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Anti-amerikanische Proteste: US-Botschaft im Jemen gestürmt

Auch im Jemen flammen nach den Anschlägen auf US-Vertretungen in Libyen und Ägypten Unruhen auf: Eine Menschenmenge drängt in die Botschaft in Sanaa. Mindestens ein Demonstrant stirbt.

Die Ausschreitungen von Islamisten gegen US-Repräsentanzen weiten sich aus: Hunderte Demonstranten griffen am Donnerstag die US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa an. Bei den Zusammenstößen, die nach morgendlichen Unruhen am Nachmittag erneut aufflammten, wurde ein Demonstrant getötet.

Die Polizei habe Warnschüsse abgegeben und Wasserwerfer eingesetzt, um die Menschenmenge zu vertreiben, berichteten Augenzeugen. Die Demonstranten seien unter "Oh Prophet! Oh Mohammed"-Rufen durch das Haupttor des schwer bewachten Geländes gebrochen. Auf dem Gelände wurden mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt. Den Sicherheitskräften gelang es kurz darauf, die Eindringlinge zurückzudrängen, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Seit Dienstag gibt es in zahlreichen muslimischen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo hielten die Demonstrationen auch in der Nacht zu Donnerstag an. Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versicherte in Brüssel, seine Regierung werde alle Besucher, Touristen und diplomatischen Vertretungen im Land beschützen.

USA schicken Kriegsschiffe

Das US-Konsulat im libyschen Bengasi war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum. Die US-Marine schickte zwei Kriegsschiffe an die Küste des Landes. Die beiden Zerstörer sowie ein 50-köpfiges Marineteam würden als "Präventivmaßnahme" entsendet, sagte ein US-Regierungsvertreter

Im Jemen hatte es zuletzt im März 2008 ein Attentat auf die US-Botschaft gegeben. Damals war ein jemenitischer Wachmann ums Leben gekommen.

In Sanaa hatten in den vergangenen Tagen auch Zehntausende Menschen für eine Aufhebung der Straffreiheit des ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh demonstriert. Die Demonstranten vermuten, dass Saleh den jemenitischen Arm des Terrornetzwerks al Kaida unterstützt. Al Kaida hatte das Machtvakuum während Salehs Sturz genutzt und die Kontrolle über Teile des Landes an sich gerissen.

fw/mlr/AFP/Reuters/DPA / DPA / Reuters