere Minuten lang "sexuellen Kontakt" gegeben hatte. Im Zuge der Affäre musste Strauss-Kahn als Chef des IWF zurücktreten.

fro/AFP / AFP