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Bombenangriff in Afghanistan: US-Luftwaffe kritisiert eigene Fehler

Nach einem Bombenangriff mit vielen zivilen Opfern Anfang Mai steht die US-Armee in Afghanistan vor einem Strategiewechsel. Laut einem Zeitungsbericht sind der US-Luftwaffe bei dem Luftschlag folgenschwere Fehler unterlaufen, die bis zu 140 Zivilisten das Leben gekostet haben. Bei der neuen Marschrichtung steht der Schutz der Zivilbevölkerung im Vordergrund.

Den US-Streitkräften in Afghanistan sind bei einem umstrittenen Luftangriff mit zahlreichen zivilen Opfern Anfang Mai einem Zeitungsbericht zufolge folgenschwere Fehler unterlaufen. Wie die "New York Times" am Mittwoch unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Militärvertreter berichtete, geht aus einem militärischen Untersuchungsbericht der US-Armee hervor, dass bei den Bombardements in der Provinz Farah im Südwesten des Landes "bedeutsame Fehler" gemacht worden sind. Viele zivile Opfer wären demnach zu vermeiden gewesen, wenn sich die Luft- und Bodentruppen an die Regeln zum Schutz von Zivilisten gehalten hätten. Einige der Angriffe hätten demnach abgebrochen werden müssen.

Der "New York Times" zufolge wollte der ranghohe Vertreter des Militärs anonym bleiben, weil die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist. Das US-Militär in Kabul wollte den Untersuchungsbericht zunächst nicht kommentieren. Eine Armeesprecherin sagte, dass vor dem Angriff mögliche Aufenthaltsorte von Zivilisten geprüft worden seien. Videomaterial habe gezeigt, dass sich in den angegriffenen Gebäuden Taliban-Kämpfer aufgehalten hätten.

Der Tod der Zivilisten bei dem Einsatz im Bezirk Bala Buluk vor einem Monat hatte in Afghanistan für wütende Proteste gesorgt. Eine Untersuchung der afghanischen Regierung ergab, dass bei den Luftangriffen auf mutmaßliche Taliban-Stellungen 140 Zivilisten getötet worden waren, unter ihnen 95 Kinder. Laut US-Armee starben bei dem Einsatz dagegen 20 bis 30 Zivilisten sowie bis zu 65 Taliban-Kämpfer.

Unterdessen hat der künftige Kommandeur der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, Generalleutnant Stanley McChrystal, eine neue Strategie zum besseren Schutz von Zivilisten angekündigt. Allerdings werde es zunächst mehr Gewalt und Kämpfe geben, je weiter US-Soldaten in Taliban-Gebiete vordringen, zitierte die "Washington Post" McChrystal vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats.

Ziel seiner neuen "ganzheitlichen" Strategie sei es, das Leben von Zivilisten besser zu schützen. Die Rettung afghanischer Zivilisten habe Vorrang vor dem Töten von Aufständischen, sagte McChrystal den Angaben zufolge. Der Experte für Spezialoperationen soll nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama dem glücklosen Kommandeur David McKiernan als Chef der internationalen Schutztruppe ISAF nachfolgen.

"Ich erwarte harte Gefechte", sagte McChrystal am Dienstag vor dem Ausschuss. Allerdings werde der Erfolg nicht an der Zahl der getöteten Feinde gemessen, sondern daran, wie viele Zivilisten vor Gewalt geschützt werden konnten. Um dieses Ziel zu erreichen, werde er alle Einsatzregeln überprüfen, Luftangriffe begrenzen und verstärkt kleine Kampfeinheiten am Boden einsetzen.

AFP/DPA / DPA