HOME

+++ Brexit-Ticker +++: EU-Parlamentspräsident Schulz poltert gegen Cameron

Die Briten kehren Europa den Rücken: Der Finanzwelt droht ein "Black Friday". In Frankreich, Deutschland und den Niederlanden werden Rufe nach EU-Referenden laut. Die Entwicklungen zum Brexit zum Nachlesen im stern-Newsticker.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat den britischen Premier David Cameron scharf angegriffen

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat den britischen Premier David Cameron scharf angegriffen

+++ 22.09 Uhr: EU-Parlamentspräsident Schulz kritisiert verzögerten Rücktritt Camerons +++

Nach dem EU-Ausstiegsreferendum in Großbritannien hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) die Ankündigung des britischen Premierministers David Cameron scharf kritisiert, erst im Oktober zurückzutreten. Dies sei "skandalös", sagte Schulz den ARD-Tagesthemen am Freitag. Damit werde "zum wiederholten Male ein ganzer Kontinent in Geiselhaft genommen für die parteiinternen Überlegungen der konservativen Partei Großbritanniens.

Bereits als Cameron vor drei Jahren das Brexit-Referendum ankündigte, um parteiinterne Gegner ruhigzustellen, habe er einen "ganzen Kontinent verhaftet für seine taktischen Verhandlungen", sagte der EU-Parlamentspräsident. Nachdem Großbritannien nun entgegen seinem Wunsch für den Austritt aus der EU gestimmt habe, halte Cameron Europa erneut hin und wolle bis zum Parteitag der Konservativen im Oktober warten. "Man kann einen Parteitag auch morgen früh einberufen, wenn man das will", kritisierte Schulz.


+++ 21.41 Uhr: Obama stimmt sich in Umgang mit Brexit-Votum mit Merkel ab +++

US-Präsident Barack Obama stimmt sich beim Umgang mit der britischen Entscheidung für den EU-Austritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab. Er habe am Freitag mit Merkel telefoniert, sagte Obama in einer Rede an der kalifornischen Stanford-Unversität. Dabei habe er mit der Kanzlerin vereinbart, "dass die USA und ihre europäischen Verbündeten in den kommenden Wochen und Monaten eng zusammenarbeiten werden".

Obama äußerte zugleich die Erwartung, dass Großbritannien seinen Austritt aus der Europäischen Union in "geordneter" Weise vollziehen werde. In einem Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron habe er mit diesem abgesprochen, dass die Wirtschafts- und Finanzteams beider Regierungen in engem Kontakt bleiben sollten. 

+++ 20.57 Uhr: USA stellen TTIP nach Brexit-Votum nicht in Frage +++

Die USA sehen in der Entscheidung der Briten für den EU-Austritt keinen Grund, den Nutzen des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP in Zweifel zu ziehen. "Die wirtschaftliche und strategische Sinnhaftigkeit von TTIP bleibt stark", erklärte der US-Handelsbeauftragte Michael Froman am Freitag in einem an die Nachrichtenagentur AFP übermittelten Statement. 

+++ 18.57 Uhr: Obama nennt EU und Großbritannien nach Brexit-Votum "unerlässliche Partner" +++

Washington respektiert nach den Worten von US-Präsident Barack Obama die Entscheidung der Briten, aus der Europäischen Union auszutreten. Die EU und Großbritannien seien für die USA "unerlässliche Partner", sagte Obama am Freitag. Die Sonderbeziehung ("special relationship") zwischen den USA und Großbritannien werde fortdauern.

Obama hatte sich vor dem Referendum über einen Verbleib oder ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU gegen einen Brexit ausgesprochen. Bei dem Volksentscheid am Donnerstag stimmten knapp 52 Prozent für den Ausstieg aus der EU, gut 48 Prozent stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 72 Prozent.

Der Ausdruck von der Sonderbeziehung zwischen den beiden Staaten geht auf Winston Churchill zurück, der damit nach dem Zweiten Weltkrieg auf den gemeinsamen Kampf gegen Hitler-Deutschland und anschließend im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion anspielte. 

+++ 18.00 Uhr: Tausende Londoner fordern Unabhängigkeit ihrer Stadt +++

Nach dem Brexit-Votum sprechen sich zehntausende Londoner für einen Verbleib ihrer Stadt in der EU aus. Mehr als 46.000 Menschen unterzeichneten bis Freitagabend eine Petition auf der Online-Plattform change.org, in der Bürgermeister Sadiq Khan aufgefordert wird, die Hauptstadt für unabhängig zu erklären und ihren EU-Beitritt zu beantragen. Im Gegensatz zur Mehrheit der Briten haben 60 Prozent der Londoner gegen den EU-Austritt gestimmt.

