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SPD-Chef zum stern: "Brexit ist kein Untergang Europas" - Gabriels emotionales Statement

Der Brexit ist ein Schock für die meisten Politiker in Europa. SPD-Chef Sigmar Gabriel richtet den Blick nach vorn und sagt dem stern, welche Konsequenzen die EU aus dem Referendum ziehen sollte.

SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Brexit ist ein Weckruf für Europa"

SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Brexit ist ein Weckruf für Europa"

Das Brexit-Votum der Briten hat das politische Berlin in Aufruhr versetzt: Die Bundesregierung reagierte geschockt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lud die Partei- und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien für Freitagvormittag zu Beratungen ins Kanzleramt ein. Die Bundestagsfraktionen setzten Sondersitzungen an. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem "traurigen Tag für Europa und Großbritannien".

SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigt sich derweil kämpferisch und tritt für die Zukunft Europas ein. Dem stern sagte er: "Unser Motto muss jetzt sein: Nach vorne! Und nicht jammern. Der Brexit ist kein Untergang Europas, sondern eine Chance für den Neuanfang. Der Austritt des Vereinigten Königsreichs ist ein schriller Weckruf vor allem für die europäische Politik. Wer den überhört oder sich in die üblichen Rituale flüchtet, fährt Europa vor die Wand".

Sigmar Gabriel: "Hilferuf an die europäische Politik"

Die Briten hätten nicht gegen Europa gestimmt, sondern gegen die bisherige Art es zu gestalten, so Gabriel. "Wir müssen endlich anfangen, Europa besser zu machen: demokratischer, sozialer, solidarischer und unbürokratischer. Wir brauchen nicht 'mehr Europa', sondern ein 'anderes Europa'", sagte Gabriel zum stern. "Ein Europa, in dem die Bürger der souverän sind und nicht die Finanzmärkte das Leben bestimmen."

Laut Gabriel hat Europa die Menschen aus den Augen verloren. Die wachsende Europa-Kritik sei zum großen Teil ein Hilferuf an die europäische Politik, sich mehr um die wahren Probleme wie Arbeitslosigkeit, Flüchtlingskrise und soziale Sicherheit zu kümmern. "Das ist die Botschaft des Brexit", sagte Gabriel.

Lehren aus Brexit: "Weniger Lobbyismus"

Nun fordert der SPD-Chef Konsequenzen aus dem britischen Referendum für den EU-Austritt: "Wir brauchen schnelle Reformen für mehr Transparenz und weniger Lobbyismus. Vor allem aber mehr Demokratie und weniger Bürokratie. Und endlich eine aktive Bürgerbeteiligung. Der Brexit war ein Schuss vor den Bug. Jetzt muss Europa endlich wenden und wieder Kurs auf seine Menschen nehmen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel veranstaltet am Freitag einen "Meinungsaustausch" mit den Partei- und Fraktionschefs. Es sollen auch verschiedene Bundesminister teilnehmen. Anschließend will sich die Kanzlerin vor der Presse äußern.

tkr