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Michael Cohen Lug, Betrug, Tyrannei und Golden Showers: Donald Trumps langjähriger Anwalt packt über den US-Präsidenten aus

Michael Cohen und Donald Trump
Michael Cohen, ehemaliger Anwalt von Donald Trump, hat ein Enthüllungsbuch über den Präsidenten geschrieben. 
© Mark Wilson / Nicholas Kamm / Getty Images / AFP
Harter Tobak aus der Gefängniszelle: Michael Cohen, zehn Jahre lang Ausputzer von Donald Trump, hat ein Enthüllungsbuch über den US-Präsidenten geschrieben - es bestätigt im Wesentlichen alle üblen Vorwürfe, die Trump seit langem gemacht werden.
  • "In gewisser Weise kenne ich Donald Trump besser als ihn seine Familie kennt. Denn ich habe den wahren Mann erlebt: in Stripclubs, in zwielichtigen Geschäftsmeetings, in ungeschützten Momenten, in denen er gezeigt hat, wer er wirklich ist: ein Betrüger, ein Lügner, ein Heuchler, ein Tyrann, ein Rassist, ein Raubtier, ein Hochstapler."
  • "Er projiziert seine eigenen Sünden und Verbrechen auf andere. Teilweise, um abzulenken und zu verwirren, aber im Grunde nur, weil er glaubt, dass auch jeder andere so korrupt, scham- und ruchlos ist wie er selbst – eine giftige Mentalität, die ich nur allzu gut kenne."
  • "Er hat keine Freunde, er hat niemanden, dem er seine Geheimnisse anvertrauen kann. Gewiss, zehn Jahre hatte er mich und ich war immer da. Ein Jahrzehnt lang, war ich derjenige, den Trump morgens als erstes und nachts als letztes angerufen hat."

Willkommen in Donald Trumps Welt, in der Version seines früheren Ausputzers Michael Cohen. Aufgeschrieben in einer Zelle im New Yorker Otisville-Gefängnis, in dem Cohen bis ins Frühjahr gesessen hat und er nur wegen der Corona-Pandemie entlassen worden war. Bis 2018 folgte der Anwalt Trump auf Schritt und Tritt. Nach seiner Verhaftung vor zwei Jahren brach er mit seinem einstigen Klienten, für den er gelogen, betrogen und Schweigegelder gezahlt hatte. Cohen musste in den Knast, unter anderem wegen Falschaussage, illegaler Wahlkampffinanzierung und Steuerbetrug.

Nächstes Enthüllungsbuch über Donald Trump

Nun reiht auch er sich ein in die Riege der Autoren, die aus dem inneren Zirkel um den US-Präsidenten herum berichten. Im Gegensatz zu vielen anderen aber hat Michael Cohen tatsächlich einiges aus dem Leben des nun so mächtigen Mandaten mitbekommen. Und offenbar gehört er zu den ganzen wenigen Trump-Kennern, vor dessen Buch sich das Weiße Haus fürchtet. Republikaner haben ihn mehrfach aufgefordert, seine Erinnerungen besser für sich zu behalten, wie er selbst schreibt. Um die Enthüllungen zu verhindern, wurde er sogar kurzeitig aus dem Hausarrest zurück ins Gefängnis geschickt. Erst ein Gericht erlaubte ihm im Juli, das Buch veröffentlichen zu können.

Der Präsident nennt ihn "Ratte"

"Disloyal" heißt das Werk, in Anspielung auf Cohens eigene Rolle in der Geschichte. Nachdem er vor rund zwei Jahren Donald Trump den Rücken gekehrt hatte, wurde er vom US-Präsidenten persönlich als "Ratte" beschimpft. Auch dessen glühendste Anhänger hätten ihm zu Hunderten Todesdrohungen geschickt, so Cohen im Vorwort, das nun veröffentlicht wurde. Bereits in den wenigen ersten Zeilen beschreibt der Ex-Anwalt einen Menschen, der wie ein Mafiaboss alles tun würde, um Erfolg zu haben. "Wirklich alles."

Trump sei ein Rätsel, schreibt Cohen: "Er tut sowohl gute Dinge als auch schlechte, so wie wir alle. Aber das Böse überwiegt bei Weitem das Gute und seit seinem Amtsantritt ist er die schlechteste Ausgabe seiner selbst geworden. Er kann sich freundlich geben, aber er ist nicht freundlich. Er kann sich großzügig geben, aber er ist nicht großzügig. Er ist in der Lage, loyal zu sein, aber er ist grundsätzlich illoyal."