"London ist eine internationale Stadt, und wir wollen im Herzen Europas bleiben", heißt es in der Petition: "Machen wir uns nichts vor - der Rest des Landes ist anderer Meinung. Deshalb sollten wir, statt bei jeder Wahl künftig passiv-aggressiv gegeneinander zu stimmen, die Scheidung vollziehen und mit unseren Freunden auf dem Kontinent zusammenziehen". Eine weitere Online-Petition mit dem Titel "London soll Teil der Europäischen Union bleiben" sammelte über 9000 Unterschriften.

+++ 17.39 Uhr: Bericht: US-Großbank zieht Mitarbeiter aus Großbritannien ab +++

Laut Informationen der BBC soll die US-Bank Morgan Stanley bereits damit begonnen haben, rund 2000 Mitarbeiter von London nach Dublin und Frankfurt zu verlegen. Der Sender beruft sich auf interne Quellen. Demnach sei vor allem die Investment-Abteilung von der Maßnahme betroffen, heißt es.


Auch die US-Großbank JPMorgan erwägt bereits, einen Teil ihrer 16.000 Mitarbeiter aus Großbritannien abzuziehen. Möglicherweise könnten Veränderungen beim Einsatzgebiet von Angestellten nötig werden, hieß es in einem internen Schreiben, das die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte. Die Bank werde aber "eine starke Präsenz" in Großbritannien behalten. Unternehmenschef Jamie Dimon hatte schon vor dem Referendum erklärt, 1000 bis 4000 Arbeitsplätze könnten verlagert werden.


+++ 17.35 Uhr: Reiseveranstalter rechnet nicht mit gebremster Reiselust der Briten +++

Der weltgrößte Reisekonzern Tui zeigt sich erschrocken über die Brexit-Entscheidung - rechnet aber nicht damit, dass die Briten ihren Urlaub künftig vermehrt zu Hause verbringen. Falls das britische Pfund nachhaltig an Wert verliere, senke das zwar ihre Kaufkraft im Ausland, sagt Tui-Chef Fritz Joussen. Das mache Einkäufe im Urlaubsort teurer. "Ob sich dadurch aber die Briten ihre sehr ausgeprägte Reiselust nehmen lassen, darf bezweifelt werden." Zudem buchten 60 Prozent der Tui-Gäste aus Großbritannien All-inclusive-Pakete.

Sollten die Briten doch genauer aufs Geld schauen müssen, dürfte das nach Einschätzung der Tui vor allem die Reisebranche auf den Balearen und den Kanaren, in Griechenland, der Türkei und der Karibik zu spüren bekommen. Dorthin flögen die Briten bisher am liebsten.

+++ 17.08 Uhr: Wall Street startet im Minus - aber besser als europäische Börsen +++

Das britische Votum für einen Abschied aus der Europäischen Union treibt auch die Anleger in den USA zu Verkäufen . Allerdings hält sich die Wall Street deutlich besser als die meisten europäischen Aktienmärkte. Der Dow Jones Industrial rutscht um 2,09 Prozent auf 17.635,34 Punkte ab. Tags zuvor hatte der US-Leitindex noch die Marke von 18.000 Punkten zurückerobert, da die Mehrheit der Investoren offenbar fest mit einem Verbleib der Briten in der EU gerechnet hatte.

Der marktbreite S&P 500 knickt um 2,25 Prozent auf 2065,73 Zähler ein und für den technologiewertelastigen Nasdaq 100 geht es um 2,60 Prozent auf 4351,396 Punkte nach unten. Börsianer sprechen von einer spürbaren Verunsicherung der Anleger, die noch einige Zeit andauern dürfte. Insbesondere die Sorge vor den möglichen wirtschaftlichen Folgen belaste.

+++ 17.01 Uhr: Bericht: Deutschland und Frankreich legen gemeinsames Papier zur EU vor +++

Deutschland und Frankreich wollen sich gemeinsam für die Weiterentwicklung der EU stark machen. "Europa braucht jetzt Orientierung. Da stehen Frankreich und Deutschland besonders in der Verantwortung", sagt Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Blatt zitiert vorab aus einem gemeinsamen Papier Steinmeiers und des französischen Außenministers Jean-Marc Ayrault, in dem beide demnach für eine "flexible Union" werben.

