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Australiens Premierministerin: Julia Gillard - eine Frau mit Kalkül

Gut zwei Wochen nach dem Wahlpatt in Australien hat sich Premierministerin Julia Gillard doch noch eine knappe Mehrheit gesichert. Dank zweier unabhängiger Abgeordneter, die der Regierungschefin am Dienstag ihre Unterstützung zusagten, kann die 48-jährige Labor-Politikerin künftig auf 76 der 150 Abgeordneten zählen.

Weiblicher Charme gehört im harten Politgeschäft nicht zu ihren Waffen. Ellbogen, Kalkül und Kaltblütigkeit entsprechen ihr eher, wie die australische Labor-Politikerin Julia Gillard selbst freimütig einräumt. Als sie ihren Vorgänger Kevin Rudd im Sommer in einer parteiinternen Revolte stürzte, sich an die Spitze von Regierung und Partei setzte und die Australier zu vorgezogenen Wahlen an die Urnen rief, wähnte sich die 48-Jährige auf dem Zenit ihrer Politkarriere.

Dann welche Blamage: Statt als siegreiche Landesmutter zu glänzen, schaffte sie gegen die Liberal-Konservativen von Oppositionsführer Tony Abbott nur ein Patt. Sie musste erneut in den Ring und mit ihrem Herausforderer um die Gunst der Unabhängigen im Parlament buhlen. Nicht ohne Geschick, wie sie jetzt bewies. Obwohl diese einer ländlich-konservativen Wählerschaft verpflichtet sind, entschieden sie sich mehrheitlich für Gillard - und nicht für Abbott. Locken ließen sie sich mit dem Versprechen von besonderen Finanzspritzen für die ländlichen Gebiete.

Die ledige Vollblutpolitikerin begann ihre Politkarriere 1983 in Melbourne als Chefin der Studentenunion. Sie engagierte sich während des Jurastudiums im sozialistischen Forum und praktizierte anschließend mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht. 1996 ging sie in die Lokalpolitik, drei Jahre später als Labor-Abgeordnete ins Parlament. 2006 setzte sie sich als Vize von Kevin Rudd an der Parteispitze durch.

"Ich musste hart kämpfen, um Kandidatin zu werden, ich musste Ränkespielchen mitmachen, Stimmen zählen, Kompromisse schließen - und ich würde alles genauso wieder machen, wenn ich müsste", sagte sie damals. Gillard hat Familie und Kinder der Polit-Karriere bewusst geopfert. "Ich bewundere Frauen, die alles schaffen, arbeiten und Kinder bekommen, aber ich glaube nicht, dass ich das gekonnt hätte", sagte sie einmal.

DPA / DPA