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Angriffe auf Angela Merkel: Merkels Busen, Hitler und der Terminator

Vorläufiger Höhepunkt des Merkel-Bashings: Ein britisches Magazin bezeichnet sie als "Europas gefährlichstes Staatsoberhaupt" und zeigt sie in "Terminator"-Montur. Blick auf den Trend Merkel-Hass.

Von Sophie Albers

Der "Terminator", kurz T-800 genannt, wurde einst aus einer maschinenregierten Zukunft geschickt, um die Mutter des noch ungeborenen Revolutionsführers zu töten, der die Herrschaft der Roboter beenden würde. Der eiskalte Cyborg, der dem Kultfilm aus dem Jahr 1984 den Namen gab, sah zwar aus wie ein Mister Universum, hatte drinnen jedoch nur Stahl und Lämpchen zu bieten und ist bis heute Arnold Schwarzeneggers Paraderolle. 28 Jahre später ist es die bisher wohl fantasievollste Beleidigung für Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das britische Links-Mitte-Blatt "New Statesman" hat Merkel mit Arnies Film-Lederjacke und halbweggeschossenem Gesicht auf den Titel gehoben und nennt sie "Europas gefährlichstes Staatsoberhaupt". Ihr "Spar-Fetischismus" stürze die ganze Welt in die Depression, schreibt der soeben zur "Huffington Post" gewechselte Mehdi Hasan. Und macht im ersten Absatz folgende seltsame Reihung auf: Nicht Mahmud Ahmadinedschad, nicht Benjamin Netanjahu, nicht Kim Jung-Un, sondern Angela Merkel sei die derzeit größte Bedrohung für die Weltordnung. Was wohl Günther Grass dazu sagt.

Hitler, Nero, Bully

Erst dann folgt die in Großbritannien so beliebte Nazi-Beschimpfung für Deutsche - dafür aber geballt: "Merkel ist das gefährlichste deutsche Staatsoberhaupt seit Hitler". Beweis dafür sind Hasan auch "Karikaturen in Zeitungen aus Deutschlands Nachbarländern", die die Kanzlerin mit Hitlerbärtchen oder auch Pickelhaube zeigen. Der Artikel liest sich wie eine Auflistung des nicht erst seit Ausbruch der Eurokrise begeistert verfolgten Trends, die Kanzlerin bildlich zu verunglimpfen. Nach Hitler wird die Kanzlerin mit Nero verglichen, "der fiedelt, während Athen brennt", sie sei ein "Bully", schuld am Erstarken der Neonazis-Parteien in Europa, Sadistin, Masochistin sowie schuld an der gestiegenen Selbstmordrate in der EU. Fulminantes Ende ist der Satz "Sie muss gestoppt werden." Beim Terminator war das eine Stahlschmelze. Haben Sie den Film zuende gesehen, Herr Hasan?

Aber Merkel hat nicht nur Feinde. Das Merkel-Bashing sei in der EU so eine Art Zeitvertreib geworden, urteilte jüngst "De Morgen" aus Brüssel. "Die Bundeskanzlerin ist heute für viele in Europa der Prügelknabe". Und das, obwohl ohne Deutschland in der EU nichts gehe. Der "Economist" stimmt ein: Dank der Eurokrise habe die Kanzlerin viele Gelegenheiten, für Deutschlands Sache einzutreten - in ihrer "ruhigen, hartnäckigen" Art.

Und die ist wohl genau genommen auch schuld daran, dass es immer wieder Versuche gibt, Angela Merkel rein äußerlich zu beschädigen. Ihre gesamte politische Karriere ist davon begleitet. Denn die Naturwissenschaftlerin ist nicht zu greifen. Es gab viele erfolglose Versuche, zu beschrieben, wie Merkel wirklich "tickt". So kam es zu Helmut Kohls "Mädchen" und zur Schnappatmung, in die die deutsche Presse verfiel angesichts Merkels Dekolleté beim Bayreuth-Besuch. Und die Unnahbarkeit, die Effizienz, die Skandallosigkeit, die Unheimlichkeit, die Macht dieser Frau, von der man offensichtlich vor allem weiß, dass sie Deutsche ist, sorgte wohl auch dafür, dass die polnischen Presse ihr wegen der Vertriebenenpolitik ein schwarzes Rechteck unter die Nase malte. Und dass auch serbische Kritiker die Nazis rausholten, als Merkel wegen der Kosovopolitik Serbiens EU-Kandidatenstatus ablehnte. Da ist es doch kaum der Aufregung wert, wenn auch noch griechische Medien in den "Hitlerreflex" verfallen.

Keine Stellungnahme

Das sehen Forscher ähnlich: Wann immer die Zeiten hart werden in den deutsch-englischen Beziehungen, poppe der Zweite Weltkrieg wieder auf, sagte Falco Pfalzgraf, Vize-Direktor des Londoner Zentrums für anglo-germanische Kulturbeziehungen im Interview mit dem "Guardian". Es sei ein leicht zu machender Punkt gegen Deutschland, zeige aber auch Großbritanniens Unsicherheit: "Großbritannien war vor dem Krieg eine Supermacht." Nach dessen Ende werde Deutschland stärker und stärker.

Und Merkel selbst? Vom Kanzleramt ist wohl keine Reaktion auf den "Merkelator" zu erwarten. In der Regel nehme man keine Stellung zu so etwas, hieß es auf Nachfrage von stern.de. Aber ist das schlau? "Dass die Welt ein bisschen eigenartig über Deutschland im Allgemeinen und Merkel im Besonderen denkt, ist doch bekannt", sagt Medienexperte Bernd Gäbler und witzelt: "Vielleicht sollte sie Arnie anrufen, und ihm sagen, dass er dagegen protestieren soll." Also cool bleiben. So cool, dass Angela Merkel am Freitagabend in Danzig das EM-Spiel Deutschland-Griechenland besucht. I'll be back, eben.