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Angst vor Gewalt in Mali: Putschisten drohen schwere Sanktionen

Trotz eines Ultimatums der Nachbarstaaten kleben Malis Putschisten weiter an der Macht. Ihnen drohen schwere Sanktionen. Wegen der Krise sollten Ausländer das Land umgehend verlassen.

Im westafrikanischen Land Mali wächst vor Ablauf eines Ultimatums die Angst vor weiterer Gewalt. Mehrere Nachbarländer haben die Putschisten vor die Wahl gestellt: Entweder sie geben die Macht an eine zivilie Regierung ab oder sie müssen mit scharfen Sanktionen rechnen. Angesichts des ausufernden Konfliktes forderten Deutschland und mehrere andere europäische Länder ihre Bürger am Montag auf, Mali sofort zu verlassen oder geplante Reisen zu vermeiden.

"Im Land aufhältigen Deutschen wird dringend geraten, die gegenwärtig noch bestehenden kommerziellen Möglichkeiten zur Ausreise umgehend zu nutzen", heißt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes. Auch Frankreich und Großbritannien mahnten ihre Landsleute zur Ausreise.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und eine schnellstmögliche Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung. Westerwelle unterstütze im Namen der Bundesregierung die dringlichen Bemühungen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas), die Situation notfalls auch durch scharfe Sanktionen zu lösen, betonte ein Sprecher des Ministeriums.

Präsident Campaoré als Vermittler

Die Ecowas hatte den Anführern des Coups Ende vergangener Woche mit schweren Sanktionen gedroht, falls sie die Macht nicht innerhalb von 72 Stunden an eine zivile Regierung zurückgeben und die verfassungsmäßige Ordnung wieder herstellen. Die Ecowas-Staatschefs wollten am Nachmittag in der senegalesischen Hauptstadt Dakar über das weitere Vorgehen beraten, berichtete der Rundfunksender Radio France International (RFI). Möglich sind diplomatische, wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen. Der Regionalorganisation gehören 15 westafrikanische Staaten an.

Eine Delegation der Putschisten war am Wochenende ins angrenzende Burkina Faso gereist, um Gespräche mit Präsident Blaise Campaoré zu führen. Dieser war von der Ecowas als Vermittler eingesetzt worden. Juntaführer Kapitän Amadou Sanogo kam am Sonntag den Ecowas-Forderungen zumindest teilweise nach und sagte, er werde die Verfassung und alle staatlichen Institutionen wieder für gültig erklären. Jedoch war unklar, wann es demokratische Wahlen geben wird.

Sanogo hatte sich am 22. März mit zahlreichen meuternden Soldaten an die Macht geputscht und Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt. Die Aufständischen begründeten den Putsch mit der Unfähigkeit der Regierung, die Rebellion der Tuareg im Norden zu beenden. Touré versteckt sich seither offenbar mit einigen loyalen Militärs an einem unbekannten Ort in der Nähe von Bamako. Ende April hätten in Mali Wahlen angestanden, bei denen Touré nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten konnte.

Tuareg-Rebellen rücken immer weiter vor

Derweil rückten Tuareg-Rebellen der MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) im Norden des Landes immer weiter vor. Nach lokalen Medienberichten nahm ein islamistischer Zweig der MNLA am Sonntag die Unesco-Weltkulturerbe-Stadt Timbuktu ein. Timbuktu war die letzte Stadt im Nordosten des Landes, die noch von der Armee gehalten wurde.

Zuvor waren die Kämpfer, die den Norden Malis abtrennen wollen, bereits nach Gao und Kidal eingedrungen. Sanogo kündigte an, eine Delegation in die Region schicken zu wollen, die mit den Tuareg eine Waffenruhe aushandeln soll.

In Timbuktu kam es zu schweren Plünderungen. In 60 privaten Bibliotheken beherbergt die Stadt die größte Handschriftensammlung Westafrikas. Viele Manuskripte sind bis heute nicht digitalisiert.

DPA / DPA