Das Papier wollen Steinmeier und Ayrault demnach zunächst am Samstag ihren Amtskollegen aus den vier Gründerstaaten der EU-Vorläuferorganisation EWG - Italien, Niederlande, Luxemburg und Belgien - vorlegen. Laut "FAS" erkennen die beiden Minister darin an, dass manche EU-Staaten den Weg zu einer immer engeren Union nicht mitgehen wollen. Dafür solle es Raum geben.

+++ 16.21 Uhr: Zukunft von Erasmus-Programm in Großbritannien unklar +++

Nach der Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union ist auch die Zukunft des europäischen Austauschprogramms Erasmus mit Großbritannien fraglich. "Das britische Votum gegen die Mitgliedschaft in der EU wird erhebliche Auswirkungen auf die Mobilität von Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben", erklärt die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Margret Wintermantel. 

Großbritannien gehört mit bis zu 3.140 deutschen Austausch-Studierenden pro Jahr zu den attraktivsten Erasmus-Zielen in Europa.

+++ 16.06 Uhr: Frankreichs Konservative fordern neuen EU-Vertrag +++

Frankreichs konservativer Parteichef und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy fordert nach dem Brexit-Votum der Briten einen neuen EU-Vertrag. Die Frage einer weitreichenden Neugründung der Europäischen Union sei dringend, sagt Sarkozy in Paris. Die Entscheidung der Briten gegen die EU-Mitgliedschaft reflektiere eine starke Ablehnung eines Europas, wie es derzeit funktioniert. "Was das britische Volk gesagt hat, hätten auch andere Völker sagen können", sagt der Franzose. Sarkozy ist Parteichef der oppositionellen Republikaner, ihm werden Ambitionen auf eine neue Präsidentschaftskandidatur im kommenden Jahr nachgesagt.

+++ 15.45 Uhr: US-Notenbank wirft scharfen Blick auf Finanzmärkte +++

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will die Entwicklung der internationalen Finanzmärkte nach dem Brexit-Beschluss Großbritanniens gemeinsam mit anderen Zentralbanken "sorgfältig beobachten". In einer am Freitag in Washington verbreiteten Mitteilung hieß es, die Fed sei nötigenfalls vorbereitet, Dollar-Reserven zur Verfügung zu stellen, um Spannungen in den Märkten aufzufangen, die der US-Wirtschaft schaden könnten.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rief Großbritannien und die EU zur Zusammenarbeit auf, um einen "sanften Übergang" in eine neue wirtschaftliche Beziehung sicherzustellen.

+++ 15.41 Uhr: Putin sieht Brexit als Protest gegen Brüssel +++

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Brexit-Entscheidung Großbritanniens als Protest gegen eine zunehmende Machtfülle der Brüsseler Bürokratie bezeichnet. "Die Konzentration der Macht ist in den leitenden Strukturen der EU sehr hoch", sagte Putin am Freitag in Usbekistan in Zentralasien. Manchen Menschen gefalle dieses "Verwischen von Ländergrenzen", anderen wiederum nicht.

"Der überwiegenden Mehrheit der Briten, scheint es, gefällt es nicht", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge in der Hauptstadt Taschkent. In der Entscheidung spiegele sich auch die Unzufriedenheit vieler Briten mit der Zuwanderung sowie in Sicherheitsfragen wider.

Äußerungen des britischen Premierministers David Cameron über ein angebliches Interesse Moskaus an einem EU-Ausstieg Londons entbehrten jeder Grundlage. "Russland hat sich in die Frage eines Brexits nie eingemischt, nie darüber geäußert, es hat sie nicht beeinflusst und dies auch nie versucht", meinte Putin. Die Vorwürfe seien ein Versuch des scheidenden Regierungschefs Cameron, die Briten zu beeinflussen.

Putin schloss eine Änderung der russischen Wirtschaftspolitik nicht aus, um den Einfluss des britischen EU-Austritts zu mindern. "Ich bin aber überzeugt, dass sich das alles in naher Zukunft korrigieren wird. Wir erwarten keine globale Katastrophe", sagte der Kremlchef.

