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Ahern-Rücktritt: "Iren sind von Natur aus anständig"

Bertie Ahern ist einer der dienstältesten Ministerpräsidenten der EU. Und einer der erfolgreichsten. Nun ist der Kumpeltyp, den die Iren nur Bertie nennen, über seine eigenen Finanzen gestolpert. Die eigenen Parteikollegen gaben dann den letzten Schubs.

Häufiger als Bertie Ahern ist kaum einem Politiker auf die Schultern geklopft worden. Der 56-Jährige ist ein Kumpeltyp. Einer, der gern sein Guinness trinkt und im Pub lautstark einheimische Sportarten wie Gaelic Football kommentiert. Nicht "Mr. Ahern", sondern "Bertie" rufen die Iren ihren "Taoiseach" (Ministerpräsidenten). In letzter Zeit fügten sie "Teflon" hinzu - eine Anspielung darauf, dass Ermittler, die dem Verdacht der Bestechlichkeit nachgehen, dem "Teflon-Taoiseach" anscheinend nichts anheften konnten. Jetzt nahm Bertie Ahern dennoch seinen Hut.

Will nur "das Beste für das Volk"

Der Rücktritt zum 6. Mai, beteuerte Ahern, sei "allein dadurch motiviert, dass ich das Beste für das Volk will". Dabei hatte er seinen treuherzigen Blick aufgesetzt, der oft geholfen hat, die Sympathie seiner Landsleute zu gewinnen. "Das irische Volk", sagte Ahern, "ist von Natur aus anständig, und ich hatte das Privileg ihm zu dienen und dabei große Unterstützung zu erfahren."

Zuletzt hatte der "Taoiseach" - mit fast elf Jahren an der Macht einer der am längsten dienenden Ministerpräsidenten der EU - wohl nicht mehr richtig mitbekommen, wie sich die Stimmung wandelte. Längst machte das Wort vom "Bertiegate" die Runde - eine Anspielung auf den Watergate-Skandal, der einst zum Rücktritt des US-Präsidenten Richard Nixon führte.

Parteikollegen legten Rücktritt nahe

Hinter den Kulissen, so wurde in Dublin kolportiert, machten führende Mitglieder der konservativen Regierungspartei Fianna Fàil dem "Taoiseach" klar, dass er ungeachtet aller Verdienste zu einer Gefahr für das eigene Lager wird. Übersetzt lautet der Name der Ahern-Partei "Soldaten des Schicksals". Dass man das Schicksal des Parteisoldaten Bertie letztendlich als traurig bezeichnen kann, macht ein Blick auf seine Laufbahn deutlich.

Zweifellos gehört der Einsatz für Frieden in der einst von blutigen Terroranschlägen erschütterten britischen Provinz Nordirland zum politischen Vermächtnis Aherns. Am 10. April ist es zehn Jahre her, dass dort mit dem Karfreitagsabkommen die Grundlagen für die heutige gemeinsame Selbstverwaltung von Katholiken und Protestanten gelegt wurde.

Engagement für den Frieden

Ahern, sagte jetzt der britische Ex-Premierminister Tony Blair, habe eine "entscheidende Rolle" nicht nur für das Zustandekommen dieses Abkommens, sondern auch für die Normalisierung der Beziehungen zwischen Irland und Großbritannien gespielt. Ganz zu Recht hob Blair auch Aherns Rolle bei der Festigung der Europäischen Union hervor. Mit Hilfe von EU-Milliarden machte der "Taoiseach" Irland zum bewunderten "Keltischen Tiger", und er stärkte damit zugleich das Image der Union.

Doch das irische Wirtschaftswunder verblasste in letzter Zeit. Probleme, darunter enorme Preissteigerungen auf fast allen Gebieten, weckten Zweifel an Berties Fähigkeiten. Obendrein rückten die Ermittler dem Kumpelpolitiker immer mehr zu Leibe. Da half es schließlich nicht mehr, dass die Sache lange zurück liegt und dass viele Iren durchaus ein gewisses augenzwinkerndes Verständnis aufbringen. Immerhin soll er seit 1994 umgerechnet mehr als 100.000 Euro von Freunden und Immobilienentwicklern und anderen Geschäftsleuten angenommen haben - darunter eine als "politisches Geschenk zum persönlichen Gebrauch" bezeichnete Spende.

"Unübliche Aspekte"

Er räume ja ein, sagte Ahern jetzt, "dass manche Leute manche Aspekte meiner Finanzen als unüblich empfinden". Dazu gehört, dass er - angeblich mangels eines eigenen Bankkontos - Zuwendungen in bar einsteckte. Das war zu einer Zeit, da sich der bekennende Katholik gerade von seiner langjährigen Ehefrau Miriam Kelly getrennt hatte. Eine schwierige Phase im Leben eines an sich begnadeten Politikers, die ihn nun einholte und zu der er im nächsten Monat erneut vor einem Untersuchungstribunal aussagen muss - dann schon nicht mehr als "Taoiseach".

DPA / DPA
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