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Neuer Kommunikationdirektor: Anthony Scaramucci: Warum er ideal in Trumps Team passt

Früher lästerte er über Donald Trump, nun will er ihn lieben. Früher mochte er die Demokraten, heute muss er sie bekämpfen. Anthony Scaramucci, der neue Kommunikationsdirektor, ist Wendehals aus Überzeugung.

Donald Trump ist ein Meister der Dialektik. Mit Hillary Clinton hatte er sich gut verstanden, sie war vor Jahren noch zu Gast auf seiner Hochzeit mit seiner Jetzt-Gattin Melania. Dann kam der Präsidentschaftswahlkampf und mit den netten Worten war es vorbei. Irgendwann früher war er einmal Abtreibungsbefürworter, seit ein paar Jahren nicht mehr. Einst fand er die Invasion im Irak gut, später dann wieder nicht. Früher war Trump mal ein typisch liberaler New Yorker, jetzt nicht mehr und so gesehen passt sein neuer Top-Verkäufer ins Weiße Haus wie die goldene Fassade zu den Trump-Türmen.

Früher lästerte Scaramucci über Donald Trump

In einer Nacht- und Nebelaktion hat der 53-jährige frischgekürte Kommunikationsdirektor des US-Präsidenten einen Haufen seiner alten Twitter-Nachrichten gelöscht. "Frühere Ansichten haben sich entwickelt und sollten keine Ablenkung sein. Ich diene der Agenda des US-Präsidenten und das ist alles, auf das es ankommt", notierte er zur Erklärung. Dieser Opportunismus tut Not, denn Scaramucci stand in den vergangenen Jahren für alles, an das (mittlerweile) nicht mehr glaubt: offene Grenzen, striktere Waffengesetze, Home-Ehe. Über seinen jetzigen Chef zog er vor nicht allzu langer Zeit mit den Worten her, dieser sei ein Stümper, ein Spalter, um zu orakeln: "Dieser Unsinn (Trumps Kandidatur, d.Red.) wird aufhören, und ich prophezeie, dass es noch vor Thanksgiving zu Ende sein wird." Jetzt sagt er: "Ich liebe diesen Präsidenten."


Geschmeidigkeit ist offenbar einer der Stärken des ehemaligen Hedgefondsmanagers. Und sicher nicht die schlechteste Eigenschaft, wenn man für den wankelmütigen US-Präsidenten arbeiten will. Eigentlich hätte er schon früher den Posten übernehmen sollen. Im Weg aber stand bislang seine Beteiligung eines von ihm gegründeten Investmentfonds an einem chinesischen Konzern. Die wollte er zunächst verkaufen, um "100 Prozent sauber" zu sein, wie er sagte. Was er aber nicht sagte, war, ob die Transaktion mittlerweile abgeschlossen ist. Seine Berufung zum obersten Trump-Kommunikator jedenfalls ist nicht unumstritten. Der bisherige Präsidentensprecher nahm sie zum Anlass, aus Protest von seinem Posten zurückzutreten.

Scaramucci, an der Wall Street wahlweise "der Schnorrer" oder wegen seiner gutsitzenden Anzüge "Gucci Scaramucci" genannt, ist wie Donald Trump auch ein Quereinsteiger ohne große Kenntnisse der Washingtoner Gepflogenheiten. Ob das wirklich so eine gute Idee ist, muss sich natürlich erst zeigen. Aber zumindest seine ersten Ideen deuten darauf hin, dass im Weißen Haus bald ein neuer Ton herrschen könnte. Der "Washington Post" zufolge, soll der 53-Jährige planen, aus den üblichen Pressebriefings eine Art TV-Show zu machen. Auch Diskussionsrunden mit dem politischen Gegner seien denkbar. Diese neue Außendarstellung wäre zwar unorthodox, aber angesichts des desaströsen Bildes, dass die Regierung derzeit abgibt, vor allem in der " -Connection", kann es eigentlich nicht viel schlechter laufen als bislang.


Die angebliche Einflussnahme Russlands auf den US-Wahlkampf und die mögliche Verstrickung von Trumps Wahlkampfteam ist der übermächtige Schatten, der über der neuen Regierung liegt. Aus Sicht des US-Präsidenten vor allem ein PR-Problem. Eines, dem sich Scaramucci nun annehmen soll. Als erste Amtshandlung hat der aus Long Island stammende Banker "drastische Maßnahmen" angekündigt, um die undichten Stellen im Weißen Haus zu beseitigen. "Wir müssen die Leaks stoppen", sagte er dem Sender Fox News. Was derzeit geschehe, deute auf einen hohen Grad an Unprofessionalität hin, "und es hilft nicht dem Präsidenten."

Die Vergabe des Postens an Scaramucci wird von Beobachtern auch als Kriegserklärung gegen Trumps enge Mitarbeiter und Reince Priebus verstanden - beide ebenfalls erklärte Widersacher des neuen Kommunikationsdirektors. Dass der Präsident ein Faible dafür hat, sich mit gegensätzlichen Meinungen zu umgeben, dafür sind Bannon, der rechter Hardliner und Priebus, der brave Republikaner-Parteisoldat die besten Beispiele. Auch sie sind sich selbst nicht grün. Und auch am Kabinettstisch sitzen mit Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Matthis zwei Männer, die in vielen Fragen grundlegend anderer Ansicht sind als ihr Chef.

Anders als Trump ist Scaramucci ein Selfmade-Man

Anthony Scaramucci ist diese Trumpsche Dialektik in nur einer Person. 2008 hatte er noch Wahlkampfspenden für den späteren Präsidenten Barack Obama eingetrieben, vier Jahre danach arbeitete er für dessen republikanischen Rivalen Mitt Romney. fand er mal "unglaublich kompetent". Seine einstigen Tiraden gegen Donald Trump nennt er nun einen seiner "größten Fehler". Immerhin: Wer, anders als Ex-Sprecher Sean Spicer, Selbstkritik zulässt, wirkt gleich deutlich sympathischer - auch wenn Scaramucci ansonsten nur wenig Zweifel daran lässt, wen er eigentlich für den Größten hält: sich selbst. Aber vielleicht muss man so überzeugend flexibel sein, wenn man wie er, es geschafft hat, sich als Sohn eines Bauarbeiters über die Elite-Uni Harvard bis ins Weiße Haus hochzuarbeiten. Als Selfmade-Man sieht sich Donald Trump schließlich auch gerne.