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Mays mögliche Nachfolger: Sehen Sie hier den neuen Premierminister von Großbritannien?

Theresa May hat ihren Rückzug als Premierministerin von Großbritannien in Aussicht gestellt - vorausgesetzt, ihr Brexit-Deal werde akzeptiert. Wer folgt ihr nach? Diese Namen werden für den Posten gehandelt.

Chaos um geplanten EU-Austritt: Parlament lehnt alle Brexit-Varianten ab

Die britische Premierministerin Theresa May will zurücktreten, wenn das Unterhaus im dritten Anlauf ihren mit Brüssel ausgehandelten Brexit-Vertrag verabschiedet. Damit ist der Startschuss für das Rennen um ihre Nachfolge gefallen. Es gibt mehrere Anwärter für den Parteivorsitz und damit für das Amt des Regierungschefs.

Stühlerücken im Brexit-Tauziehen? Die möglichen Nachfolger von Premierministerin Theresa May

Sajid Javid, Großbritanniens Innenminister

Sajid Javid, Großbritanniens Innenminister

Getty Images

Sajid Javid     

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischen Busfahrers gilt als das Gesicht des modernen, multikulturellen Großbritanniens. Er gehört dem wirtschaftlich liberalen Flügel der Konservativen an und stimmte 2016 für einen Verbleib seines Landes in der Europäischen Union. Nach dem Ausgang der Abstimmung unterstützte er dann aber den Brexit-Kurs.    

Seit seiner Ernennung zum Innenminister im April 2018 hat sich Javid bereits Respekt für sein Vorgehen in der sogenannten Windrush-Affäre verschafft, bei der es um den Umgang mit Kindern von Einwanderern aus der Karibik geht. In liberalen Kreisen wurde er kürzlich kritisiert, weil er einer jungen britischen IS-Anhängerin, die nach Großbritannien zurückkehren wollte, die Staatsangehörigkeit entzog.         

Jeremy Hunt, Großbritanniens Außenminister

Jeremy Hunt, Großbritanniens Außenminister

AFP

Jeremy Hunt     

Der Nachfolger von Boris Johnson im Amt des Außenministers war eigentlich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Allerdings kritisierte er das Auftreten Brüssels in den Verhandlungen um den Austritt später als "arrogant". Der frühere Geschäftsmann, der fließend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar. Der Einfluss des 52-Jährigen im Kabinett ist nach und nach gestiegen.          

Boris Johnson, Großbritanniens Ex-Außenminister

Boris Johnson, Großbritanniens Ex-Außenminister

AFP

Boris Johnson    

Der frühere Bürgermeister von London war einer der Wortführer der Brexit-Kampagne vor dem Referendum im Jahr 2016. Er fuhr wochenlang in einem Bus quer durch Großbritannien und rief die Briten auf, sich "die Kontrolle zurückzuholen". Johnson kandidierte damals jedoch nicht für die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron.     

Dessen Nachfolgerin Theresa May vertraute Johnson dann das Amt des Außenministers an. Er leistete sich allerdings diverse Ausrutscher und machte insgesamt keine gute Figur auf dem diplomatischen Parkett. Schon vor seinem Rücktritt im Juli war er ein heftiger Kritiker von Mays Brexit-Kurs.    

Der 54-Jährige, der oft einfach nur "Boris" oder "BoJo" genannt wird, hat sich in den Reihen der Tories einige Feinde gemacht. Medienberichten zufolge kündigte er nach Mays Rücktrittsangebot an, er wolle nun für ihren Brexit-Deal stimmen. Bei den britischen Buchmachern gilt er als Favorit.         

Michael Gove, Großbritanniens Umweltminister

Michael Gove, Großbritanniens Umweltminister

AFP

Michael Gove     

Der Brexit-Wortführer Gove wollte bereits in den Wirren nach dem Referendum im Jahr 2016 nach der Parteispitze greifen. Er schaffte es bei der Abstimmung in der Fraktion jedoch nicht in die Endrunde. May machte ihn im Juni 2017 zum Umweltminister, wo er mit einer Reihe umweltfreundlicher Ankündigungen in den Schlagzeilen blieb. Der 51-Jährige ist der führende Brexit-Hardliner in Mays Regierung. Er könnte wegen seiner geschmeidigen Positionen nun ein Kompromisskandidat werden.         

David Lidington, Stellvertreter von Premierministerin May

David Lidington, Stellvertreter von Premierministerin May

Getty Images

David Lidington     

Mays De-facto-Stellvertreter ist ein einflussreicher Insider, der an einigen der wichtigsten Gespräche mit führenden Parlamentariern teilgenommen hat, um den Brexit-Deal durch das Unterhaus zu bekommen. Der 62-Jährige ist ein Brexit-Befürworter und genießt hohe Anerkennung für seine diplomatischen Fähigkeiten.     

Er wurde am vergangenen Wochenende als möglicher Interims-Regierungschef genannt, als britische Medien von einem "Kabinettscoup" gegen May berichteten. Lidington spielte die Spekulationen herunter. Er habe nicht den Wunsch, das Amt der Premierministerin zu übernehmen, sagte er vor Journalisten.         

Dominic Raab, Großbritanniens Brexit-Minister

Dominic Raab, Großbritanniens Brexit-Minister

AFP

Dominic Raab    

Der 45-Jährige folgte im Juli als Brexit-Minister auf David Davis, der seinen Posten räumte, weil er die Linie von May gegenüber Brüssel als zu weich empfand. Doch auch Raab hielt es nicht lange auf dem Posten. Er trat im November zurück und bezeichnete das Brexit-Abkommen als "schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie". Raab ist Boxer und zudem Träger eines schwarzen Karate-Gürtels. Er hat nie ausgeschlossen, sich um Mays Job zu bemühen.         

Amber Rudd, Großbritanniens Ministerin für Arbeit und Renten

Amber Rudd, Großbritanniens Ministerin für Arbeit und Renten

Getty Images

Amber Rudd     

Nach einer Karriere als Finanzjournalistin wurde Rudd 2010 ins Parlament gewählt. Die 55-jährige gilt als verlässliche Unterstützerin von May und begleitete deren Weg an die Regierungsspitze. Als May 2016 die Geschäfte der Premierministerin übernahm, vertraute sie Rudd ihren alten Posten als Innenministerin an. Diese musste jedoch zurücktreten, um Mays Ruf in der Windrush-Affäre zu schützen. Inzwischen ist Rudd wieder Ministerin, diesmal für Arbeit und Renten. Bei einer Kandidatur um den Parteivorsitz könnte ihr zum Verhängnis werden, dass sie für einen Verbleib Großbritanniens in der EU geworben hat. Inzwischen gilt sie eher als Außenseiterin unter den möglichen Nachfolgern.

Edouard Guihare / fs / AFP