Hier ein paar weitere Auszüge aus dem Vorwort:

  • "Sie müssen mich nicht mögen, aber erlauben Sie mir eine Bemerkung: Wenn Sie nur Geschichten von denjenigen lesen, die sie mögen, werden sie Donald Trump niemals verstehen oder den aktuellen Zustand der amerikanischen Seele. Fragen Sie irgendeinen Polizisten und er wird Ihnen sagen, dass nur Gangster die Geheimnisse des organisierten Verbrechens enthüllen können. Wenn Sie wissen wollen, wie die Mafia tickt, müssen Sie mit den Bösen sprechen. Ich war einer von ihnen."
  • "Trump hat keine wahren Freunde. Er hat sein ganzes Leben lang vermieden, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Er hat alle, die ihm im Weg standen, niedergemacht oder betrogen. Und ich weiß, wo die Leichen liegen, denn ich war derjenige, der sie begraben hat."
  • "Ich war bis zu fünfzig Mal am Tag in Trumps Büro im 26. Stock des Trump Tower und habe mich um alles gekümmert. Unsere Handys hatten die gleichen Adressbücher, unsere Kontakte waren so miteinander verzahnt, dass es an mir war, die Fragen und Wünsche von Trumps unzähligen reichen und berühmten Bekannten abzuarbeiten. Alle Leute, mit denen ich sprach, wussten, dass es so war als würden sie direkt mit ihm sprechen."
  • "Trump hat mit den Russen zusammengearbeitet, aber längst nicht in der raffinierten Art und Weise, wie das manche behaupten. Mir war auch klar, dass die Untersuchung von Sonderermittler Mueller keine Hexenjagd war. Trump hat bei der Wahl betrogen, mit Wissen Russlands, wie in diesem Buch noch zu lesen sein wird. Denn alles zu unternehmen, um zu gewinnen, und ich meine alles, war schon immer sein Geschäftsmodell und seine Lebensart."
  • "Wenn Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin über einen geheimen Rückkanal erreichen wollte, wurde ich beauftragt, die Verbindung herzustellen. Ich habe seine Kunden aufs Abstellgleis geführt, seine Geschäftspartner abgezockt, seine Frau Melania belogen, um seine Untreue zu verheimlichen, ich habe jeden schikaniert und angeschrien, der Trump im Weg stand."
  • "Von 'golden Showers' (eine Sexpraktik mit Urin, Anm.d.Red.) in einem Sexclub in Vegas über Steuerbetrug bis hin zu Geschäften mit korrupten Beamten aus der früheren Sowjetunion, seine heimlichen Liebhaberinnen zum Schweigen zu bringen – ich war nicht nur Zeuge des Aufstiegs des Präsidenten - ich habe ihn erst ermöglicht."
  • "Während des Wahlkampfs hatte Trump ein großes Immobilienprojekt in Moskau weiterbetrieben. Er versuchte, sich in die Welt von Präsident Wladimir Putin und seiner Clique aus korrupten Oligarchen einzuschleimen. Ich weiß das, weil ich diesen Deal persönlich abgeschlossen und Trump und seine Kinder stets auf dem Laufenden gehalten habe. Auch dann noch, als der Kandidat Donald Trump das amerikanische Volk belogen hat und meinte, dass es keine Absprachen und Geschäfte mit Russland gebe."

Was passiert mit Trump nach seiner Abwahl?

Harter Tobak – vor allem für einen Prolog von gerade einmal 3800 Wörtern. Viele der Vorwürfe, die Cohen sich selbst und seinem Chef macht, waren in der einen oder anderen Form als Gerüchte bereits bekannt. Etwa die Geschichte mit der "Golden Shower", die schon einmal in einem Geheimdossier erwähnt wurde, dort aber in Moskau spielte. Wenn auch nur ein Teil vom dem stimmt, was Cohen erzählt und das irgendwann vor Gericht verhandelt werden sollte, könnte Donald Trump vielleicht hinter Gitter landen. "Ich bin mir sicher: Ihm ist klar, dass ihm Gefängnis droht, nachdem er aus dem Amt geschieden ist", schreibt Cohen. Und orakelt düster: "Wer auch immer ihm ins Weiße Haus folgen wird, wird ein Wirrwarr aus Betrug und Gesetzlosigkeit entdecken. Trump und seine Schergen werden alles tun, um das zu verhindern und ich meine alles. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, sich als Präsident auf Lebenszeit zu erklären, wie er ja schon mal scherzhaft angedeutet hat. Nur macht Trump niemals Scherze."


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