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Brexit: Von Storch "weint vor Freude" - so feiern Europas Rechtspopulisten

Der Brexit bringt europäischen Rechtspopulisten Aufwind: In Deutschland flossen Tränen der Freude, in den Niederlanden und Frankreich wird ein eigenes Referendum gefordert. Selbst Sarah Palin meldet sich aus den USA zu Wort.

Beatrix von Storch schaut auf dem AfD-Parteitag vom Podiuum ins Publikum

Beatrix von Storch, die stellvertretende Vorsitzende der AfD, hat nach eigenen Angaben Freudentränen wegen des Brexit vergossen

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD, Beatrix von Storch, hat die Entscheidung der Briten zum Ausstieg aus der EU begrüßt. "Ich habe geweint vor Freude", erklärte von Storch im Fernsehsender Phoenix. Der 23. Juni sei ein historischer Tag. "Kommissionspräsident Juncker und Parlamentspräsident Schulz müssen jetzt Verantwortung übernehmen und zurücktreten, denn ihr Projekt ist gescheitert", so von Storch weiter.

Der AfD-Fraktionsvorsitzende in Thüringen, Björn Höcke, hat nach dem britischen EU-Referendum eine Volksabstimmung über einen Verbleib Deutschlands in der Union gefordert. "Mit dem Austritt aus der EU haben die Briten den Weg des kollektiven Wahnsinns verlassen und sich für Demokratie und Volkssouveränität entschieden", erklärte Höcke, kurz bevor Mitglieder des AfD-Bundesvorstandes am Freitag in Berlin ihre Stellungnahme zum Brexit-Votum abgeben wollten. Höcke sprach von einem "Freudentag für Europa".

Wilders will Referendum für Niederlande

Nach dem Brexit-Referendum hat der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders auch in den Niederlanden eine Volksabstimmung gefordert. "Die Niederländer haben auch das Recht auf ein Referendum", erklärte der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit (PVV). Seine Partei fordere "ein Referendum über den Nexit, einen niederländischen Austritt aus der EU." Wilders ist ein scharfer Kritiker der Europäischen Union.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hat auf Wilders' Pläne geantwortet, die Zusammenarbeit in Europa sei für die Niederlande "lebenswichtig". Rutte hat sich vom Ergebnis des britischen EU-Referendums enttäuscht gezeigt, aber zugleich vor Panik gewarnt. Nun müsse "in aller Ruhe" nach einer stabilen Lösung gesucht werden, sagte Rutte am Freitag in Den Haag. Die europäische Zusammenarbeit sorge für Arbeitsplätze und "kollektive Sicherheit in einer instabilen Welt", bekräftigte der rechtsliberale Premier. Die Niederlande haben bis Ende Juni die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Brexit ein "Sieg für die Freiheit"?

Auch die Chefin von Frankreichs rechtsextremer Partei Front National (FN), Marine Le Pen, will ein EU-Referendum in Frankreich ansetzen. "Sieg für die Freiheit", schrieb Le Pen am Morgen auf Twitter. "Wie ich es seit Jahren fordere, müssen wir jetzt ein gleiches Referendum in Frankreich und anderen EU-Ländern haben."

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat den Briten zum Brexit-Votum gratuliert. "Im Grunde haben sie sich ihr Land zurückgeholt. Das ist eine großartige Sache", sagte Trump am Freitag beim Besuch eines Golfresorts in Schottland. "Auf der ganzen Welt sind die Menschen wütend. (...) Sie sind wütend darüber, dass Menschen ins Land kommen und übernehmen und niemand weiß, wer sie sind." Auf die Frage, ob das Votum seiner Kampagne helfe, sagte Trump: "Ich habe gesagt, dass das passieren würde. Wir müssen sehen, aber es ist eine großartige Sache."

Palin lobt die Briten

Die erzkonservative US-Politikerin Sarah Palin hat das Brexit-Votum begrüßt. "Froh, dass der Brexit sich durchgesetzt hat!", schrieb Palin am Freitagmorgen auf Facebook. Es sei eine gute Nachricht, dass die Briten sich für Unabhängigkeit von weltweiten Interessengruppen sowie für Kontrolle über die eigenen Grenzen und den Schutz der eigenen Bevölkerung entschieden hätten. Palin hatte 2008 in den USA an der Seite von John McCain vergeblich für das Amt der Vizepräsidentin kandidiert.

Die Briten haben am Donnerstag über ihre EU-Mitgliedschaft abgestimmt. Nach dem Austritt der Briten fürchtet Brüssel einen Dominoeffekt in Europa. Die Schotten wiederum könnten einen neuen Anlauf für ein Referendum über die Abspaltung vom Königreich nehmen. Sie sehe die Zukunft Schottlands als "Teil der EU", sagte die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon. Die Schotten hatten 2014 mit knapper Mehrheit für den Verbleib in Großbritannien gestimmt, doch wurde im Fall eines Brexit-Votums nicht ausgeschlossen, dass erneut eine Volksabstimmung angesetzt wird.

tkr / AFP / DPA