+++ 15.35 Uhr: Malta will nicht den britische EU-Vorsitz übernehmen +++

Nach dem Brexit will Malta im kommenden Jahr nicht auch den EU-Vorsitz Großbritanniens übernehmen. "Wir sind nicht offiziell angesprochen worden", sagte der maltesische Premier Joseph Muscat bei einer Pressekonferenz am Freitag auf die Frage, ob sein Land zu einer Verlängerung der Präsidentschaft bereit wäre. Sollte dies geschehen, müsse man mit Blick auf die vorhandenen Ressourcen entscheiden, so Muscat. "Aber wir hätten lieber eine sechsmonatige Amtszeit."

Malta soll die rotierenden EU-Präsidentschaft im Januar 2017 übernehmen. Ab Juli 2017 wäre dann Großbritannien dran. Nach dem britischen Referendum für einen EU-Austritt fällt das Land jedoch aus. Alternativ könnte auch Estland seine für das erste Halbjahr 2018 geplante Amtszeit vorziehen.

+++ 15.32 Uhr: Kaczynski plädiert für ein "Europa der Nationalstaaten" +++

Der Vorsitzende der polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, hat nach dem britischen Votum für den Austritt aus der gefordert, die EU auf eine neue vertragliche Grundlage zu stellen. "Ein neuer Europäischer Vertrag" sei notwendig sowie eine Reform der EU, der langfristig auch Großbritannien zustimmen könne, sagte Kaczynski am Freitag in Warschau.

Der nationalkonservative Politiker bezeichnete die Idee eines föderalen Europas als "verheerend". Er schlug stattdessen ein Modell auf der Basis der "Nationen, der Nationalstaaten" vor. Indirekt rief er zudem die EU-Führung vor, dem Beispiel des britischen Premierministers zu folgen und ihren Rücktritt einzureichen.

Kaczynski gehört nicht der Regierung von Ministerpräsidentin Beata Szydlo an, gilt aber als zentraler Entscheidungsträger der polnischen Führung. Die Regierungschefin sprach sich ebenfalls für eine Reform der EU und für ein "Vereinigtes souveräner Staaten" aus.

+++ 15.24 Uhr: Ban Ki Moon erwartet weiter starke Rolle der Briten +++

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat verhalten auf das britische Votum für einen EU-Austritt reagiert. "Wenn wir zusammenarbeiten, sind wir stärker", teilte Ban am Freitag mit. "Wir bei den UN freuen uns darauf, unsere Arbeit mit Großbritannien und der Europäischen Union fortzusetzen." Ban erwarte und hoffe zudem, dass Großbritannien bei Themen wie der Entwicklungspolitik weiter eine Führungsrolle behalten werde. Die EU bleibe gleichzeitig ein starker Partner in Fragen wie Migration, Frieden und Sicherheit sowie bei humanitären Themen.

+++ 15.09 Uhr: Englands Nationalelf: Kein Kommentar +++

Das englische Nationalteam hält seine unpolitische Linie bei der Fußball-EM bei und will sich nicht zum britischen Brexit äußern. "Ich denke, dass keiner von uns genug darüber weiß, um es zu kommentieren", sagte Stürmer Harry Kane am Freitag im EM-Quartier von Chantilly. "Ich weiß nicht genug darüber, um besorgt zu sein. Und ich denke, den anderen geht es genauso."

Die Konzentration liege auf dem Turnier statt auf dem Austritt aus der Europäischen Union, betonte der Torschützenkönig der Premier League am Tag nach dem Referendum. "Ich bin aufgewacht und habe die Nachricht gesehen. Die Jungs reden darüber, aber wir sind nicht allzu fokussiert darauf. Wir versuchen, bei der EM weiterzukommen." Auch die Frage, ob nun weniger gute Spieler in die Premier League kommen werden, ließ der 22-Jährige unbeantwortet: "Niemand weiß, was wirklich passieren wird. Ich warte ab, was passiert."

Während der EM-Zeit hatten bereits Kapitän Wayne Rooney und Verteidiger Ryan Bertrand eine Positionierung in der Brexit-Frage vermieden.

+++ 14.36 Uhr: 115.000 Briten für zweites Brexit-Referendum +++

Zahlreiche Briten haben nach dem knappen Sieg der Brexit-Befürworter eine zweite Volksabstimmung zur EU-Mitgliedschaft gefordert. Mehr als 115.000 Menschen unterzeichneten bis zum frühen Freitagnachmittag online eine entsprechende offizielle Petition. Das Parlament werde das Anliegen für eine Debatte in Betracht ziehen, hieß es auf der Webseite, nachdem die Marke von 100.000 Unterzeichnern erreicht worden war. Zudem soll die Regierung auf die Petition antworten - dafür waren 10.000 Unterstützer notwendig.

