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Angriffe auf US-Vertretungen Ein Film schürt den Zorn der Islamisten


Die Attacken auf US-Repräsentanzen in Nahost könnten nur der Anfang gewesen sein: Weltweit wächst die Sorge vor Racheakten. Auslöser ist ein obskurer Amateurfilm, der den Propheten Mohammed beleidigt.

Die Erstürmung von US-Vertretungen in Ägypten und Libyen könnten der Beginn einer neuen Anschlagswelle sein: Terrorismusexperten befürchten weitere Ausschreitungen weltweit. Die höchste Gefahr drohe in Ländern mit militanten islamischen Rebellengruppen, teilte das auf die Beobachtung terroristischer Aktivitäten spezialisierte IntelCenter am Dienstag in Alexandria bei Washington mit.

Unmittelbarer Auslöser für die neuen Gewaltaktionen ist ein Trailer für einen angeblich islamfeindlichen Film auf YouTube. In der 14 Minuten langen Kostprobe werde der Prophet Mohammed als Blödmann, Frauenheld, Homosexueller, Kinderschänder sowie gieriger und blutdürstiger Gangster dargestellt, berichtete die "New York Times".

Der Film selbst wurde von einem US-Bürger mit israelischen Wurzeln produziert: Sam Bacile ist ein 52-jähriger Entwickler von Immobilienprojekten aus Kalifornien, der den Islam im "Wall Street Journal" als "Krebs" bezeichnete.

Macher sammelte fünf Millionen Dollar von Spendern ein

Bacile sagte dem Blatt, er habe den zweistündigen Film im vergangenen Jahr in Kalifornien gedreht. Rund 60 Schauspieler und eine 45 Mann starke Crew seien an dem dreimonatigen Projekt beteiligt gewesen. Um die Produktion zu finanzieren, habe er fünf Millionen Dollar von rund einhundert jüdischen Spendern eingesammelt. "Der Film ist ein politischer Film. Es ist kein religiöser Film", sagte er der Zeitung.

Der Trailer war offenbar bereits seit Juli auf YouTube zu sehen. Aufmerksamkeit erregte die Filmvorschau erst, seit sich der als Koranhasser bekanntgewordene Pastor Terry Jones aus Florida für den Film eingesetzt habe. Jones hatte im März 2011 gewalttätige Proteste in Afghanistan ausgelöst, nachdem eine Koran-Ausgabe in seiner Kirche verbrannt worden war. Sieben UN-Mitarbeiter starben als Folge der Gewalt. Weitere 76 Menschen wurden verletzt.

In der vergangenen Woche tauchte eine auf Arabisch übersetzte Version auf. Ein koptischer Christ aus Ägypten, der in den USA lebt und im Internet mit verbalen Breitseiten gegen Muslime aufgefallen sei, habe das Video auf seinem Blog veröffentlicht, schreibt die "New York Times". Schließlich griffen Zeitungen und das Fernsehen in Ägypten das Thema auf. Zunächst hieß es dabei fälschlicherweise, der Film sei von Kopten aus den USA produziert worden.

fw/AFP/DPA DPA

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