Angriff von Kundus Welche Informationen hatte Guttenberg?


Nach seiner Kehrtwende im Fall Kundus steht Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg unter neuem Druck: Der SPD und dem Bundeswehrverband genügt seine Neubewertung des Luftangriffs nicht. Sie fordern eine Begründung für den Meinungswechsel.

Der Bundeswehrverband und die SPD fordern von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eine Begründung für dessen Neubewertung des verheerenden Luftangriffs auf zwei Tanklaster nahe Kundus. "Wir alle können es nicht bewerten, weil wir die geheimen Unterlagen nicht kennen. Minister zu Guttenberg hat sie studiert und ist zu diesem Ergebnis gekommen", sagte Bundeswehrverbandschef Ulrich Kirsch im am Freitag ZDF. "Die Begründung ist nachzuliefern. Das wird allemal der Untersuchungsausschuss tun." Kirsch forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, das Thema zur Chefsache zu machen.

"Das ging jetzt ja doch schnell"

Auch die SPD sieht nach der Neubewertung der von der Bundeswehr angeforderten Attacke weiter Klärungsbedarf. "Das ging jetzt ja doch schnell", sagte ihr Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels dem "Kölner Stadt-Anzeiger" über Guttenbergs Kehrtwende. "Man fragt sich allerdings, welche Informationen er hatte, um zu dieser neuen Bewertung zu kommen." Guttenberg spreche von neuen Papieren. "Aber zu neuen Informationen hat er kein Wort gesagt."

Auch fehle nach wie vor eine inhaltliche Begründung "für den Rauswurf des höchsten militärischen Beraters und des höchsten zivilen Beamten", kritisierte Bartels. Er bezog sich dabei auf Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert, die im Zuge des Informationsskandals nach dem Luftangriff Anfang September vergangene Woche zurückgetreten waren.

Zu Guttenberg hatte seine vier Wochen zurückliegende Bewertung gestern im Bundestag korrigiert. Im Gegensatz zu seiner Stellungnahme von Anfang November bezeichnete der Verteidigungsminister das Bombardement mit bis zu 142 Toten und Verletzten als "militärisch nicht angemessen".

"Mittlerweile sagt man die Wahrheit"

Der Rechtsanwalt von Angehörigen der Opfer des Nato-Angriffs, Karim Popal, begrüßte Guttenbergs Neubewertung: "Was wir wünschen und wollen, ist, dass man die Wahrheit sagt. Und mittlerweile sagt man die Wahrheit", erklärte Popal im "Kölner Stadt-Anzeiger". "Der Angriff war nicht angemessen und nicht erforderlich." Die Anliegen der Angehörigen würden sich nun "mit Sicherheit besser durchsetzen lassen".

Wichtig sei den Angehörigen aber auch, "dass man die Politik neu überdenkt und dass man den Aufbau Afghanistans dem Krieg vorzieht - egal, was die amerikanischen Freunde wollen", mahnte Popal. Den Afghanen dürfe nicht noch mehr Schaden zugefügt werden.

AP/DPA/AFP AP DPA

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