HOME

AFGHANISTAN: Reich der Anarchie

Minen vor der US-Botschaft. Attentatspläne auf Präsident Karzai. Und mit jedem Tag steigt die Kriminalität. Wie soll Afghanistan Frieden finden? Von Andreas Albes

Aji Ibrahims Mörder kamen in den frühen Morgenstunden. Sie waren zu zehnt. Aji Ibrahim war allein. Er ging den kurzen Weg von seinem Haus in seine Firma immer ohne Bodyguards. Er sagte: »Wir leben jetzt in friedlichen Zeiten.«

Aji Ibrahim war ein Ehrenmann. Er liebte sein Land, und er sorgte gut für seine Frau und seine sechs Kinder. Er gab dreihundert Männern Arbeit. Seine Firma ließ er nie im Stich. Nicht einmal während des Bürgerkriegs. Es gibt die Geschichte, wie er auf einer Bank vor seinem Büro saß und die Raketen beobachtete, die in seine Lagerhalle einschlugen. In Deutschland wäre Aji Ibrahim so etwas wie der Chef der Telekom gewesen. Er importierte Satellitentelefone aus Dubai. Ohne Satellitentelefone gäbe es in Afghanistan praktisch keine Kommunikation. Aji Ibrahim belieferte 25 der 31 Provinzen. Sein Vermögen wird auf zwanzig Millionen Dollar geschätzt. Er war sehr mächtig.

Die Mörder kamen in sowjetischen Militärjeeps

Seine Mörder rasten in zwei sowjetischen Militärjeeps heran. Sie sprangen plötzlich auf die Straße. Einer schlug Aji Ibrahim eine Kalaschnikow ins Genick. Dann nahmen sie ihn mit. Seine Leiche wurde vier Stunden später gefunden. Sie lag am Straßenrand in einer Kleinstadt nördlich von Kabul. Ein Schuss ins Herz hatte ihn getötet. Die 60000 Dollar, die Aji Ibrahim bei sich hatte, waren verschwunden. Ein Satellitentelefon und weitere 1000 Dollar steckten noch in seiner Jackentasche. Die Polizei geht von einem gewöhnlichen Raubmord aus.

Mohammed Nassir, Ibrahims ältester Sohn, sagt: »Kein afghanischer Raubmörder lässt 1000 Dollar und ein Satellitentelefon liegen. Mein Vater wurde aus einem anderen Grund getötet.« Aus welchem, weiß Mohammed Nassir nicht. Oder er traut sich nicht, darüber zu reden. »Die Situation in unserem Land ist heute gefährlicher als unter den Taliban«, sagt er. »Bald stehen wir vor einem neuen Bürgerkrieg.«

Seit dem Ende der Taliban herrscht Anarchie in Afghanistan. Die Regierung ist nur ein Provisorium. Die Menschen sind arm, und sie sind bewaffnet. Ausländische Journalisten, Geschäftsleute und Hilfsorganisationen bringen Millionen Dollar ins Land. Dollar, für die es sich zu töten lohnt. In einer Zeit, in der ein Menschenleben oft weniger wert ist als ein Huhn. »Ein Huhn kann man essen oder verkaufen«, sagt ein Polizist.

Jeder will eine Kalaschnikow

Golam Majid hat sein Geschäft in einer Lehmhütte eingerichtet. Das Angebot ist groß, die Preise sind niedrig. Eine Panzermine kostet 35 Dollar, eine Kalaschnikow 50 Dollar, und für 1000 Dollar verspricht Majid einen Panzer zu liefern. Majids Geschäft liegt etwa eine Stunde von Kabul entfernt, am Flughafen Bagram. Dort hat die US-Armee einen großen Stützpunkt eingerichtet. »Seit die Taliban weg sind, verdiene ich besser als früher«, sagt Majid. »Ich verkaufe etwa fünfzehn Kalaschnikows am Tag. Die Menschen haben Angst. Sie wollen sich schützen.«

Majids Familie handelt seit vielen Generationen mit Waffen. Jetzt plant die neue Regierung ein Gesetz, das nur noch gefährdeten Zivilpersonen erlauben soll, Waffen zu tragen. Majid hat schon davon gehört. »Wenn das Gesetz kommt, verkaufe ich eben Seidenblumen«, sagt er. Dann muss er lachen.

