HOME

Ausschreitungen in Xinjiang: Chinas Präsident sagt Teilnahme an G8-Gipfel ab

Der chinesische Präsident Hu Jintao nimmt nicht am G8-Gipfel teil. Er ist bereits aus Italien abgereist. Der Grund: die blutigen Unruhen in seinem Land. In der betroffenen Stadt Urumqi haben die Behörden eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, die Lage hat sich offenbar leicht entspannt, die Stimmung bleibt aber "aggressiv".

Wegen der blutigen Unruhen in der chinesischen Region Xinjiang nimmt Staatspräsident Hu Jintao nicht am G8-Gipfel in L'Aquila teil. Hu flog von Italien aus zurück nach China, wie das Außenministerium in Peking mitteilte. Auch ein Besuch in Portugal wurde gestrichen. Hu wollte eigentlich an den Gesprächen am Donnerstag teilnehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zudem angekündigt, mit Hu am Rande des Gipfels über die Lage in Xinjiang zu sprechen.

Nach nächtlichen Ausgangssperren hat sich die Situation dort offenbar leicht entspannt. "Es ist relativ normal", beschrieb ein westlicher Journalist die Lage in der Hauptstadt Urumqi am frühen Mittwochmorgen am Telefon. Auch wenn es im Zentrum nach einem Wiederaufleben des Geschäftslebens aussehe, herrschte in der Stadt noch eine "aggressive Stimmung". Vielerorts seien noch starke Polizeiverbände unterwegs. Das Staatsfernsehen berichtete, dass in der Stadt mit 2,3 Millionen Einwohnern viele Geschäfte und Märkte wieder geöffnet hätten. Die Behörden hatten am Vortag für Urumqi eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, um weiteren Unruhen vorzubeugen. Die Sicherheitskräfte sind massiv vor Ort, um Zusammenstöße zwischen den beiden den muslimischen Uiguren und Han-Chinesen zu verhindern. Sie setzten auch Hubschrauber ein.

Han-Chinesen machen Jagd auf Uiguren

Am Dienstag war die Lage in Xinjiang noch außer Kontrolle, obwohl Hunderte Sicherheitskräfte in den Straßen patrouillierten. Trotzdem kam es zu Protesten sowohl von Uiguren als auch Hunderten Han-Chinesen. Eine Gruppe von Uiguren griff am Bahnhof von Urumqi Menschen an, in einem anderen Stadtteil lieferte sich eine Gruppe von 200 zumeist weiblichen uigurischen Demonstranten ein Handgemenge mit der Polizei. Am Nachmittag zogen rund 1000 Han-Chinesen mit Knüppeln bewaffnet wütend durch die Straßen und versuchten, in die von Uiguren bewohnten Viertel vorzustoßen. Sie wurden von der Polizei abgedrängt.

Bei den heftigsten Zusammenstößen am Sonntag waren über 150 Menschen getötet und rund 800 weitere verletzt worden. Der Verband der Exil-Uiguren sprach gar von 800 Toten. Die Polizei nahm bisher fast 1400 Verdächtige fest. Die Gewalt ist ein herber Rückschlag für die chinesische Regierung, die zum 60. Jahrestag der kommunistischen Herrschaft im Oktober das Bild einer "harmonischen Gesellschaft" präsentieren wollte. Trotz des jahrelangen wirtschaftlichen Aufschwunges ist es noch nicht gelungen, die Gräben zwischen den Volksgruppen zu überwinden.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters