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Thanksgiving der Gegensätze Biden wärmt in Festtagsrede "die Seele unserer Nation" – Trump poltert und schmollt

Sehen Sie im Video: Biden hält Thanksgiving-Ansprache – und kritisiert Trump.






Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat die Amerikaner im Kampf gegen die Corona-Pandemie zur Einheit aufgerufen. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns im Krieg mit dem Virus befinden. Nicht miteinander, nicht untereinander, sagte Biden. In seiner Thanksgiving-Ansprache bereitete er seine Landsleute auf einen langen Kampf gegen Corona vor. Und forderte sie auf, auf die sonst üblichen Reisen an Thanksgiving zu verzichten. Er werde es genauso machen: "Wir hatten schon immer große Familienfeiern an Thanksgiving. Kinder, Enkel, Tanten, Onkel, Brüder, Schwestern und mehr. Für die Bidens waren die Tage um Thanksgiving herum immer eine Zeit der Erinnerung an alles, wofür wir dankbar sein mussten, und eine Zeit, in der wir anfingen, über Weihnachten nachzudenken und sogar mit der Erstellung von Geschenklisten zu beginnen. Aber dieses Jahr werden wir, weil wir uns so sehr umeinander kümmern, ein getrenntes Thanksgiving feiern, denn Jill und ich werden mit unserer Tochter und unserem Schwiegersohn in unserem Haus in Delaware sein. Der Rest der Familie wird dasselbe tun und in kleinen Gruppen bleiben." Indirekt kritisiert Biden den abgewählten US-Präsidenten Donald Trump. Wegen dessen Anzweiflung des Wahlergebnisses: "Unsere Demokratie wurde dieses Jahr auf die Probe gestellt. Und wir haben Folgendes gelernt: Die Menschen dieser Nation sind der Aufgabe gewachsen. In Amerika haben wir komplett faire und freie Wahlen. Und dann akzeptieren wird die Ergebnisse. Das Volk, diese Nation und die Gesetze des Landes stehen dafür." Angesichts des "dramatischen Anstiegs" der Corona-Neuinfektionen forderte Biden eine "Verdoppelung" der Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie. Zugleich versuchte er, Zuversicht zu verbreiten. "Wenn Sie auf unsere Geschichte zurückblicken, sehen Sie, dass die Seele unserer Nation unter den schwierigsten Umständen geschmiedet wurde", sagt er.
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Für viele Amerikaner ist Thanksgiving wichtiger als Weihnachten. Doch dieses Jahr gibt es angesichts der explodierenden Coronazahlen wenig Grund zum Feiern. Während Präsident Trump weiter gegen die Wahlergebnisse wettert, ruft Biden die Bürger zur Einheit auf.

Normalerweise reisen viele US-Amerikaner an diesem Donnerstag quer durchs Land um Thanksgiving mit Familie und Freunden zu verbringen. Traditionell gibt es ein riesiges Festessen, im Fernsehen läuft Football, und man genießt das verlängerte Wochenende in geselliger Runde. Normalerweise – aber in diesem Jahr ist nichts normal.

Trump suhlt sich weiter in seiner Opferrolle

Auch Donald Trump dürfte an seinem letzten Thanksgiving im Weißen Haus wenig Freude haben. Selbst bei der traditionellen Begnadigung der Truthähne – eines seiner Lieblingsevents als Präsident – steht er im Schatten seines Nachfolgers. Auf die Fragen der Reporter, ob er sich auch selbst begnadigen werde und ob er Biden bald einladen werde, verlässt Trump beleidigt die Bühne.

Während dem Präsidenten allmählich dämmert, dass er langsam, aber sicher nicht nur aus dem Weißen Haus, sondern auch aus dem Rampenlicht gedrängt wird, klammert er sich umso fester an seinen letzten Strohhalm: die Rolle als Opfer. Knapp drei Wochen nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse stellt Trump sich noch immer als der Geschädigte eines massiven Wahlbetrugs dar.

"Die Wahl wurde von den Demokraten verloren. Sie haben betrogen", sagt er bei einem Treffen republikanischer Senatoren in Pennsylvania am Mittwoch. Behauptungen, für die er nach wie vor keinerlei Beweise hat. "Alles, was wir brauchen, ist ein Richter, der uns richtig zuhört", beklagt Trump. Doch die Zahlen sprechen gegen ihn: Mittlerweile sind seine Anwälte mit mehr als 30 Klagen vor Gerichten gescheitert.

Biden: "Wir befinden uns im Krieg mit dem Virus, nicht miteinander"

Während der amtierende Präsident ganz auf eine Feiertagsansprache verzichtet, warnt Joe Biden in seiner Thanksgivings-Rede vor einem harten Winter – und versucht gleichzeitig, Zuversicht zu verbreiten. "Wir haben in diesem Kampf noch Monate vor uns", sagt Biden und fordert die Bürger angesichts des "dramatischen Anstiegs" der Neuinfektionen auf, die Anstrengungen zu verdoppeln.

"Wenn Sie auf unsere Geschichte zurückblicken, sehen Sie, dass die Seele unserer Nation unter den schwierigsten Umständen geschmiedet wurde", sagt der gewählte Präsident am Mittwoch in seinem Heimatort Wilmington, Delaware. Dennoch gebe es durch die guten Nachrichten über wirksame Impfstoffe "echte Hoffnung, greifbare Hoffnung".

Wie schon bei seinen vergangenen Auftritten ruft Biden die Amerikaner zur Einheit auf: "Ich weiß, dass das Land des Kampfes müde geworden ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns im Krieg mit dem Virus befinden, nicht miteinander, nicht untereinander."

Donald Trump begnadigt zum letzten Mal Truthähne, während Joe Biden vor großen Familienfeiern warnt.
Donald Trump begnadigt zum letzten Mal Truthähne, während Joe Biden vor großen Familienfeiern warnt.
© Mandel Ngan / Mark Makela / AFP

Thanksgiving – das nächste Superspreading-Event?

Doch je näher das Feiertagswochenende rückt, desto größer wird die Sorge, dass Thanksgiving zum nächsten Superspreading-Event werden könnte. Ein Blick auf den Nachbarn Kanada genügt, um zu wissen, dass diese Angst begründet ist.

Anlässlich der Feiertage appelliert der gewählte Präsident daher an die Bürger auf Reisen und große Familienfeiern zu verzichten. "Ich weiß, wie schwierig es ist, auf Familientraditionen zu verzichten, aber es ist so wichtig", sagt er.

Biden warnt eindringlich, dass die Neuinfektionen rasant steigen und das Gesundheitswesen bald überlastet werden könnte. Jeder Amerikaner müsse daher seinen Beitrag leisten – indem Masken getragen, Abstandsregeln eingehalten und Menschenmengen gemieden werden. Allein in der vergangenen Woche wurden in den USA mehr als 1,2 Millionen Fälle identifiziert und das Land ist auf dem besten Wege in den nächsten Tagen die 13-Millionen-Marke zu knacken.

Weitere Quellen: "The NY Times", "CNN", "The Guardian"

les / dpa

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