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Mitarbeitern droht Abschiebung: Apple, Microsoft und Facebook wollen ihre "Dreamer" vor Donald Trump beschützen

Erneut weht Donald Trump heftiger Wind entgegen. Diesmal wegen der Abschaffung des Schutzprogramms junger Einwanderer. Besonders massiv ist der Widerstand von Konzernen wie Apple und Facebook. Microsoft bietet Betroffenen juristischen Beistand an.

Es sind Worte, die von Firmenchefs selten zu hören sind: "Wir Unternehmer wollen alle eine Steuerreform. Aber die muss warten. Zunächst soll sich der Kongress um das "Dreamers"-Programm kümmern. Er hat nur sechs Monate Zeit." Dass sagt Brad Smith, Präsident von Microsoft, in einem Interview mit dem US-Sender NPR. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat sich der Manager des weltweit größten Softwareherstellers über das Ende der Immigrantenregelung geäußert, die US-Präsident nun beschlossen hat. Microsoft kündigte auch praktische Hilfe an: "Wenn die Regierung versucht, einen von ihnen abzuschieben, werden wir ihnen einen Rechtsbeistand zur Verfügung stellen und dafür bezahlen", so Smith.

Alle großen Konzernchefs protestieren

Smith ist nur einer von Dutzenden Konzernchefs, die vehement und öffentlich gegen die Abschaffung der Aufenthaltsregelung protestiert. Auch die Vorsitzenden von Unternehmen wie Amazon, Apple, Facebook, Netflix, Well Fargo und General Motors haben Donald Trump und die Parteien im US-Kongress in einem Brief aufgerufen, das Dekret von Ex-Präsident Barack Obama zu verlängern. Es erlaubt Kindern, die im Alter von unter 16 Jahren illegal in die USA gebracht worden waren, eine verlängerbare, zweijährige Arbeitserlaubnis zu erhalten. Apple-Chef Tim Cook erklärte etwa, er sei "tief bestürzt" darüber, dass "800.000 Amerikaner, einschließlich 250 Apple-Kollegen" bald aus dem "einzigen Land" geworfen werden könnten, "das sie jemals als das ihre angesehen" hätten. "Ich versichere ihnen, dass Apple bei den Kongressabgeordneten dafür wirbt, den 'Dreamern' eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung zu ermöglichen", so Cook in einem Statement.

Microsofts Vorstandsvorsitzender Satya Nadella, ein gebürtiger Inder, der mit Anfang 20 in die USA eingewandert war, hatte bereits vor einigen Tagen mit einer persönlichen Einlassung seinen Protest gegen Trump neueste Entscheidung kundgetan: "Ich bin das Ergebnis von zwei sehr amerikanischen Eigenschaften: Der Einfallsreichtum amerikanischer Technik hat mich dort erreicht, wo ich aufgewachsen bin und hat meine Träume befeuert. Und nur die offene Einwanderungspolitik hat es mir erlaubt, diese Träume auch zu leben."

Sundar Pichai, Vorstand von Google und ebenfalls gebürtiger Inder, erklärte seine Solidarität mit den halblegalen Jungamerikanern per Twitter: "Dreamers sind unsere Nachbarn, unsere Freunde und unsere Arbeitskollegen. Dies ist ihr Zuhause. Der Kongress muss handeln." Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte in seinem Netzwerk ebenfalls eine Erklärung in diese Richtung verfasst: "Wir brauchen eine Regierung, die die 'Träumer' beschützt. Diese jungen Menschen stehen für unsere Zukunft unseres Landes und unserer Wirtschaft. Sie sind unsere Freunde und unsere Familie."

Protest gegen Aus von Dreamers

Protest vor dem US-Kapitol gegen das Aus des Dreamers-Programm

"Dreamers"-Aus könnte 390 Milliarden kosten

Schätzungen zu Folge, sind rund 800.000 Menschen von der Entscheidung Trumps über den Stopp des Programms betroffen. Die Unternehmer rechnen mit einem volkswirtschaftlichen Verlust in Höhe von 460,3 Milliarden Dollar (knapp 390 Milliarden Euro). Diese "hart arbeitenden jungen Leute" könnten dann nicht mehr legal in den USA arbeiten und wären dem Risiko einer sofortigen Abschiebung ausgesetzt, erklärten die Unternehmenschefs in einem offenen Brief. "97 Prozent von ihnen gehen zur Schule oder haben einen Job. Fünf Prozent haben ihre eigene Firma gegründet, 16 Prozent haben bereits ihr erstes Haus gekauft, 72 Prozent der 25 größten Unternehmen in den USA beschäftigen Dreamers", rechnen die Konzernchefs vor. Bei Microsoft etwa seien es 39, wie der Softwarehersteller sagt.

Das sogenannte Daca-Programm (für "Deferred Action for Childhood Arrivals") wurde von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama per Dekret erlassen. Einige Konservative, darunter auch der jetzige Justizminister Jeff Sessions, halten den Erlass für verfassungswidrig. Zehn Bundesstaaten haben bereits dagegen geklagt. Nach dem Willen von Donald Trump soll der Kongress bis zum Frühjahr 2018 eine Lösung finden.

nik mit DPA