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Luftschläge in Syrien: Welche "Terroristen" will Russland eigentlich treffen?

Im Kampf gegen den Terror schienen die USA und Russland eine gemeinsame Basis gefunden zu haben. Doch nach den ersten russischen Luftschlägen stellt sich den Amerikanern die Frage: Von welchen "Terroristen" spricht Russland?

Lawrow weist die Vorwürfe nicht IS-Positionen angegriffen zu haben zurück

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wehrt sich gegen die Kritik an Russlands Luftangriffen gegen Syrien.

In ihrem Willen, in Syrien gegen den Terror vorzugehen, sind sich die USA und Russland seit kurzem einig. Doch wer eigentlich "die Terroristen" sind, darüber ist man sich offensichtlich alles andere als einig. Während der Westen von einem Kampf gegen den selbst ernannten Islamischen Staat (IS) ausgeht, gelten nach Lesart des von Russland unterstützen syrischen Regierungschef Baschar al-Assad auch die kurdischen Rebellen, die zum Teil aktiv gegen den IS kämpfen, als "Terroristen".

Nach den ersten russischen Luftangriffen auf Ziele in Syrien klagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter, es sehe nicht danach aus, dass die Angriffe Gebiete getroffen hätten, die von Dschihadisten gehalten werden. Russland "gießt Öl ins Feuer", sagte Carter. "Es scheint, dass sie in Gegenden waren, wo vermutlich keine IS-Kräfte waren." Vor diesem Hintergrund drohe die Lage in Syrien durch das Eingreifen Russlands weiter zu eskalieren.


Lawrow: Alles nur "Gerüchte"

Russlands Außenminister Sergej Lawrow wischte die Zweifel an den Zielen der russischen Luftangriffe am Donnerstag beiseite. Die Gerüchte seien "unbegründet", erklärte Lawrow nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry in New York. Es gebe auch "keine Hinweise" darauf, dass bei den Angriffen Zivilisten getötet worden seien. Auf Satellitenbildern, die Moskau als Beleg veröffentlichte, ist angeblich zu sehen, dass unter anderem Munitionsdepots und Treibstofflager sowie Kommandostellen des IS getroffen worden seien.

Lawrow betonte erneut, dass Russland auf Bitte von Syriens Staatschef Assad in dem Bürgerkriegsland eingegriffen habe. Es gehe dabei "ausschließlich" um den Kampf gegen den IS und "andere Terrorgruppen", hieß es in der Stellungnahme, die auch vom Außenministerium in Moskau verbreitet wurde. Um welche Gruppen es sich handelt, blieb unklar.

Rund 36 Zivilisten in Homs getötet

Russland hatte am Mittwoch erstmals Luftangriffe in Syrien geflogen. Nach der vom Westen bezweifelten Darstellung des Moskauer Verteidigungsministeriums wurden bei 20 Angriffen acht IS-Ziele bombardiert. Auch die syrische Opposition äußerte Zweifel. Laut Chaled Chodscha, Chef der Syrischen Nationalen Koalition, wurden bei einem Luftangriff in der Provinz Homs 36 Zivilisten getötet.

Um weitere Verwirrungen zu vermeiden, wollen Russland und die USA ihr weiteres Vorgehen in dem Bürgerkriegsland besser abstimmen. Entsprechende Verhandlungen könnten noch im Laufe dieses Donnerstags beginnen, hieß nach dem Treffen von Lawrow und Kerry. Die Gespräche sollen verhindern, dass sich die USA und Russland versehentlich in die Quere kommen. Lawrow kündigte bereits an, das Russland die Luftschläge fortsetzen werde.

eol/dho / DPA / AFP / Reuters