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Mali vor einem langen Kampf gegen den Terror

Französische und afrikanische Truppen haben aufständische Rebellen und islamistische Terroristen in Mali zurückgeschlagen. Auch die Bundeswehr ist unterstützend im Land aktiv.

Nach einem Militärputsch im März 2012 übernahmen Rebellen die Macht im Norden des Landes. Den französischen und afrikanischen Truppen gelang es, einen Großteil des Landes zurückzuerobern.

Nach einem Militärputsch im März 2012 übernahmen Rebellen die Macht im Norden des Landes. Den französischen und afrikanischen Truppen gelang es, einen Großteil des Landes zurückzuerobern.

Als sich die Heckklappe der Bundeswehr-Transall öffnet, schlägt den beiden französischen Soldaten im Inneren der Frachtmaschine heiße, staubige Luft entgegen. Auf dem Rollfeld, über dem die Hitze steht, werden sie schon von ihren Kameraden erwartet. Ein Kontingent der französischen Streitkräfte sichert den kleinen Flughafen der zentralmalischen Stadt Mopti. Die Präsenz der Soldaten aus Frankreich ebenso wie der Militärs aus mehreren afrikanischen Staaten und aus Deutschland verweist auf die fragile Stabilität Malis - obwohl vielerorts Frieden eingekehrt ist. "Die Lage ist ruhig hier, wir haben keine Probleme", betont einer der französischen Soldaten.

Vor gut drei Monaten sah das noch ganz anders aus. Die Front islamistischer Kämpfer, die zusammen mit Tuareg-Rebellen militärische Erfolge gegen schlecht ausgebildete und ausgerüstete malische Regierungstruppen verzeichneten, war bis auf etwa 50 Kilometer an Mopti herangerückt. Flüchtlinge aus dem Norden strömten in die Stadt, Gerüchte über Gräueltaten der Aufständischen machten unter den rund 100.000 Einwohnern die Runde.

Ein Militärputsch stürzt das Land in Chaos

Das nordwestafrikanische Mali, das lange als Musterland für Stabilität und Demokratie galt, stürzte 2012 von einer Krise in die nächste. Nach einem Militärputsch im März 2012 nutzen rebellierende Stämme und al Kaida-Gruppen das Chaos und übernahmen die Macht im Norden des Landes. Als die straff organisierten Islamisten wichtige Städte wie Timbuktu einnahmen und immer weiter Richtung Süden und damit der Hauptstadt Bamako vorrückten, griffen die frühere Kolonialmacht Frankreich und die westafrikanische Gemeinschaft Ecowas militärisch ein.

Den französischen und afrikanischen Truppen gelang es seit Jahresbeginn, einen Großteil des Landes zurückzuerobern. Frankreich hat zugesagt, etwa 1000 Soldaten langfristig zur Verfügung zu stellen, die Ecowas möchte ihr Kontingent der bereits entsandten 3000 Soldaten auf bis zu 5000 Mann aufstocken. Die Sicherheitslage im Land bleibt angespannt. Denn die Islamisten schlagen nach ihrer Vertreibung zumindest aus den Städten mit blutigen Terroranschlägen zurück, so erst am Osterwochenende in Timbuktu.

Es muss für Sicherheit und Stabilität gesorgt werden

"Wir müssen akzeptieren, dass wir uns immer noch im Krieg gegen Terroristen befinden", betont Malis Außenminister, Tieman Hubert Coulibaly, in der Hauptstadt Bamako. Daher sei die Hilfe befreundeter Staaten nun besonders wichtig, etwa deutsche Bundeswehrausbilder für die malische Armee. "Gerade weil wir wissen, dass Deutschland das nicht überall macht, ist dies ein Zeichen großen Vertrauens für uns."

Die Regierung setze nun alles daran, die Rückkehr der Flüchtlinge und der Verwaltung in den Norden des Landes zu ermöglichen, so der Minister. Neben der Befriedung seines Landes müsse es auch um die wirtschaftliche Entwicklung der Region gehen. "Terroristen können sich dort festsetzen, wo Armut herrscht und Demokratie noch nicht fortgeschritten ist", sagt Coulibaly.

Auch der Gouverneur der Region Mopti, Ibrahima Hamma Traoré, weiß, dass die Stabilität noch fragil ist. "Terroristen und Kriminelle haben hier zehn Monate lang die Bevölkerung in einer Art und Weise unterdrückt, die wir so nie gekannt hatten", erläutert er. "Aber die Menschen haben Stärke und Durchhaltevermögen bewiesen." Nun sei die internationale Gemeinschaft gefordert, zusammen mit malischen Truppen für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Andernfalls drohe ein Bürgerkrieg, warnt Traoré. "Wenn Terroristen in ein Dorf einfallen und dort Frauen vergewaltigen, Menschen Köpfe und Gliedmaßen abhacken, Kindern zu Waisen machen, dann kann man sich vorstellen, dass unsere sonst friedliche, tolerante und gastfreundliche Bevölkerung sich auch irgendwann bewaffnet."

Daniel C. Braun, DPA/DPA

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