Bürgerkrieg Keine Ruhe für Liberia

Der Waffenstillstand hielt keinen Tag. Auf den Aussstieg der liberianischen Rebellentruppe LURP aus den Friedengesprächen folgte der Sturm auf die Hauptstadt Monrovia. Zivilisten fliehen, und der verhasste Präsident Taylor feuert seine Truppen an.

Rebellen im westafrikanischen Bürgerkriegsland Liberia haben am Mittwoch abermals die Hauptstadt Monrovia erstürmt, um Präsident Charles Taylor zu stürzen. Die Rebellen hätten den Hafen erobert und eine wichtige Brücke im Norden der Stadt passiert, berichteten Augenzeugen. Tausende Zivilisten flüchteten. Bomben und Granaten schlugen nach Berichten von Helfern in Wohnvierteln ein. Es gebe Tote und Verletzte. Taylor forderte seine Armee im Radio auf, "zu kämpfen bis zum Ende."

Der Präsident widersprach Gerüchten, nach denen er aus Monrovia geflohen sei. "Mein Leben ist nicht wichtiger als eures", sagte er im staatlichen Sender. Die Rebellen der Bewegung Vereinte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (LURD) beschossen Regierungsgebäude mit schwerer Artillerie. "Niemand traut sich auf die Straße", sagte ein Anwohner. Hilfsorganisationen riefen die rund 400 000 Einwohner der Stadt zu Blutspenden auf.

Zweiter Versuch in drei Wochen

Es ist bereits der zweite Anlauf der Rebellen innerhalb der vergangenen drei Wochen, Taylor zu stürzen. Nach dessen Weigerung, zu Gunsten einer Übergangsregierung zurückzutreten, war die LURD am Dienstag aus den Friedensverhandlungen ausgestiegen. Der von der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas vermittelte Waffenstillstand hatte nicht einen Tag lang gehalten.

Die Rebellen kämpfen seit 1999 gegen Taylor. Sein Rücktritt war auch Bestandteil des Waffenstillstandsabkommens gewesen. Taylor hatte jedoch wenige Tage nach seiner Unterzeichnung gesagt, er werde bis Januar im Amt bleiben. Eine Übergangsregierung werde es nicht geben. Der UN-Gerichtshof für Kriegsverbrechen in Sierra Leone erließ gegen den Staatschef einen internationalen Haftbefehl. Taylor soll während des Bürgerkriegs im Nachbarland Rebellen unterstützt haben.

Hintergrundinformationen

Liberia ist die älteste Republik Afrikas und neben Äthiopien der einzige Staat des afrikanischen Kontinents, der auf eine ununterbrochene Unabhängigkeit zurückblicken kann. Sie wurde 1847 von freigelassenen amerikanischen Sklaven ausgerufen. Seit etwas mehr als zwei Jahrzehnten wird das Land am westafrikanischen Golf von Guinea von Willkürherrschaft und Bürgerkrieg geplagt. Rund drei Millionen Menschen leben in Liberia, das mit knapp 98 000 Quadratkilometern etwas kleiner ist als Ostdeutschland. Im Großraum der Hauptstadt Monrovia wohnen mehr als 400 000 Menschen. Eine der wichtigsten Einnahmequelle des Landes ist der Export von Tropenholz. Durch den Verkauf seiner "Billig"-Flagge verfügt Liberia über die zweitgrößte Schiffsflotte der Welt.

Fünf Prozent der Bevölkerung sind Nachfahren der eingewanderten Sklaven (Americo-Liberianer), die bis 1980 den Ton angaben. Dann putschte sich Samuel Doe mit Hilfe des Militärs an die Macht. Korruption und Menschenrechtsverletzungen führten Ende der 80er zu einem blutigen, sieben Jahre andauernden Bürgerkrieg, an dem auch der heutige Präsident Charles Taylor und seine Nationalpatriotische Front (NPFL) beteiligt waren.

Nach der Wahl Taylors zum Präsidenten 1997 kam das Land nur kurz zur Ruhe. Seit 1999 versucht die Rebellenbewegung LURD (Vereinigte Liberianer für Versöhnung und Demokratie), Taylor zu stürzen. Im Mai 2003 verlängerten die UN das Waffenembargo und das Verbot des Diamantenhandels um ein Jahr. Taylor wird vorgeworfen, Rebellen in Sierra Leone und Elfenbeinküste zu unterstützen und in den Diamanten- und Waffenschmuggel verstrickt zu sein.

DPA

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