Atomstreit-Kompromiss mit Iran Die Türkei bittet um "gegenseitiges Vertrauen"


Das Einlenken der Führung in Teheran im Streit um das iranische Atomprogramm ist nach Ansicht der türkischen Regierung bedeutend für die Vertrauensbildung.

Der Iran hat die USA aufgerufen, dem in Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei erreichten Kompromiss im Atomstreit zuzustimmen. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, erklärte am Dienstag in Teheran, er sei optimistisch, dass die anderen beteiligten Staaten die Einigung nach weiteren Überlegungen akzeptieren würden. Die Türkei rief die USA auf, nicht länger auf weitere Sanktionen zu dringen.

Der Vorschlag sieht vor, dass der Iran schwach angereichertes Uran in die Türkei bringt und im Gegenzug Brennstäbe für einen Forschungsreaktor erhält. Der Kompromissvorschlag wurde vom brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ausgehandelt und von den Außenministern der drei Länder unterzeichnet. Deutschland, die EU, die USA und selbst Russland hatten zunächst skeptisch auf die Vereinbarung reagiert.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte am Dienstag, im Konflikt um das iranische Atomprogramm seien nicht weitere Sanktionen gefragt, sondern die Diplomatie, um die Spannungen zu verringern. Davutoglu lobte den Iran, der sich bereiterklärt habe, einen Teil seines schwachangereichten Urans ins Ausland zu geben. Die gleiche Flexibilität sollten jetzt auch die USA und die anderen westlichen Staaten zeigen. "Heute ist der Tage des gegenseitigen Vertrauens", erklärte Davutoglu.

China, das Sanktionen zurückhaltend gegenüber steht, erklärte am Dienstag, die Regierung begrüße das Abkommen. Es werde hoffentlich zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts durch Verhandlungen führen.

Kritik an der Einigung gab es unter anderem auch aus Deutschland, das an den bisherigen Verhandlungen mit dem Iran beteiligt war. Dabei gelang es nicht, den Iran generell zur Aufgabe der Urananreicherung zu bewegen. Der springende Punkt bleibe aus Sicht der Bundesregierung die Frage der Anreicherung nuklearen Materials im Land selbst, erklärte am Montag der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans. Auch die EU betonte, die Hauptsorge gelte nicht dem Uran für Forschungsreaktoren, sondern dem Atomprogramm selbst.

APN/DPA DPA

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