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Anthony Scaramucci: Das wahnwitzige Telefonat von Trumps neuem Pressechef

Im Gegensatz zu Steve Bannon versuche er nicht, "seinen eigenen Schwanz zu lutschen" und Reince Priebus sei ein "paranoider Schizophrener". Donald Trumps neuer Pressechef Anthony Scaramucci hat schier unfassbare Aussagen von sich gegeben. Das Telefonat im Protokoll.

Anthony Scaramucci, Trumps neuer Kommunikationschef

US-Journalist Ryan Lizza twitterte am Mittwoch, dass er von zwei Quellen erfahren habe, US-Präsident Donald Trump werde gleich mit Fox-News-Moderator Sean Hannity und dessen Manager Bill Shine im Weißen Haus zu Abend essen. Kurz darauf klingelte Lizzas Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Trumps neuer Pressechef Anthony Scaramucci – und legte zu einer beispiellosen Tirade an. Lizza hat das Gespräch für das US-Magazin "The New Yorker" dokumentiert, auch Scaramucci bestätigte, mit ihm gesprochen zu haben. Lizza zufolge verlief das Telefonat wie folgt.

"Wer hat das geleakt?", wollte Scaramucci gleich zu Beginn wissen. Lizza sagte ihm, dass er diese Information nicht rausgeben werde. Daraufhin drohte der Pressechef damit, das gesamte Presseteam des Weißen Hauses zu feuern. "Was ich machen werde, ist das: Ich werde jeden aus der Kommunikationsabteilung rausschmeißen und wir fangen nochmal von vorne an." Lizzas Einschätzung zufolge wollte er ihn damit dazu bewegen, seine Quellen preiszugeben. Als das nicht fruchtete, appellierte er an den Patriotismus des Journalisten. "Sie sind ein amerikanischer Bürger, das ist eine Riesenkatarstrophe für das amerikanische Land. Also bitte ich Sie als amerikanischen Patrioten, geben Sie mir eine Idee, wer es geleakt hat."


Anthony Scaramucci: "Ich werde sie alle feuern"

"Ist es ein Assistent des Präsidenten?", fragte er danach. Als auch diese Frage nicht beantwortet wurde, legte er nach: "Okay, ich werde jeden davon feuern, und dann haben Sie niemanden beschützt. Es werden einfach alle gefeuert in den nächsten zwei Wochen." Lizza zufolge wurde Scaramucci immer wütender während des Gesprächs. "Ich werde sie alle feuern, ich habe neulich erst einen gefeuert und morgen feuere ich nochmal drei oder vier."


Dann verlagerte sich das Gespräch auf Reince Priebus, Trumps Stabschef im Weißen Haus. Laut Lizza sind dieser und Scaramucci verfeindet. Ein Eindruck, der sich bei dem Gespräch bestätigte. "Reince Priebus – wenn Sie was leaken wollen – er wird sehr bald gebeten zurückzutreten." Dann wurde es immer absurder. Zunächst bezeichnete Scaramucci Priebus als einen "verdammten paranoiden Schizophrenen". Anschließend äffte er ihn nach: "Oh, Bill Shine kommt zu Besuch. Lass mich die verdammte Sache leaken, dann sehen wir, ob ich diese Leute so behindern kann, wie ich Scaramucci seit sechs Monaten behindere." Er benutzte dabei das Wort "cock-block", wörtlich "schwanz-blockieren", das eigentlich benutzt wird, wenn ein Mann eine Frau abschleppen will, das aber verhindert wird, etwa von einer Freundin.

Scaramucci hatte seine Firma in der Erwartung einer wichtigen Rolle in Trumps Regierung verkauft, was dann jedoch von Priebus lange verhindert worden sein soll. Vergangene Woche ernannte Trump Scaramucci dann aber zu seinem Pressechef. Daraufhin kündigte Pressesprecher Sean Spicer, laut Lizza ein Verbündeter von Priebus. Öffentlich bestreiten alle drei jedoch diese Zusammenhänge.

"Also können sie sich ins Knie ficken"

Scaramucci zeigte sich in dem Telefonat überzeugt, dass Priebus hinter einer Veröffentlichung von Scaramuccis Geschäftsbeziehungen stehe. Die entsprechenden Dokumente habe dieser geleakt, sagte er. Doch laut Lizza waren diese öffentlich zugänglich, wie sich am nächsten Morgen herausstellen sollte. Das wusste Scaramucci da aber noch nicht. "Ich habe das FBI und das Justizminsiterium verständigt", sagte er. "Der Sumpf wird ihn nicht besiegen", wechselte er in die dritte Person. "Sie versuchen, mich zu verhindern, aber das wird nicht funktionieren. Ich habe nichts falsch gemacht bei meinen Finanzangelegenheiten, also können sie sich ins Knie ficken."


Scaramucci gab gegenüber Lizza an, kein Interesse an Medienaufmerksamkeit zu haben. "Ich bin nicht Steve Bannon, ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen", sagte er mit Blick auf Trumps umstrittenen Chefstrategen. "Ich bin nicht hier, um meine eigene Marke auf dem Rücken des Präsidenten aufzubauen. Ich bin hier, um meinem Land zu dienen." Und weiter: "Was ich tun will, ist all die Leaker verdammt nochmal töten und ich will die Agenda des Präsidenten in die Spur bringen, damit wir etwas für das amerikanische Volk erreichen."


"Ich benutze manchmal eine farbenfrohe Sprache"

Er beendete das Gespräch mit den Worten: "Ich muss jetzt los, weil ich ein bisschen Zeug twittern muss, um diesen Typen verrückt zu machen." Minuten später twitterte er dann: "Angesichts des Leaks meiner Finanzinformationen, was ein Kapitalverbrechen darstellt, werde ich das FBI und das Justizministerium informieren." Darin verlinkt er nicht nur die beiden Behörden, ans Ende des Tweets stellte er auch den Account von Reince Priebus, was wie eine direkte, öffentliche Anschuldigung wirkte. Wenig später löschte er den Tweet und ruderte zurück. Priebus habe er in seinen Tweet eingefügt, da er mit ihm zusammen gegen die Leaker vorgehe.


Als der Bericht über das Telefonat Wellen schlug, twitterte Scaramucci. "Ich benutze manchmal eine farbenfrohe Sprache. Ich werde mich in diesem Bereich zurückhalten, aber werde nicht meinen leidenschaftlichen Kampf für die Agenda des Präsidenten aufgeben." Kurz darauf schob er ebenfalls auf Twitter hinterher: "Ich habe den Fehler gemacht, einem Reporter zu vertrauen. Das wird nicht noch einmal passieren." Lizza betont, dass Scaramucci ihn nicht darum gebeten habe, das Gespräch vertraulich zu behandeln.

Trumps neuer Kommunikationschef Anthony Scaramucci hält sich im Weißen Haus die rechte Hand vor den Mund
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