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Ashton Carter Wer ist der neue US-Verteidigungsminister?


Barack Obama wollte einen Wechsel an der Pentagonspitze: Nun wurde Ashton Carter als neuer Verteidigungsminister bestätigt. Er soll anders als sein Vorgänger mehr Gehör beim US-Präsidenten finden.

Der US-Senat hat Ashton Carter mit überragender Mehrheit als neuen Verteidigungsminister bestätigt. 93 Senatoren stimmten in Washington für die Ernennung des 60-Jährigen, 5 dagegen. Carter löst damit an der Pentagon-Spitze Chuck Hagel ab. Der 68-Jährige hatte im November nach nicht einmal zwei Jahren im Amt seinen Rücktritt erklärt. Medienberichten zufolge passierte das auf Druck von US-Präsident Barack Obama.

Carter war bereits von Oktober 2011 bis Dezember 2013 stellvertretender Verteidigungsminister. Er ist nun der vierte Pentagonchef seit Obamas Amtsantritt vor sechs Jahren. Der Präsident würdigte Carter bei dessen Nominierung als eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit. Seine vordringliche Aufgabe wird die Fortführung des Krieges gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien sein.

Wer ist Ashton Carter?

Der neue Verteidigungsminister gilt als Mann mit rigorosem Intellekt. Seine Abschlussarbeit an der Elite-Universität Yale verfasste er in mittelalterlicher Geschichte über die lateinischen Schriften der Mönche im Flandern des zwölften Jahrhunderts.

Anschließend promovierte er in Oxford in theoretischer Physik und löste im Bereich der Quantenchromodynamik nach eigenem Bekunden begeistert Gleichungen über das Verhalten von Teilchen in Atomkernen.

Manche beschreiben den verheirateten Vater von zwei Kindern als arrogant. Carter selbst verbreitet die Anekdote, wie er als elfjähriger Arztsohn in seiner Geburtsstadt Philadelphia wegen neunmalklugen Auftretens von seinem ersten Job in einer Autowaschanlage gefeuert wurde. Als Verteidigungsminister unter Obama ist Demut jedoch eine wichtige Tugend, da der Präsident seine außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungen nicht vorrangig mit dem Pentagon bespricht.

Wechsel zwischen Politik und Wissenschaft

Carter kann auf eine langjährige Erfahrung im Verteidigungsministerium zurückblicken. Zu Beginn seiner Laufbahn Anfang der 80er Jahre war er als Analyst im Bereich Raketenabwehr und Atomwaffen tätig. Während der Präsidentschaft von Bill Clinton in den 90er Jahren kümmerte er sich als Abteilungsleiter für Internationale Sicherheitspolitik darum, die Atomwaffenarsenale in den früheren Sowjetrepubliken zu sichern.

Carter wechselte zwischen Regierung und Wissenschaft hin und her, unter anderem leitete er an der Elite-Universität Harvard das Zentrum für Naturwissenschaften und Internationale Angelegenheiten. Von 2009 bis 2011 war Carter im Pentagon Staatssekretär für Technologie und Waffenbeschaffung. Anschließend stieg er zum stellvertretenden Verteidigungsminister auf und war damit geschäftsführender Manager des Multimilliarden-Dollar-Etats des Pentagon.

Politisch nicht immer einer Meinung

US-Medien zufolge wäre Carter schon vor zwei Jahren gerne Verteidigungsminister geworden, als der Posten nach dem Rücktritt von Leon Panetta vakant war. Als Obama sich für Hagel entschied, blieb Carter noch einige Monate auf dem Vizeposten, ehe er im Dezember 2013 zurücktrat. Auch dieses Mal war der bei Demokraten und Republikanern gleichermaßen angesehene Karrierebeamte wohl nicht die erste Wahl des Präsidenten: Zwei Wunschkandidaten des Weißen Hauses, die ehemalige Pentagon-Spitzenbeamtin Michèle Flournoy und der demokratische Senator Jack Reed, hatten zuvor abgesagt.

Politisch lag Carter mit Obama nicht immer auf einer Wellenlänge. So lehnte Carter den vollständigen Abzug der US-Truppen aus dem Irak Ende 2011 ab. Bei einer Anhörung im Senat Anfang des Monats zeigte der 60-Jährige große Bereitschaft für Waffenlieferungen an die Ukraine. "Ich tendiere sehr stark in diese Richtung", sagte Carter und wich damit von der Linie des Weißen Hauses ab. Obamas Sprecher Josh Earnest ließ daraufhin sofort wissen, dass die letzte Entscheidung in dieser Frage noch immer beim Präsidenten liege.

kis/DPA/AFP DPA

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