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Mark Milley Aus Sorge, dass Trump den Atomknopf drückt – oberster US-Militär kontaktierte China auf eigene Faust

Mark Milley Donald Trump
Mark Milley Donald Trump Anfang 2020 im US-Kongress
© Olivier Douliery / AFP
US-Generalstabschef Mark Milley hat befürchtet, dass Donald Trump in seinen letzten Tagen als US-Präsident einen Krieg mit China anzettelt. Deshalb soll er auf eigene Faust Peking kontaktiert haben, heißt es im neuen Bob-Woodward-Buch.

"Was, wenn es keine Putschpläne gegeben hat, General Milley", fragte die "New York Times" vor wenigen Wochen etwas nachdenklich. Damals waren die ersten Auszüge aus einem Buch über seine Zeit als US-Generalstabschef an der Seite Donald Trumps erschienen. Darin beschreibt der oberste Militär vom Sturm auf Kapitol am 6. Januar und seine Befürchtung, der scheidende US-Präsident könne einen Putsch versuchen. Letztlich blieb der Staatsstreich aus, doch Milley hatte bereits mit Vertrauten Gegenmaßnahmen für den Fall der Fälle erörtert. Es waren wohl nicht seine einzigen Anti-Trump-Pläne.

Zweimal Kontakt mit Peking wegen Krieg  

Aus Sorge vor einem Krieg mit China soll Milley gleich zweimal seinen Kollegen Li Zuocheng in Peking kontaktiert haben: In einem ersten Gespräch am 30. Oktober, wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl, sagte er demnach: "General Li, Ich will Ihnen versichern, dass die US-Regierung stabil ist und alles in Ordnung sein wird. Wir werden Sie nicht angreifen oder irgendwelche kriegerischen Operationen gegen Sie unternehmen." Mit diesen Worten zitiert der Investigativjournalist Bob Woodward den US-Generalstabschef in ihrem Buch "Peril" (Gefahr).

Nach dem 6. Januar hatte Milley dem Buch zufolge erneut bei Li angerufen. "Wir sind einhundert Prozent stabil. Alles ist gut", soll er seinem chinesischen Kollegen gesagt haben. Um Peking zu überzeugen, habe Milley sogar die Verschiebung einer US-Militärübung veranlasst. Darüber hinaus habe der Generalstabschef seine zuständigen Kommandeure angewiesen, ihn zunächst zu informieren, wenn Trump von seiner Befugnis Gebrauch machen wolle, einen Atomschlag anzuordnen. Milley soll sich aus Sorge um mögliche irrationale Handlungen Trumps auch mit den Spitzen der Geheimdienste CIA und NSA abgestimmt haben. 

Den Autoren des Buches lag laut den Berichten auch eine Abschrift eines Telefonats zwischen Milley und der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, vor. "Sie wissen, dass er verrückt ist", soll die Abgeordnete der US-Demokraten Milley zwei Tage nach dem Sturm aufs Kapitol gesagt haben. "Wenn sie ihn nicht einmal von einem Angriff auf das Kapitol abhalten konnten, wer weiß, was er sonst noch alles tun könnte?"  Der Mitschrift zufolge antwortete Milley, er stimme ihr "in allen Punkten zu".

Trump fordert  Klage wegen Hochverrats

Donald Trump reagierte unwirsch auf die Veröffentlichung. Über seine Website teilte er eine Erklärung, in der er Milley beschimpfte und für den chaotischen US-Abzug aus Afghanistan verantwortlich machte. "Ich gehe davon aus, dass er wegen Hochverrats angeklagt wird, weil er hinter dem Rücken des Präsidenten mit seinem chinesischen Kollegen verhandelt hat", so der Ex-Präsident. Gleichzeitig aber sprach der Ex-Präsident der neuen Enthüllung jegliche Glaubwürdigkeit ab und nannte sie "Fake News".

In ersten Reaktionen wird erneut Kritik am Verhalten Milleys laut. "Es gibt weiterhin Risiken für unsere Rechtsstaatlichkeit und unsere Institutionen, es kann noch viel schiefgehen. Aber wir dürfen uns nicht auf eine abtrünnige militärische Führung verlassen, um uns vor abtrünnigen Präsidenten zu schützen", schreibt etwa das Wirtschaftsblatt "Bloomberg".

Quellen: DPA, AFP, DonaldJTrump.com, "New York Times", Bloomberg

nik

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