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Bürgerkrieg in Syrien: Assads Armee unterwirft weitere Protesthochburg

Syrische Soldaten haben nach Homs nun auch den Rebellenstützpunkt Hama besetzt. Nachts schossen die Streitkräfte auf die Aufständischen. Mittlerweile sollen 90 Panzer in die Stadt vorgerückt sein.

Syrische Regierungstruppen haben am Donnerstag ihre Offensive gegen die Opposition fortgesetzt und nach Angaben von Aktivisten eine weitere Protesthochburg eingenommen. Der Oppositionelle Saleh al Hamawi sagte, dass Soldaten, begleitet von rund 90 Panzern, in die Stadt Hama vorgerückt seien. Dem nächtlichen Beschuss folgten Verhaftungen. Die Zahl der Opfer war zunächst nicht bekannt.

Männer hätten sich im Stadtzentrum ausziehen und in einer Reihe aufstellen müssen, hieß es. Dann seien sie in Bussen an einen unbekannten Ort gebracht worden. Wegen der Medienblockade des Regimes von Präsident Baschar al Assad sind Meldungen aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen. In den vergangenen Wochen hat die syrische Armee bereits in dem lange umkämpften Homser Viertel Baba Amro, der Stadt Idlib und Deir as-Saur an der Grenze zum Irak die Kontrolle übernommen.

Westerwelle kündigt neue Sanktionen gegen Assad an

Erneute Angriffe gab es nach Oppositionsangaben auf die Unruheprovinz Homs. Eine Artilleriegranate habe einen Grenzort im benachbarten Libanon getroffen und einen syrischen Flüchtling getötet. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor einem Jahr sollen schon mehr als 12.000 Syrer allein in den Libanon geflüchtet sein. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in dem Zeitraum mehr als 8000 Menschen landesweit getötet wurden.

Im Umland von Damaskus habe es ebenfalls Angriffe auf den Ort Harasta gegeben. In der südlichen Provinz Daraa sei ein Soldat bei einer Attacke von Deserteuren auf ein Militärfahrzeug getötet worden.

Unterdessen will die Europäische Union ihre Sanktionen gegen Syrien am Freitag weiter verschärfen. Dies kündigte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) im Deutschlandfunk an. "Morgen beschließen wir neue Sanktionen - nicht nur gegen das Assad-Regime, sondern auch gegen sein Umfeld."

Bei einem Treffen in Brüssel wollen die EU-Außenminister unter anderem Einreiseverbote gegen weitere Führungspersonen aus Assads Machtapparat erlassen. Geplant ist nach Angaben von Diplomaten auch, deren Bankkonten und sonstige Vermögen innerhalb der EU einzufrieren. Im Visier steht dabei auch Assads Ehefrau Asma, die in den vergangenen Jahren immer wieder größere Einkaufstouren in Europa unternommen hatte.

jar/DPA / DPA