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Internationale Presse zum Burkini-Verbot "Seit 30 Jahren gefährdet diese Unterwanderung unsere Gesellschaft"

Burkini
International stößt des Burkini-Verbot in Teilen Frankreichs auf wenig Verständnis
© Fethi Belaid/AFP
Die Polizei geht gegen Burkinis an Frankreichs Mittelmeerstränden rigoros vor. Internationale Medien kritisieren das Verhalten. Eine französische Zeitung findet: Alles ok so. Einige Pressestimmen im Überblick.

Der Streit um das Verbot von Ganzkörper-Badeanzügen für Musliminnen in Frankreich eskaliert. