Afghanistan Taliban lassen keine Ärzte zu den Geiseln


Noch 21 Geiseln aus Südkorea befinden sich in den Händen der Taliban; einige davon sind so krank, dass sie sterben könnten. Dennoch verweigern die Taliban Ärzten den Zugang. Auch das Schicksal des vor zwei Wochen entführten Deutschen ist noch ungewiss.

Die Lage für die seit zweieinhalb Wochen in Afghanistan verschleppten Südkoreaner wird immer dramatischer. Die radikal-islamischen Taliban verweigerten auch am Samstag Ärzten den Zugang zu den 21 Entführten. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Samstag, man traue den Medizinern nicht. Sollten die Geiseln wegen falscher Behandlung sterben, würden die Taliban für deren Tod verantwortlich gemacht. Ahmadi hatte am Mittwoch gesagt, zwei der Frauen in der Gruppe der Geiseln seien so schwer krank, dass sie sterben könnten.

Auch das Schicksal des vor mehr als zwei Wochen in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs Rudolf B. blieb ungewiss. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Samstag, der Krisenstab arbeite weiter mit Hochdruck an seiner Freilassung.

Im Fall der südkoreanischen Geiseln weichten die Taliban ihre Bedingung für ein bilaterales Treffen mit Unterhändlern Seouls nach eigenen Angaben auf. Sprecher Ahmadi sagte, sollte eine Zusammenkunft außerhalb des von den Rebellen kontrollierten Gebietes stattfinden, müssten die Vereinten Nationen die Sicherheit der Taliban garantieren. Ahmadi hatte ein Treffen außerhalb des Taliban-Gebietes bisher ausgeschlossen. Seoul will sich durch direkte Verhandlungen mit den Taliban offenbar aus der Abhängigkeit von der afghanischen Regierung lösen.

Hoffnungen ruhen auf Bush

Die Mission der Vereinten Nation in Afghanistan (UNAMA) äußerte sich am Samstag nicht zu etwaigen Sicherheitsgarantien. Ihr Sprecher Aleem Siddiqui sagte lediglich, UNAMA unterstütze die Bemühungen der Regierungen in Kabul und Seoul um eine Freilassung der Entführten. Die Taliban fordern die Freilassung von acht inhaftierten Gesinnungsgenossen im Tausch gegen die Geiseln.

Südkorea setzt bei seinen Bemühungen um das Leben der Landsleute seine Hoffnungen auch auf das bevorstehende Treffen zwischen US- Präsident George W. Bush und dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Karsai wird an diesem Sonntag in Washington erwartet. Das Präsidialamt in Seoul äußerte die Erwartung, dass Bush und Karsai die Position Südkoreas in der Geiselkrise ausreichend berücksichtigen. Die südkoreanische Regierung hatte am Dienstag nach der Ermordung einer zweiten Geisel erklärt, sie habe keine wirksamen Mittel, die Entscheidungen der afghanischen Regierung zu beeinflussen.

Rund 300 Familienangehörige und Freunde nahmen am Samstag Abschied von Shim Sung Min, der am vergangenen Montag als zweite Geisel in der Gruppe der verschleppten Koreaner von seinen Entführern erschossen wurde. Die Trauerfeier fand in einer Klinik in dem Seouler Vorort Pundang statt, wo sich auch die Freikirche befindet, der die koreanischen Geiseln angehören. Die 23 Südkoreaner waren am 19. Juli in der südostafghanischen Provinz Ghasni verschleppt worden. Zwei der Geiseln wurden später von den Entführern erschossen.

DPA DPA

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