Die Unterzeichner fordern ein zweites Referendum, wenn bei einer Wahlbeteiligung von bis zu 75 Prozent keine Seite mindestens 60 Prozent der Stimmen erreicht. Im Referendum am Donnerstag sprachen sich 52 Prozent der Wähler für einen Brexit aus - die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent. Die Petition war bereits Ende Mai gestartet worden, fand am Freitag aber schnell Zehntausende neue Unterstützer.

+++ 13.36 Uhr: Mann von Jo Cox: "Sie wäre optimistisch geblieben" +++

Der Ehemann der getöteten Brexit-Gegnerin Jo Cox glaubt, dass sich seine Frau auch nach dem Votum gegen die EU-Mitgliedschaft für den Zusammenhalt in Großbritannien eingesetzt hätte. "Jo wäre heute optimistisch geblieben und fokussiert darauf, was sie tun könnte, um unser Land wieder um unsere besten Werte herum zusammenzubringen", schrieb Brendan Cox am Freitagmorgen auf Twitter. Ein Attentäter hatte die pro-europäische Abgeordnete in der vergangenen Woche im Alter von 41 Jahren auf offener Straße tödlich verletzt.

+++ 13.00 Uhr: Farage nennt wichtigstes Brexit-Versprechen einen "Fehler" +++

Der britische Rechtspopulist Nigel Farage hat sich kurz nach dem EU-Referendum von einem zentralen Versprechen der Brexit-Kampagne distanziert. In der ITV-Sendung "Good Morning Britain" sagte der UKIP-Politiker, er könne nicht garantieren, dass wie von den Brexit-Befürwortern angekündigt 350 Millionen Pfund pro Woche statt an die EU nun an das Gesundheitssystem NHS gingen. "Das war einer der Fehler, die die "Leave"-Kampagne gemacht hat", sagte Farage am Freitag. Er selbst habe damit nicht geworben. "Sie müssen verstehen, dass ich von der Kampagne ausgeschlossen wurde und ich, wie immer, mein eigenes Ding gemacht habe." Farage ist seit Jahren einer der prominentesten Befürworter eines britischen EU-Austritts.

+++ 12.38 Uhr: Angela Merkel äußert sich zum Brexit +++

In Berlin tritt Angela Merkel vor die Kameras. "Der heutige Tag ist ein Einschnitt für Europa. Er ist ein Einschnitt für den europäischen Einigungsprozess", sagt sie. Die Kanzlerin ruft zur Besonnenheit auf und warnt vor schnellen Schlüssen, "die Europa weiter spalten werden".

+++ 12.26 Uhr: EU-Spitzen fordern Londons Austrittserklärung "so schnell wie möglich" +++

Nach dem Brexit-Referendum hat die EU-Führung die britische Regierung aufgefordert, den Austritt des Landes aus der Union nicht hinauszuzögern. Die EU erwarte, dass London die Entscheidung "so schnell wie möglich" wirksam mache, "wie schmerzhaft dieser Prozess auch sein mag", hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung der Präsidenten von EU-Kommission, Europaparlament, Rat und des rotierenden EU-Vorsitzes. Sie reagierten damit auf die Ankündigung des britischen Premierminister David Cameron, die formelle Austrittserklärung aus der EU seinem Nachfolger zu überlassen. 

+++ 11.44 Uhr: Rutte lehnt EU-Austrittsreferendum in den Niederlanden ab +++

Der niederländische Regierungschef Mark Rutte weist Forderungen aus dem rechtspopulistischen Lager nach einem EU-Austrittsreferendum auch in seinem Land zurück. "Ich glaube nicht, dass an einem Referendum großes Interesse besteht", sagt Rutte kurz vor seiner Abreise nach Brüssel zu einem Treffen mit EU-Spitzenpolitikern. Das Brexit-Votum in Großbritannien bezeichnet er als "enttäuschend", zugleich aber auch als "Stimulus für EU-Reformen".

