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Brasilien: Mafia richtet landesweites Blutbad an

Anschläge auf Polizeistationen, Geiselnahmen, Gefängnisrevolten: Im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo sind bei der größten Gewaltserie in der Geschichte mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen.

Bei der größten Offensive der Drogenmafia in der Geschichte Brasiliens sind am Wochenende mindestens 67 Menschen getötet worden. Nach amtlichen Angaben wurden zwischen Freitag- und Sonntagabend brasilianischer Zeit in Sao Paulo sowie in anderen Gemeinden des gleichnamigen Bundeslandes rund 150 Anschläge auf Sicherheitsbeamte, Polizei- und Militäranlagen sowie auf öffentliche Einrichtungen verübt. Außerdem dauert seit Sonntagabend Revolten in rund 60 Gefängnissen an, für die die Mafia verantwortlich sein soll, wie es heißt.

Hunderte von Gefängnis-Besuchern wurden am Sonntag von rund 30.000 revoltierenden Insassen als Geiseln festgehalten. Bei den 52 bei den Anschlägen getöteten Menschen handele es sich um 35 Polizisten und Gefängniswärter, drei unbeteiligte Zivilisten sowie 14 mutmaßliche Verbrecher. Dabei wurden unter anderem Maschinenpistolen und Handgranaten benutzt. Am Sonntag wurden auch 35 Nahverkehrsbusse und eine Bankfiliale in Brand gesetzt. Außerdem seien bei den Revolten in den Gefängnissen mindestens 15 Menschen gestorben. Es seien mindestens 60 Verletzte und 20 Festnahmen registriert worden.

Hinter den Anschlägen wird die Mafiagruppe "Primeiro Comando da Capital" (PCC, Erstes Hauptstadt-Kommando) vermutet. Die 1993 gegründete PCC ist vor allem im Drogen- und Waffenhandel verstrickt und wird vor allem von inhaftierten Bossen angeführt. Die Polizei wirft ihr weiter Entführungen und Raubüberfälle vor. Im November 2003 griffen PCC-Kämpfer mehr als 50 Polizeistationen an und töteten drei Sicherheitskräfte.

Die Aktionen seien eine Reaktion der Banden auf die Zwangsverlegung von rund 740 Häftlingen in den vergangenen Tagen, teilten die Behörden mit. Dabei waren unter anderem auch mindestens acht ranghohe Mafiabosse isoliert worden.

Die Zentralregierung in Brasilia stellte unterdessen dem Bundesland Sao Paulo die Bundespolizei und die Streitkräfte zur Verfügung. Nach seiner Teilnahme am EU-Lateinamerika-Gipfel in Wien und einem Staatsbesuch in Österreich wurde Staatspräsident Luiz Inacio Lula erst im Laufe des Montags wieder in Brasilien erwartet.

Der Gouverneur des Bundeslandes Sao Paulo, Claudio Lembo, sagte, man werde sich dem Organisierten Verbrechen nicht beugen. "Solche Aktionen von Verbrechern werden nie zum Erfolg führen. Das ist eine Verzweiflungstat", so der Sicherheitsminister des Landes Sao Paulo, Saulo de Castro Abreu Filho.

Der Präsident der Abgeordnetenkammer in Brasilia, Aldo Rebelo, zeigte sich allerdings skeptischer. "Wenn die Sicherheitssysteme von Gemeinden, Bund und Ländern in Brasilien nicht zusammengeführt werden, haben wir der Mafia wenig entgegenzusetzen", sagte er.

DPA/AP / AP / DPA
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