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Navy Seal Rob O'Neill: Bin Ladens Todesschütze wird Fox-Militärexperte

Eigentlich müssen US-Elitesoldaten schweigen - egal, welche Heldentat sie begangen haben. Rob O'Neill ignoriert das. Erst berichtete er stolz über Bin Ladens Tod. Nun startet er einen neuen TV-Job.

O'Neill drängt es in die Öffentlichkeit: Hier als Privatmann beim Football-Spiel der Washington Redskins gegen Tampa Bay Buccaneers

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Solche Einstellungsvoraussetzung findet man vermutlich auch nur beim erzkonservativen US-Sender Fox News: Amerikaner, Held, Kampferfahrung und treuer Staatsdiener. "Es ist ungeheuer selten, so jemanden als Mitarbeiter zu bekommen"; lobpreiste Senderchef Roger Ailes seinen neuen Mitarbeiter. Es handelt sich dabei um Rob O'Neill, der Mann, der Osama Bin Laden zur Strecke gebracht hat. Ein Ex-Elitesoldat der Navy Seals, der mehr als 400 Kampfeinsätze hinter sich hat - wie Fox in seiner Pressemeldung stolz notiert.

Im November vergangenen Jahres hatte der Sender mit großem Tamtam eine Dokumentation nebst exklusivem Interview mit O'Neill angekündigt. "Der Mann, der Osama bin Laden tötete" lief an zwei Abenden zur besten Sendezeit - bis dahin war O'Neill der Öffentlichkeit gänzlich unbekannt. Ein Schicksal, das er mit anderen Elitesoldaten teilte. Denn die Kämpfer müssen beim Dienstantritt eine Schwiegenheitsklausel unterschreiben, die unter anderem vorsieht, niemals in die Öffentlichekeit zu treten, niemals über ihre Einsätze zu sprechen, niemals ihre Namen zu nennen, geschweige denn Profit aus ihrem Job zu ziehen. Rob O'Neill, 39, hielt sich nicht daran. Viele Amerikaner verehren ihn deswegen als Kriegsheld. Für seine Kameraden ist er ein Verräter.

Die Kameraden schmähen ihn als Verräter

Kurz nach der Ankündigung von Fox, Namen und Gesicht des Mannes zu veröffentlichen, tobte auf der Militärseite "Sofrep.com" ein Sturm der Entrüstung. Seine Ex-Kameraden wiesen daraufhin, dass der Einsatz gegen den damaligen al-Kaida-Führer eine Teamleistung gewesen sei. Und jeder Einzelne, der seine Leistung über die der anderen erhob, als Ausgestoßener gelte. Selbst Zweifel am Wahrheitsgehalt seiner Darstellung wurden laut. Doch alles Murren und Gezetere half nichts. Rob O'Neill ist nun der Mann, der Bin Laden erschoss.

Kurz nach diesem Einsatz in Pakistan schied er aus der Armee aus. 2012 war das und in Ehren, wie es heißt. In der Dokumentation sagte O'Neill, er fürchte nach den Todesschüssen weitere Einsätze in Afghanistan. Weil er nur 16 Jahre statt 20 diente, musste er auf seinen Ehrensold verzichten. Leider zählen seine zahllosen Auszeichnungen im echten Leben nicht. Außer natürlich für Fox - dem Sender, der für seinen gnadenlosen Patriotismus berüchtigt ist.

nik