Anschlag Bombenterror bedroht arabische Hauptstädte


Einen Tag nach dem blutigen Anschlag auf Touristen im Kairoer Khan-al-Khalili-Basar herrscht in den Gassen rund um den abgesperrten Markt schon wieder eifrige Geschäftigkeit.

"Wenn etwas passieren wird, dann passiert es eben. Was geschehen ist, war traurig, aber ich mache mir hier keine Sorgen", sagt Sabine Brandau aus Stuttgart, die an diesem warmen Aprilmorgen zusammen mit ihrem Ehemann durch die Gassen der islamischen Altstadt schlendert. Ihren Urlaub wollen sie wegen des Terrors nicht abbrechen. Die Hoteliers, Souvenirverkäufer, und Reiseführer Ägyptens halten unterdessen den Atem an und hoffen, dass der Sturm auf magische Art und Weise an ihnen vorbeiziehen und es diesmal nicht zu dem gleichen Einbruch in den Urlauberzahlen kommen wird wie 1997 nach dem Massaker von Luxor.

Zunahme des Amerikanismus

Zunächst war unklar, ob der Attentäter vom Donnerstag ein Einzeltäter war oder ob er einer internationalen Terrororganisation angehört. Europäische Diplomaten, die nun gemeinsam herausfinden wollen, wie sicher Ägypten für Reisende aus ihren Ländern noch ist, fragen sich außerdem, ob der Anschlag eventuell gezielt gegen Amerikaner gerichtet war - zur Tatzeit hielt sich eine Gruppe von US- Touristen in dem Geschäft auf - oder ob der Angreifer einfach Ausländer treffen wollte. Der Anti-Amerikanismus hat in Ägypten genau wie in anderen arabischen Ländern auch in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen. Das hängt in erster Linie mit der US-Nahostpolitik und der US-Besatzung im Irak zusammen.

Terrorwelle erreicht ehemals friedliche Städten

Fest steht nach dem Nagelbombenanschlag im Herzen der islamischen Altstadt: Die Liste der friedlichen arabischen Hauptstädte wird mit jedem Monat kürzer. Kamen die Nachrichten über Attentate früher fast ausschließlich aus Israel, so werden Bombenexplosionen inzwischen auch aus einst so friedlichen Städten wie Doha oder Damaskus gemeldet. In Bagdad gehören Autobombenanschläge zur Tagesordnung. In Riad vergeht kaum eine Woche ohne dass es zumindest Feuergefechte zwischen El-Kaida-Terroristen und der Polizei gibt. In Beirut gab es nach dem Sprengstoffanschlag auf Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri eine Serie von Explosionen in Einkaufszentren. Auch in Kuwait kam es kürzlich zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und islamistischen Extremisten.

Zweifel an der Einzeltäterthese

Die ägyptische Polizei setzt bisher auf die Einzeltäterthese, doch warnen ausländische Beobachter davor, sich zu stark auf die eventuell nicht ganz objektive Version der Behörden zu verlassen. Hatte doch auch die Lesart von der lokalen Gruppe um einen frustrierten Palästinenser, der den Anschlag auf israelische Touristen in Taba im vergangenen Oktober angeblich zusammen mit einigen Beduinen geplant haben soll, vielerorts für ungläubiges Staunen gesorgt. Zwar glaubt auch jetzt kaum jemand, dass die ägyptischen Terrororganisationen, die in den 90er Jahren Touristen getötet hatten, hinter dem Anschlag im Khan-al-Khalili stecken. Doch kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Täter zumindest von den Ideen der El-Kaida-Terroristen inspirieren ließ. Für eine direkte Verbindung zum Terrornetzwerk von Osama bin Laden gibt es allerdings bislang keine Hinweise.

Anne-Beatrice Clasmann/DPA


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