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Nach US-Panne: Auch Russische Kampfjets bombardieren medizinische Einrichtungen

Russland gerät immer stärker unter Druck. Nachdem ein Krankenhaus durch US-Bomben in Kundus getroffen wurde, sollen am selben Tag auch russische Kampfjets mehrere Krankenwagen bombardiert haben.

Laut englischen Medien sollen russische Kampfjets Krankenwagen in Syrien angegriffen haben

Laut englischen Medien sollen russische Kampfjets Krankenwagen in Syrien angegriffen haben

Nachdem ein Krankenhaus in Kundus durch einen versehentlichen Bombenangriff der US-Armee zerstört wurde und 22 Menschen dabei ums Leben kamen, fielen am selben Tag auch russische Bomben auf eine medizinische Einrichtung. Laut einem Artikel der "Daily Beast" bombardierten russische Kampfjets in Syrien zivile Stellungen und zerstörten dabei mehrere Krankenwagen einer humanitären Hilfsorganisation. Das berichtete der Leiter einer humanitären NGO, die vor Ort Hilfe leistet, dem US-Online-Magazin.

Russland gerät wegen seiner Luftangriffe in Syrien und der Verletzung des türkischen Luftraums immer stärker unter Druck. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Moskau am Dienstag vor, bei den Einsätzen den türkischen Luftraum absichtlich verletzt zu haben - dies sei kein "Unfall" gewesen. Unklar war die Lage im syrischen Palmyra: Während aus Damaskus verlautete, die russische Luftwaffe habe dort Ziele von Extremisten angegriffen, dementierte Moskau dies.

Klinik sei "fälschlicherweise getroffen"

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat derweil nach dem Angriff auf das Krankenhaus in Kundus sein tiefes Bedauern über den Verlust unschuldiger Leben ausgedrückt. 

Das Pentagon werde die Ermittlungen Afghanistans und der Nato voll unterstützen, erklärte Carter am Dienstag. "Durch vollständige und transparente Aufklärung tun wir alles, um diesen tragischen Zwischenfall zu verstehen, aus ihm zu lernen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, wo das nötig ist."

Zuvor hatte der Kommandierende der US- und Nato-Streitkräfte General John Campbell gesagt, die Klinik sei "fälschlicherweise getroffen" worden.

Campbell blieb am Dienstag im Streitkräfteausschuss des US-Senats bei seiner Einschätzung, dass der als Kriegsverbrechen kritisierte Angriff auf Bitten der afghanischen Armee erfolgt sei. "Wir würden niemals absichtlich eine geschützte medizinische Einrichtung anvisieren", sagte Campbell. Die Entscheidung sei in der US-Befehlskette gefallen.

"Afghanistan bleibt eine der gefährlichsten Regionen der Welt"

Kämpfer der radikal-islamischen Taliban hatten weite Teile des ehemaligen Bundeswehr-Einsatzgebietes unter ihre Kontrolle gebracht. Regierungstruppen eroberten bis Montag das Stadtzentrum der Großstadt Kundus zurück. Angesichts des Angriffs der Taliban sprach sich der amerikanische Vier-Sterne-General für einen längeren Truppenverbleib aus. "Afghanistan bleibt eine der gefährlichsten Regionen der Welt", sagte Campbell.

Der anhaltende Druck auf radikale Gruppen und die Ausbildung der afghanischen Armee durch US- und Nato-Streitkräfte hätten Terroranschläge im Ausmaß der Attacken vom 11. September 2001 verhindert, sagte Campbell.

Nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama sollen die verbleibenden 9800 amerikanischen Soldaten bis Ende 2017 abgezogen werden. Ob die afghanischen Sicherheitskräfte ohne Unterstützung der USA auskommen, ist fraglich.

Bis Ende dieses Jahres hatte die Anzahl der US-Soldaten auf 5500 sinken sollen. Aber im März hatte Obama bereits angekündigt, die Truppen langsamer als geplant abzuziehen.

hev / DPA / AFP