Afghanistans neuer Polizeichef

General Jorhat geht es nicht gut an diesem Nachmittag. Er hat sich im Hinterzimmer seines Büros hingelegt und lässt ausrichten, dass es mit dem Interview noch ein wenig dauern wird. General Jorhat ist Afghanistans neuer Polizeichef. Seit seiner Amtseinführung im Dezember wurden allein in Kabul 18 Morde begangen, sieben Kinder entführt, 48 Taxen geraubt, in 32 Häuser eingebrochen und 15 Häuser abgebrannt. Jorhat befehligt 3000 Männer, die ausschließlich in Kabul im Einsatz sind. Weil sie nur dort etwas zu sagen haben. Sie patrouillieren teilweise in Badelatschen, ihnen fehlen Dienstwagen, Funkgeräte,

Papier und Bleistift. Sie haben seit sechs Monaten keinen Lohn bekommen. Überfälle passieren in Kabul meistens nach 22 Uhr, wenn Ausgangssperre herrscht. Viele Kabuler verdächtigen Polizisten. Niemand sonst könnte nachts unbehelligt durch die Straßen laufen.

Zu dem Verdacht will sich General Jorhat nicht äußern. Er hat sich an seinen Schreibtisch gesetzt und zurückgelehnt. Er trägt einen hellen Anzug und eine getönte Brille. Ein Polizist reicht ihm mit einer Verbeugung eine Zigarette, die bereits angezündet ist. »Kabul ist eine sichere Stadt«, sagt Jorhat. »Alle Journalisten sind Zeugen.« Zwar gäbe es zur Zeit ein paar Raubüberfälle mehr als sonst, aber das Problem würde man bald lösen.

Die Kabuler setzen große Hoffnungen in die internationale Friedenstruppe. »Nur ausländische Soldaten können unsere Straßen sicherer machen«, sagt der Sohn des ermordeten Aji Ibrahim. Der deutsche Oberstleutnant Dietmar Jeserich sagt: »Polizeiarbeit können wir gar nicht leisten. Unser Auftrag lautet, einen bewaffneten Aufstand zu verhindern.«

Kein Strom, kein Wasser, keine Fenster

Die Bundeswehr hat Quartier im ehemaligen Industriegebiet Kabuls bezogen. Das vierstöckige Gebäude gehörte früher den Stadtwerken. Gegenüber hat sich die Nordallianz eingerichtet. Es gibt keinen Strom, kein Wasser, keine Fenster. Die Soldaten haben Generatoren, Öfen und tonnenweise Trinkwasser mitgebracht. »Frisches Wasser und Hygiene sind wichtig«, sagt Oberstleutnant Jeserich. Viele Briten mussten ihren Einsatz schon wegen chronischen Durchfalls abbrechen.

Die deutschen Soldaten wurden in wochenlanger Ausbildung auf diesen Einsatz vorbereitet. Sie kennen die afghanische

Geschichte und versuchen zu verstehen, warum die Afghanen ein kriegerisches Volk sind. Sie waren oft auf dem Schießstand, und sie haben gelernt, in Landessprache »Guten Tag«, »Auf Wiedersehen« und »Stehenbleiben oder ich schieße« zu sagen.

Die Bundeswehr soll den Nordosten der Stadt sichern. Dort liegt das Botschaftsviertel. Doch ihren Auftrag kann sie vorerst nur tagsüber erfüllen. Der Innenminister hat die nächtliche Sperrstunde auch über die internationale Schutztruppe verhängt. Patrouillen sind allenfalls in Begleitung afghanischer Polizisten möglich. Die Verhandlungen, das zu ändern, verlaufen zäh und bedürfen geschickter Diplomatie.

Riskanter Einsatz für die Friedenstruppe

Die Situation für die rund 5000 Soldaten der Friedenstruppe wird von Tag zu Tag riskanter. Seit es Hinweise auf ein Selbstmordattentat gab, hat die Bundeswehr ihren Stützpunkt mit zwei Kilometer Natodraht gesichert. Vor vierzehn Tagen explodierte vor der US-Botschaft eine Mine. Daraufhin suchten Sicherheitskräfte das Gelände ab. Sie fanden Stolperfallen, die mit weiteren Minen verbunden waren. In der vergangenen Woche wurde mit Leuchtspurmunition auf die US-Botschaft geschossen.

Ein brutaler Fundamentalist

Nach Informationen des afghanischen Geheimdienstes könnte Gulbuddin Hekmatyar für die Anschläge verantwortlich sein. Er ist Führer der Partei des Islam. Ein brutaler Fundamentalist. Er schüttete Frauen, die keinen Schleier trugen, Säure ins Gesicht. Hekmatyar hat seit drei Jahrzehnten gegen alle afghanischen Regierungen gekämpft. 1996 war er für wenige Monate Ministerpräsident. Sein Traum ist es, eines Tages Präsident zu werden. Seit der Talibanzeit lebt er im iranischen Exil. Früher befehligte er 13000 Mudschaheddin in Afghanistan. Jetzt versucht er, seine Macht zurückzugewinnen. Seine Männer kontrollieren bereits das Gebiet um Sorobi. Dort liegt das große Wasserkraftwerk, von dem Kabul mit Strom versorgt wird.

