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Berlusconis Sex-Affäre Der Staatsanwalt packt aus


Was lief da wirklich zwischen Silvio Berlusconi und Ruby, der Herzensräuberin? Die italienische Justiz ermittelt gegen den Ministerpräsidenten wegen Prostitution - und geht dabei wenig diskret vor. Der 74-Jährige streitet die Vorwürfe ab. Es sei unter seiner Würde für Beziehungen mit einer Frau zu zahlen.

Seit vergangenem Freitag ermittelt die italienische Justiz wieder gegen ihren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi – und sie arbeitet dabei nicht gerade verschwiegen. Am Montag veröffentlichte das Unterhaus des Parlaments ein Dokument der Mailänder Staatsanwaltschaft, das brisante Details verrät.

Es soll sich nicht nur eine junge Frau für Berlusconi prostituiert haben, sondern "eine beträchtliche Anzahl". Die Ermittler gehen davon aus, dass einige von ihnen als Gegenleistung für Sex mietfrei in mehreren Apartments in Mailand wohnen durften, zudem Schmuck und Bargeld erhielten. Italienische Medien nannten dies süffisant "Berlusconis privaten Harem". Mindestens neun junge Mädchen soll sich der italienische Ministerpräsident auf Abruf "gehalten" haben - für Parties und heiße Nächte in seiner Villa in Arcore bei Mailand.

Mit den Unterlagen begründeten die Ermittler ihre Bitte um eine Durchsuchung des Büros eines Vertrauten Berlusconis, der verdächtigt wird, die Frauen im Namen des Ministerpräsidenten bezahlt zu haben. Das Parlament soll diese Woche über die Bitte der Staatsanwaltschaft entscheiden. Berlusconi hat alle Anschuldigungen als absurd zurückgewiesen. Die Ermittlungen seien ein grotesker Versuch, ihn politisch zu zerstören, sagte er. Er lebe in einer festen Beziehung, seit sich seine Frau von ihm getrennt habe. Zudem habe er niemals für "Beziehungen mit einer Frau" gezahlt, sagte Berlusconi in einer Videobotschaft. Dies sei unter seiner Würde.

Berlusconi wehrt sich wortgewandt

"Der Dreck wird auf den zurückfallen, der die Justiz als politische Waffe benutzt", versucht Berlusconi die Vorwürfe als Machenschaften feindlich gesinnter Staatsanwälte abzuwehren. Wie schon seit vielen Jahren werde auch nun wieder versucht, ihn in Misskredit zu bringen und so von der politischen Bühne zu eliminieren, erklärte der Medienmogul. Trotz eines erheblichen Untersuchungsapparates sei es den Staatsanwälten bisher letztlich nur gelungen, "Geschwätz und private Konversation ohne jedwede strafrechtliche Bedeutung zu sammeln."

Ruby Rubacuori, die Herzensräuberin

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht Berlusconis Verhältnis zu der Nachtclubtänzerin Karima El Marough, in Italien besser bekannt unter dem Namen Ruby, die Herzensräuberin. Er soll sie im vergangenen Jahr für Sex bezahlt haben. Damals war sie noch 17, und in Italien ist es strafbar, gegen Bezahlung Sex mit Prostituierten unter 18 Jahren zu haben. Außerdem wird dem Ministerpräsidenten vorgeworfen, er habe sich bei der Polizei für die Freilassung der Tänzerin eingesetzt haben, als die wegen Diebstahl festgenommen worden war. Marough soll eingeräumt haben, dass sie von Berlusconi Geld erhalten habe und auf dessen Partys gewesen sei. Sex habe sie mit ihm jedoch nicht gehabt.

Die Staatsanwaltschaft hat Berlusconi nun zum Verhör geladen. Sie will wissen, was in den Frühlingsnächten mit Ruby passiert ist. Und den Medienberichten zufolge können die Ermittler Zeugenaussagen und Beweise vorlegen. Aus abgehörten Telefongesprächen etwa ginge eindeutig hervor, dass sich Ruby im Frühling 2010 ganze acht Nächte in Arcore aufgehalten habe und nicht nur drei Abende, wie bisher behauptet.

Berlusconi Freunde sind ebenfalls im Visier der Justiz

Die Ermittlungen kommen für den 74-jährigen Berlusconi zur Unzeit. Der Regierungschef steht nicht nur politisch nach einem nur knapp abgewehrten Misstrauensantrag unter Druck, sondern verlor zuletzt auch seine politische Immunität . Damit kann Berlusconi nunmehr in gewissen Fällen vor Gericht gestellt werden.

Ermittelt wird ebenfalls gegen die ehemalige Zahnhygienikerin Nicole Minetti, die mittlerweile Regionalabgeordnete von Berlusconis Regierungspartei ist. Sie steht im Verdacht, den Mailänder "Harem" für Berlusconi kontrolliert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat auch Berlusconis Freunde, darunter den Model-Manager Lele Mora und den Chef von Berlusconis TV-Sender Rete 4, Emilio Fede, wegen Begünstigung der Prostitution im Visier.

swd/AFP/Reuters/DPA DPA Reuters

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