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Kommentar

Brexit-Team des britischen Premiers: Boris Johnsons Grusel-Kabinett

Der neue britische Premierminister Boris Johnson hat seine Regierung gebildet. Und es ist schlimmer gekommen, als alle gedacht haben. 

Trotz der Vorhersagen, trotz der Vorahnungen: Dass Boris Johnson wirklich diesen Kurs direkt auf Richtung der No-Deal- Betonmauer fahren wird – es hat dann eben doch nicht jeder glauben wollen. Jeremy Hunt könne doch als Außenminister bleiben, hieß es, er sei eingearbeitet, das Land befinde sich in einer bedrohlichen Krise mit dem Iran und gute Verbindungen nach Europa seien jetzt das Wichtigste. Von wegen.

Das Brexit-Team von Boris Johnson

Boris Johnson hat eine Regierung aufgestellt, die die EU das Fürchten lehren wird. Die Qualifikationen, nach denen er anscheinend hauptsächlich suchte: dem Brexit auf Gedeih und Verderb verschriebene Politiker, die sich weder von Fakten noch von Erfahrung vom No Deal abhalten lassen. Ja, diesen No Deal sogar vorziehen. Motto: Blitz-Spirit und "Wir waren mal ein Empire".

Drei Beispiele:

1. Dominic Raab als Außenminister. Der Ex-Brexit-Minister gilt in Brüssel als mit das Schlimmste, was sie als Verhandlungspartner aus London zu Gesicht bekommen haben. Und das will etwas heißen. Raab ist in seinem Land vor allem bekannt dafür, dass er als eben dieser Brexit-Minister das erste Mal verstehen zu schien, dass die absolute Mehrheit aller Waren nach Großbritannien über Dover angeliefert wird. Herzlicher Glückwunsch, dieser Mann wird schon bald unser aller Zukunft mit bestimmen. 

2. Jacob Rees-Mogg als Fraktionsvorsitzender der Konservativen. Dies ist der Mann, der als Vorsitzender der Ultra-Brexiteer-"European Research Group" die Tories und das ganze Land vor sich her getrieben hat. Seit Monaten redet er davon, dass ein No-Deal-Brexit eigentlich sowieso die bessere Variante sei. Und auch sonst scheint dieser Mann wie eine Karikatur aus einem Charles-Dickens-Roman in einer anderen Welt zu leben, mit mehr lateinischen Kindernamen und Grütze-Schüsseln für alle. Jetzt gestaltet er endgültig die Politik der Mehrheits-Partei in Großbritannien. Und wird sein Land mitnehmen in seine Version eines viktorianischen Englands.

3. Priti Patel als Innenministerin. Sie ist vor allem dafür bekannt, dass sie hinterher nicht mehr meint, was sie vorher gesagt hat. So sprach sie sich einst deutlich für die Todesstrafe aus. Inzwischen will sie hier ihre Meinung geändert haben. Und als eine von 20 Brexit-Rebellen, die Theresa May das Leben als Premier zur Hölle machten, schlug sie einst vor, Lebensmittel-Importe Richtung Irland zu beschränken als Druckmittel gegen die EU – was angesichts der Geschichte (Stichwort: irische große Hungersnot im 18. Jahrhundert) zu einem kollektiven Aufschrei führte. Sie sagte anschließend auch hier, sie sei missverstanden worden. Ihre Familie floh einst vor Idi Amin aus Uganda nach Großbritannien, was sie aber nicht davon abhält, das bestehende Asylrecht grundsätzlich in Frage zu stellen.

Wer Politik als Theaterstück versteht, das vor allem unterhalten soll, wird in den nächsten Wochen bis zum Brexit-Datum 31. Oktober und voraussichtlich darüber hinaus eine ordentliche Show geboten bekommen.

Alle anderen schauen ungläubig auf ein Westminster unter dem Regime des Trumpels Boris Johnson.