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Botschaftertreffen Iran-USA: Vierstündiges Abtasten

Das erste hochrangige diplomatische Treffen seit 27 Jahren zwischen den USA und dem Iran ist vorbei. Die wirklich problematischen Themen wie Irans Atomprogramm wurden ausgegangen. Einziges Thema des "sachlichen Gesprächs": der Irak.

Die USA und der Iran haben erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert wieder in aller Öffentlichkeit diplomatische Gespräche geführt. Vertreter beider Seiten kamen in der Grünen Zone in Bagdad für vier Stunden zusammen, um über die Krise im Irak zu sprechen. Beide Länder unterhalten seit der Islamischen Revolution im Irak 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, vertrat Washington, für den Iran nahm Botschafter Hassan Kasemi Komi an dem Treffen am Amtssitz des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki teil. Crocker erklärte anschließend, er habe den Iran aufgefordert, keine Waffen mehr an schiitische Milizen im Irak zu liefern. Das Gespräch sei in sachlicher Atmosphäre verlaufen. Der Irak wurde dabei durch den nationalen Sicherheitsberater Mowaffak al Rubaie vertreten. Ein irakischer Regierungssprecher bezeichnete das Treffen als herzlich und erklärte, es sei dabei ausschließlich um den Irak gegangen.

Al-Maliki hatte die beiden Botschafter begrüßt und in den Konferenzraum geleitet, dann zog er sich zurück. In einer kurzen Ansprache zeigte er sich überzeugt, dass das Treffen das Vertrauen zwischen beiden Seiten stärken und zur Lösung der Probleme beitragen werde. Ein Berater Al-Malikis sagte der Nachrichtenagentur AP, der Irak wolle bei der Annäherung zwischen den USA und dem Iran eine Vermittlerrolle übernehmen. In Konfliktfragen zwischen beiden Seiten werde man sich neutral verhalten.

"Wir müssen einen Weg finden"

Der irakische Außenminister Manutschehr Mottaki sagte vor Beginn des Treffens, dieses könne unter der Bedingung erfolgreich sein, dass die US-Regierung ihre Irak-Politik für gescheitert erkläre und zu einer Kursänderung bereit sei. In diesem Fall wären auch weitere Gespräche möglich, erklärte Mottaki in Teheran. Der oberste US-Kommandeur im Mittleren und Nahen Osten hatte kurz vor Beginn der Gespräche Teheran als bedeutenden Akteur in der Region bezeichnet. Washington könne den Iran nicht ignorieren, sagte Admiral William Fallon in einem AP-Interview. "Wir müssen einen Weg finden, mit ihnen zu einer Vereinbarung zu kommen." Zugleich bekräftigte Fallon, die Vereinigten Staaten würden sich nicht wie vom Iran erhofft aus der Region zurückziehen. Die USA hielten ihre Präsenz dort wie seit Jahrzehnten weiter aufrecht.

Die Bundesregierung begrüßte die Wiederaufnahme der Gespräche ausdrücklich. Auch die Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, nannte es am Montag in Berlin bei einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier "wichtig, dass jede Möglichkeit ausgeschöpft wird, dass der Iran nicht einmal erwägt, Massenvernichtungswaffen einzusetzen". Steinmeier schloss sich ihr an. Er wies darüber hinaus auf die Rolle hin, die die Nachbarstaaten des Iraks bei dem Versuch spielen sollten, Frieden in der gesamten Region zu schaffen.

AP / AP