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hat nach dem Brexit-Referendum auch in den Niederlanden eine Volksabstimmung gefordert. "Die Niederländer haben auch das Recht auf ein Referendum", erklärte der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit (PVV). Seine Partei fordere "ein Referendum über den Nexit, einen niederländischen Austritt aus der EU." Wilders ist ein scharfer Kritiker der Europäischen Union.

+++ 11.29 Uhr: Trump: Brexit-Votum ist fantastisch +++

Donald Trump begrüßt das Votum der Briten für den Austritt aus der EU. Das Ergebnis des Referendums sei "fantastisch", sagt der Immobilienmogul bei seiner Ankunft zu einer Feier zur Neueröffnung eines seiner Golfplätze im schottischen Turnburry. Vor seinem Kurzbesuch in dem Königreich hat sich der umstrittene Rechtspopulist dafür ausgesprochen, dass die Briten es "alleine machen".

+++ 10.58 Uhr: Erste Reaktionen in Russland begrüßen Brexit +++

Kremltreue russische Politiker haben in ersten Reaktionen das britische Votum für einen Austritt aus der EU begrüßt.
Für das britische Volk sei es ein großer Erfolg, sagte der nationalistische Vize-Parlamentschef Wladimir Schirinowski von der Partei LDPR in Moskau. "Das ländliche, provinzielle, arbeitende Großbritannien hat Nein gesagt zu der Union, die von der Finanzmafia, Globalisten und anderen geschaffen wurde", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Das russische Außenministerium reagierte vorsichtig: An den seit Jahren gespannten Beziehungen zwischen London und Moskau werde sich kaum etwas ändern. Wegen der Brexit-Nachricht aus London fielen die Aktienkurse an der Moskauer Börse um 3,5 Prozent. Im Devisenhandel legte der US-Dollar um zwei Rubel auf 65,88 Rubel zu, der Euro blieb nahezu unverändert bei 72,70 Rubel.

+++ 10.26 Uhr: Zehntausende unterzeichnen Petition für zweites Brexit-Referendum +++

Zahlreiche Briten fordern nach dem knappen Sieg der Brexit-Befürworter eine zweite Volksabstimmung zur EU-Mitgliedschaft.
Rund 60.000 Menschen unterzeichneten bis Freitagvormittag online eine entsprechende offizielle Petition. Die britische Regierung beantwortet alle Anliegen, die auf mehr als 10.000 Unterschriften kommen; bei mehr als 100.000 Unterschriften wird das Anliegen zur Debatte im Parlament vorgeschlagen.

Die Unterzeichner fordern ein zweites Referendum, wenn bei einer Wahlbeteiligung von bis zu 75 Prozent keine Seite mindestens 60 Prozent der Stimmen erreicht. Im Referendum am Donnerstag sprachen sich 52 Prozent der Wähler für einen Brexit aus - die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent. Die Petition war bereits Ende Mai gestartet worden, fand der Zeitung "Independent" zufolge aber am Freitagmorgen Tausende neue Unterstützer.

+++ 9.50 Uhr: So haben junge und ältere Briten abgestimmt +++

Diese Grafik zeigt, wie Briten verschiedener Altersgruppen abgestimmt haben. Eine Mehrheit der jungen Menschen stimmte für einen Verbleib in der EU, in den älteren Generationen votierte die Mehrheit hingegen für einen Austritt.

+++ 9.32 Uhr: Bundestagsfraktionen berufen Sondersitzungen ein +++

Die Fraktionen im Bundestag wollen in Sondersitzungen über die Entscheidung der Briten für ein Verlassen der EU beraten. Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD setzen Beratungen für 13 Uhr in Berlin an, ebenso die Grünen. Auch bei der Linksfraktion gibt es entsprechende Überlegungen, eine Entscheidung liegt aber noch nicht vor.

Der Bundestag wird laut Bundestagspräsident Norbert Lammert voraussichtlich am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen

+++ 9.26 Uhr: David Cameron kündigt Rücktritt an +++

David Cameron will im Oktober zurücktreten. Er werde noch drei Monate im Amt bleiben, sagt der britische Premierminister vor seinem Amtssitz Downing Street 10. Er wolle damit zur Stabiltät beitragen. Austrittsverhandlungen mit der EU sollten anschließend mit einem neuen Regierungschef beginnen. "Das Land braucht eine neue Führung", so der konservative Politiker.

