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Blutiger Kampf in Syrien: Iran will Assad-Regime massiv unterstützen

Es sind brisante Dokumente, die direkt von Assads Rechner stammen sollen: Danach will der Iran das Regime in Damaskus durch Handelsaufträge im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar unterstützen. Das Blutvergießen in Syrien geht unterdessen mit voller Härte weiter.

Wenige Stunden vor einem Treffen der Arabischen Liga zur Krise in Syrien haben Regierungstruppen erneut mehrere Oppositionshochburgen unter Beschuss genommen. Mindestens elf Menschen wurden nach Angaben von Aktivisten am Sonntagvormittag landesweit getötet, die meisten von ihnen in der Stadt Homs. Auch die Provinzen Daraa und Hama seien erneut angegriffen worden.

Gleichzeitig kommen brisante Informationen an die Öffentlichkeit: Der israelischen Zeitung "Haaretz" zufolge will der Iran dem bedrängten syrischen Regime finanziell unter die Arme greifen. Geheime Dokumente sollen bewiesen, dass Teheran der syrischen Führung mit Handelsaufträgen im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar helfen wolle, schrieb die Zeitung am Sonntag. Dies solle es Damaskus erlauben, internationale Sanktionen zu umgehen. Die Dokumente seien bei einem Angriff der internationalen Hackergruppe Anonymous auf den Mail-Server im Büro des Baschar al Assad gefunden worden.

In zwei Dokumenten, die vor zwei Monaten geschrieben worden seien, gehe es um den Besuch einer ranghohen iranischen Delegation in Syrien. In etwas verschleierter Sprache werde erwähnt, wie Syrien dabei geholfen werden solle, Sanktionen zu umgehen. Damaskus wolle "von der iranischen Erfahrung auf diesem Gebiet lernen". Die USA, die Europäische Union, die Arabische Liga sowie die Türkei haben aus Protest gegen das Blutvergießen in dem Land bereits Sanktionen gegen Syrien verhängt.

Iranische Ölkäufe gegen das Embargo

Ein anderes Dokument wurde den Angaben zufolge am 8. Dezember unter anderem an Assad geschickt. Darin hieß es laut "Haaretz", die iranische Delegation habe erklärt, man habe eine Milliarde Dollar bereitgestellt, um Grundnahrungsmittel aus Syrien zu kaufen. Der Iran wolle auch Düngemittel und Rohmaterialien für die petrochemische Industrie an Syrien liefern.

Bei dem Treffen der ranghohen iranischen Delegation mit dem syrischen Ministerpräsidenten Adel Safar, dem Zentralbankchef sowie den Ministern für Wirtschaft, Handel und Öl sei es auch um Wege gegangen, das Embargo gegen syrische Ölexporte zu umgehen. Die Iraner hätten sich bereiterklärt, den Kauf von 150.000 Fass Öl pro Tag für einen Zeitraum von einem Jahr zu prüfen. Im Gegenzug wolle der Iran Syrien Ersatzteile für die Erdölindustrie liefern. Teheran, das als engster Verbündeter des Assad-Regimes gilt, wolle Syrien auch dabei helfen, Sanktionen gegen seinen Flugverkehr sowie sein Bankwesen zu umgehen.

Neuer Versuch der Arabischen Liga

Am Nachmittag wollen die Außenminister der Arabischen Liga in Kairo über den Umgang mit dem Assad-Regime beraten. Nach Angaben aus Organisationskreisen geht es vor allem um einen Vorschlag, die derzeit unterbrochene Beobachtermission in Syrien gemeinsam mit den Vereinten Nationen fortzusetzen. Die Liga war zuvor mit ihrem Ziel gescheitert, das Blutvergießen mit Hilfe der arabischen Beobachter zu beenden.

Noch bevor die Gespräche begannen gab es einen weiteren Dämpfer: Nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA soll der Leiter der arabischen Teams, der sudanesische General Mohammed al Dabi, seinen Rücktritt eingeriecht haben.

Der Nationalrat der syrischen Opposition erwartet derweil, von arabischen Staaten als legitime Vertretung des syrischen Volkes anerkannt zu werden. Vor dem Liga-Treffen wollte der Golfkooperationsrat zu Gesprächen zusammenkommen. Dem Gremium gehören neben Saudi-Arabien und den Emiraten auch Bahrain, Kuwait, Oman und Katar an.

be/DPA/AFP / DPA