Anschlag in Afghanistan Gefangen in der Eskalationsfalle

Der Anschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan, bei dem ein Soldat ums Leben gekommen war, ist nach Ansicht des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan eine "militärisch geplante Aktion" gewesen. Offenbar sind die Taliban mittlerweile innerhalb kürzester Zeit aktionsfähig.

Nach den jüngsten Anschlägen auf die Bundeswehr hat die deutsche Regierung ihr Afghanistan-Engagement bekräftigt. "Nie wieder darf Afghanistan der Hort für weltweit agierenden Terrorismus werden", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei einem Besuch des Feldlagers Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte, dass die Bundeswehr ihren Einsatz am Hindukusch fortführen wolle. "Dies sind wir auch unseren gefallenen und verwundeten Soldaten schuldig."

Am Tag zuvor war eine deutsche Patrouille in der Nähe von Kundus in einen Hinterhalt geraten, wobei ein Soldat getötet und vier verletzt wurden. "Die Täter schrecken auch vor kaltblütigem Mord nicht zurück, um ihr Ziel zu erreichen", so Steinmeier. Er sprach den Angehörigen des getöteten Soldaten sein Beileid aus. Nur wenige Stunden zuvor waren bei einem Selbstmord-Attentat ebenfalls nahe Kundus fünf andere Bundeswehr-Soldaten leicht verletzt worden. Nach Angaben Jungs sollen zwei der Verletzten nach Deutschland zurückgeflogen werden. Zu dem ersten Anschlag hat sich die radikal-islamische Taliban-Miliz bekannt. Es wird vermutet, dass sie auch hinter dem zweiten Anschlag steckt.

Vor allem in der Region um Kundus ist es zuletzt vermehrt zu Zwischenfällen gekommen. "Wir müssen wissen, dass Kundus eine Problemzone geworden ist", sagte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan. Es sei dort schwieriger als noch vor vier Jahren. 440 deutsche Soldaten seien in der Region "ständig im Aufklärungseinsatz". Insgesamt sind derzeit mehr als 3800 Bundeswehrangehörige in Afghanistan stationiert. Seit Beginn des Einsatzes 2002 kamen 32 deutsche Soldaten ums Leben, davon 13 bei Anschlägen.

Schneiderhan sprach von einer "militärisch geplanten Aktion" und ging davon aus, dass kein Zusammenhang mit dem Afghanistan-Besuch Steinmeiers - dem vierten in der Amtszeit des Außenministers - bestehe. Nach Angaben des Generalinspekteurs war eine Patrouille von knapp 40 Soldaten in der Nähe des deutschen Feldlagers in einen Hinterhalt gelockt und unter anderem mit Panzerfäusten beschossen worden. Dabei wurde ein Hauptgefreiter getötet. Es habe ein "minutenlanges Feuergefecht" gegeben, so Schneiderhan. Vermutlich habe auch die Seite der Angreifer "Verluste" zu beklagen.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei hält es für durchaus denkbar, dass die Anschläge auf die Bundeswehr mit dem Besuch Steinmeiers zusammenhängen. "Die Aufständischen sind inzwischen sehr schnell aktionsfähig - zum Teil innerhalb von Stunden. Wenn durchsickert, ein Minister kommt, dann kann es in der Tat der Versuch sein, auf der Ebene des psychologischen Kampfes Zeichen zu setzen", sagte er dem Sender MDR Info.

Der Grünen-Politiker sieht die Lage in Afghanistan an einem Wendepunkt. Seit dem vorigen Jahr sei "die destruktive Dynamik nach unten stärker als die positive". Nachtwei kritisierte gravierende Fehler der westlichen Mission in Afghanistan. So sei man den militanten Kräften im Süden und Osten des Landes anfangs überwiegend militärisch entgegengetreten und "im Grunde in die Eskalationsfalle gelaufen".

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