+++ 9.10 Uhr: Dax im Minus +++

Der Deutsche Aktienindex (Dax) startet mit einem Minus von 9,94 Prozent in den Handelstag. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank brechen um jeweils 17 Prozent ein. Auch die Londoner Börse startet mit einem kräftigen Minus von 7,5 Prozent, in Paris sind es knapp acht Prozent.

+++ 8.52 Uhr: Von Storch fordert Rücktritt von Schulz und Juncker +++

Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch fordert den Rücktritt des EU-Parlamentschefs Martin Schulz (SPD) und des Kommissionschefs Jean-Claude Juncker. Das Ergebnis des Volksentscheids sei ein klares Signal, dass die Politik der beiden EU-Spitzenpolitiker gescheitert sei, sagt die Europaabgeordnete in Brüssel. Von Storch, die auch stellvertretende Vorsitzende der rechtspopulistischen EFDD-Fraktion in der europäischen Volksvertretung ist, spricht von einem "historischen" Tag. "Ich denke, es wird Feiern geben", antwortet sie auf die Frage nach Plänen der AfD für Freitag.

+++ 8.46 Uhr: Nigel Farage: Die EU stirbt +++

Der britische Rechtspopulist Nigel Farage sagt nach dem Brexit-Votum ein Zerbrechen der Europäischen Union voraus. "Die EU versagt, die EU stirbt", sagt er vor dem Parlamentsgebäude in London. Weitere Austritts-Referenden könnten folgen, möglicherweise in den Niederlanden, in Dänemark, Österreich und Italien. "Wir wollen Freunde und Nachbarn sein", sagt Farage, der für die eurokritische United Kingdom Independent Party (UKIP) im EU-Parlament sitzt. "Aber ohne Hymnen, ohne Flaggen und ohne nutzlose Präsidenten, die nicht gewählt sind", sagt Farage.

+++ 8.20 Uhr: Vorläufiges Endergebis: 51,9 Prozent für Brexit +++

51,9 Prozent der Briten haben nach Angaben des Senders BBC für den Austritt aus der EU gestimmt, lediglich 48,1 Prozent für den Verbleib. Insgesamt votierten 17.410.742 Wähler für Rausgehen, 16.141.241 für Drinbleiben, meldete der Sender unter Berufung auf das vorläufige Endergebnis.

+++ 8.18 Uhr: Nigel Farage feiert britischen Unabhängigkeitstag+++

Nigel Farage, Chef der EU-feindlichen Partei Ukip, erklärt den Brexit-Tag zum britischen Unabhängigkeitstag. "Möge der 23. Juni als unser Unabhängigkeitstag in die Geschichte eingehen", sagte er. 

+++ 7.58 Uhr: Le Pen fordert EU-Referendum in Frankreich +++

Die Chefin von Frankreichs rechtsextremer Front National, Marine Le Pen, hat nach dem Brexit-Votum weitere Abstimmungen in den EU-Mitgliedsstaaten gefordert. "Sieg der Freiheit!", schrieb Le Pen auf Twitter. "Wie ich es seit Jahren fordere, brauchen wir jetzt dasselbe Referendum in Frankreich und in den Ländern der EU." Zuvor hatte bereits ihre Nichte Marion Le Pen, Abgeordnete der Nationalversammlung, von einem "Franxit" gesprochen. "Es ist jetzt an der Zeit, die Demokratie in unser Land zu importieren", schrieb sie

+++ 7.45 Uhr: EU-Konservative fordern schnellen Ausstieg Großbritanniens +++

Die Konservativen und Christdemokraten im Europaparlament haben nach dem historischen Brexit-Votum einen schnellen Ausstieg Großbritanniens aus der EU gefordert. "Wenn die Briten raus wollen, dann müssen sie raus, und das muss schnell passieren", sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), im Brüsseler EU-Parlament. Dort trafen führende Parlamentarier zu Krisenberatungen zusammen. Man brauche keine weiteren Unsicherheiten in der Europäischen Union. 

+++ 7.30 Uhr: Finanzmärkten droht ein "Black Friday" +++

Brexit-Schock für Europa und die Finanzmärkte: Der Austritt der Briten aus der EU dürfte für einen "Black Friday" sorgen. Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex gut zwei Stunden vor Handelsbeginn um 8 Prozent tiefer bei 9435 Punkten.

