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US-Militär: Erster Einsatz seit 2011: B-2 Tarnkappenbomber greifen IS in Libyen an

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat als einer seiner letzten Amtshandlungen einen Großangriff auf die Terrormiliz IS in Libyen befohlen. Hierfür setzten die USA erstmals seit 2011 Tarnkappenbomber vom Typ B-2 ein.

Northrop B-2

B-2-Tarnkappenbomber der US-Luftwaffe haben Dschihadistenlager nahe der früheren IS-Hochburg Sirte in Libyen angegriffen

Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt hat US-Präsident Barack Obama einen Großangriff auf die Dschihadistenmiliz IS in Libyen angeordnet: Kampfjets der US-Luftwaffe bombardierten am Mittwochabend zwei Lager des IS in der libyschen Wüste und töteten dabei mindestens 80 Dschihadisten, wie Verteidigungsminister Ashton Carter in Washington mitteilte. Bei dem Angriff seien auch Drahtzieher von Terroranschlägen in Europa getroffen worden, sagte der Minister weiter. Unter den Getöteten seien "Leute, die aktiv an der Planung von Operationen in Europa arbeiteten oder die mit Anschlägen, die es in Europa gegeben hat, in Verbindung standen".

Nach Angaben eines Pentagon-Sprechers griffen zwei B-2-Tarnkappenbomber der US-Luftwaffe die beiden Dschihadistenlager nahe der früheren IS-Hochburg Sirte an. Die Bomber seien von der Whiteman Air Force Base im US-Bundesstaat Missouri gestartet und nach der 30-stündigen Mission auch dorthin zurückgekehrt. Über 100 Bomben und Raketen seien gegen die Terroristen eingesetzt worden. Die B-2, die einen Stückpreis von knapp 740 Millionen US-Dollar hat, kam erstmals seit 2011 zum Einsatz.

Einsatz als "Erfolg" bewertet

Der Einsatz sei von Obama persönlich gebilligt worden und sei in Abstimmung mit der libyschen Einheitsregierung in Tripolis erfolgt, sagte der Sprecher. In den beiden Lagern hätten sich IS-Kämpfer nach der Rückeroberung ihrer früheren Hochburg Sirte durch Regierungsverbände gesammelt, um sich neu aufzustellen. Die angegriffenen IS-Kämpfer hätten Uniform und Waffen getragen. "Sie haben ein Sicherheitsrisiko für Libyen, die Region und die nationalen Interessen der USA dargestellt", sagte der Sprecher. Er wertete den Einsatz als "Erfolg". Zivile Opfer habe es nicht gegeben. Sirte war das letzte größere vom IS kontrollierte Gebiet in Libyen. Die regierungstreuen Truppen hatten im Mai eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt gestartet und im Dezember offiziell die "Befreiung" der Stadt verkündet. Die US-Armee hatte die Regierungstruppen dabei unterstützt; ihren Einsatz in und um Sirte hatten die USA im Dezember für beendet erklärt.


Die Dschihadisten hatten sich 2014 in der Heimatstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi festgesetzt und Sirte vor einem Jahr vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die Extremistengruppe hatte dabei vom allgemeinen Chaos profitiert, das in Libyen seit dem Sturz und Tod Gaddafis im Herbst 2011 herrscht. Aus Libyens zweitgrößter Stadt Bengasi wurden am Donnerstag Kämpfe gemeldet. Die Zusammenstöße zwischen Truppen des örtlichen Machthabers Chalifa Haftar und dschihadistischen Rebellen begannen am Morgen, Kampfflugzeuge griffen Stellungen der Islamisten an, berichtete ein AFP-Korrespondent aus der Hafenstadt.

Dschihadisten sollen aus letzten Hochburgen vertrieben werden

Ein Sprecher der von Marschall Haftar geführten Libyschen Nationalarmee (LNA) sagte, seine Verbände wollten die Dschihadisten aus ihren letzten Hochburgen in Bengasi vertreiben. Die Dschihadisten hatten die Stadt 2014 unter ihre Kontrolle gebracht, Haftars Verbände haben inzwischen aber einen großen Teil zurückerobert. Bei den Kämpfen kamen nach Angaben der LNA am Montag neun ihrer Kämpfer ums Leben und am Dienstag sechs.

Im Süden und Westen Libyens hielt unterdessen die Energiekrise an, die abermals zu wiederholten Stromausfällen führte. Wegen der Probleme mit der Stromversorgung sagte der Ministerpräsident der in Tripolis ansässigen Einheitsregierung, Fajes al-Sarradsch, seine für Donnerstag geplante Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos ab. Die Behörden führen den Energieengpass auf die derzeitige Kältewelle in Libyen zurück, die die Nachfrage steigen lässt. Viele Kraftwerke können wegen Beschädigungen aus Kämpfen nicht in vollem Umfang produzieren.

amt/AFP