Hekmatyar ist der einzige Führer der ehemaligen Bürgerkriegsparteien, der nicht an der provisorischen Regierung beteiligt wurde. Er ist wütend und enttäuscht. »Wir haben Hinweise, dass Hekmatyar Anschläge auf Friedenstruppen plant«, sagt ein hoher Mitarbeiter des afghanischen Geheimdienstes. »Journalisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sollen entführt werden. Hekmatyar will Unruhe im Land schaffen. Er will zeigen, dass Hamid Karzai ein schwacher Präsident ist.«

»Hekmatyar arbeitet mit Al Qaida und den Taliban zusammen«

In Kabul wurden bereits drei von Hekmatyars Leuten mit mehreren Kilo Sprengstoff verhaftet. Sie hatten einen Anschlag auf Karzai geplant, wenn er mit seinem Konvoi die Straße zu seinem Palast passiert. »Hekmatyar arbeitet jetzt mit Al Qaida und den Taliban zusammen«, sagt der Geheimdienstmitarbeiter. »Früher waren sie erbitterte Feinde, heute sind sie eine gefährliche Allianz von Extremisten.«

Die Taliban in Afghanistan sind noch längst nicht am Ende. »Viele haben sich nur rasiert und den Turban abgenommen«, so der Geheimdienstmann. In Rostam Khel wird seit ein paar Wochen wieder in der Koranschule unterrichtet. Es sind die alten Bilder. Kinder murmeln monotone Dauergebete und exerzieren mit Holzgewehren unter Osama bin Ladens Konterfei. Zwar haben die USA die Nordallianz aufgefordert, Taliban und Al Qaida-Kämpfer festzunehmen und auszuliefern. Aber die Bereitschaft dazu lässt nach und ist oft an Bedingungen geknüpft.

Die Araber hacken Holz

Kommandant Aji Schirhallam hat seit Dezember sechs Söldner der Taliban in seiner Gewalt. Schirhallams Haus liegt in Paghman, nur eine halbe Stunde von Kabul entfernt. Es wird von sechs Mudschaheddin mit Kalaschnikows bewacht. Schirhallam hält nicht besonders viel von Präsident Karzai und seinen liberalen Ideen. Er gehört zum radikalislamischen Lager.

Schirhallams Männer haben die Taliban-Kämpfer in den Bergen gefasst. Es sind Araber. Man sieht sie manchmal vor Schirhallams Haus Holz hacken oder Säcke schleppen. Er lässt sie für sich arbeiten, während er mit dem afghanischen Geheimdienst über ihre Auslieferung verhandelt. 2500 Dollar will der Geheimdienst für jeden von ihnen bezahlen, um sie dann den USA zu übergeben. 2500 Dollar sind Schirhallam zu wenig. Vielleicht schaffen es die Araber ja über ihre Familien mehr Geld aufzutreiben. Dann könnte es sein, dass ihnen plötzlich die Flucht gelingt.

Blühender Handel mit Kriegsgefangenen

Überall im Land versuchen Provinzfürsten wie Schirhallam ihre Kriegsgefangenen zu verkaufen. Mit einem hochrangigen Al-Qaida-Mitglied können sie bis zu 50000 Dollar verdienen. Die afghanische Übergangsregierung würde den Handel gerne unterbinden. Aber sie ist nicht in der Lage, die lokalen Kommandanten zu kontrollieren. Die brauchen Geld und Waffen, um die Macht in ihren Regionen zu verteidigen. Die ersten verfeindeten Nordallianz-Gruppen liefern sich bereits Gefechte. In der Provinzhauptstadt Gardes wurden in zwei Tagen 38 Mudschaheddin getötet.

Es ist fast wie 1992, als der letzte Bürgerkrieg begann. Präsident Hamid Karzai sagt: »Wir müssen die Kalaschnikow-Kultur beenden.«

Andreas Albes

* Mitte der Woche meldete die Kabuler Polizei, dass der Mörder von Aji Ibrahim gefasst wurde. Ein flüchtiger Häftling, der 18 Jahre im Gefängnis saß und im November ausbrechen konnte. »Zeugen haben ihn bei der Tat beobachtet«, sagt der Chef der Kriminalpolizei. Mohammed Nassir sagt: »Was ist das für eine Regierung, die zu schwach ist, den wahren Mörder meines Vaters zu finden?«

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(