Die Anleger werden klar auf dem falschen Fuß erwischt: Seit Mitte der Vorwoche war der Dax in zunehmender Hoffnung auf einen Verbleib der Briten noch um fast 9 Prozent nach oben gesprungen. Nun droht ein historischer Einbruch. "Der bislang schwärzeste Tag war 1987 mit einem Rutsch um 9,39 Prozent", sagte ein Händler. Knapp unter 9300 Punkten würden wir diesen Negativrekord einstellen.

Bei weltweit einbrechenden Aktienmärkten flüchteten die Anleger in sichere Häfen. Vor allem der Yen blieb als Fluchtwährung gesucht. Das Pfund wertete gegenüber der japanischen Währung um bis zu 15 Prozent ab. Auch Gold und Anleihen waren am Morgen gefragt.

+++ 7 Uhr: Briten stimmen für EU-Austritt +++

Großbritannien kehrt Europa den Rücken: Eine knappe Mehrheit der Briten stimmte bei dem historischen Brexit-Referendum für einen Ausstieg aus der Europäischen Union. Nach Auszählung von 374 der 382 Wahlkreise gab es 16,8 Millionen Stimmen für den Austritt und 15,7 Millionen für den Verbleib, womit es für die EU-Befürworter unmöglich war, den Rückstand noch aufzuholen.

+++ 6.56 Uhr: Rechtspopulist Wilders fordert Referendum auch in den Niederlanden +++

Der Chef der rechtspopulistischen niederländischen Partei für die Freiheit, Geert Wilders, fordert nach der britischen Volksabstimmung ein EU-Referendum auch in seinem Land. "Bye bye Brüssel", jubelt er angesichts des Vorsprungs für das Brexit-Lager in Großbritannien auf Twitter. "Und die Niederlande werden die Nächsten sein!" 

+++ 6.43 Uhr: Aktien britischer Banken brechen ein +++

Der drohende Brexit lässt die Kurse der britischen Banken einbrechen. An der Börse in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong, wo einige der Finanzwerte gehandelt werden, geht es prozentual zweistellig abwärts.
HSBC-Aktien verloren bis zu 11,3 Prozent - das ist der heftigste Verlust seit sieben Jahren und damit den Zeiten der Finanzkrise. Die Papiere des Versicherers Prudential knickten um bis zu 11,1 Prozent ein und die Aktien des Finanzkonzerns Standard Chartered sogar um bis zu 12,5 Prozent.

+++ 6.34 Uhr: Außenminister kommen in Berlin zusammen +++

Die Außenminister der sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Union (EU) kommen am Samstag in Berlin zusammen, um über die Folgen des Brexit-Referendums zu beraten. An dem Treffen in der Villa Borsig, dem Gästehaus des Auswärtigen Amts, nehmen nach Angaben aus diplomatischen Kreisen Deutschland, Frankreich, Italien und die Benelux-Staaten teil. Die sechs Staaten hatten 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet, die Vorläuferorganisation der EU.

+++ 6.20 Uhr: Brexit-Lager in Großbritannien eine Million Stimmen vorn +++

Beim EU-Referendum in Großbritannien ist der Vorsprung der Brexit-Befürworter auf mehr als eine Million Stimmen angewachsen. Weniger als 40 der 382 Wahlbezirke sind noch auszuzählen.

+++ 6 Uhr: Briten stimmen laut Medien-Prognosen für den Brexit +++

Die Wähler in Großbritannien haben laut Prognosen mehrerer britischer Medien für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Das berichten die BBC sowie die Sender ITV und Sky News auf der Basis der Ergebnisse von über 300 der 382 Wahlbezirke. Demnach liegt das Lager der EU-Gegner mit 52 Prozent vor den Befürwortern eines EU-Verbleibs Großbritanniens. 

+++ 5.55 Uhr: Drohender Brexit schickt Kurse auf Talfahrt +++

Der Vorsprung des Brexit-Lagers bei der Auszählung nach dem britischen EU-Referendum hat das Pfund abstürzen lassen und schickt auch die Kurse an den Börsen in Asien auf Talfahrt.

Die britische Währung fiel nach einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg am frühen Freitagmorgen auf ihren tiefsten Stand gegenüber dem Dollar seit 1985. Der globale Ölpreis brach um fünf Prozent ein.

Scharf ins Minus drehten auch die Börsen in Sydney und Tokio. Weil zugleich die japanische Währung Yen gegenüber dem Pfund in die Höhe schoss, berief Finanzminister Taro Aso eine Pressekonferenz ein.

kis/ivi/tim/DPA/AFP

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren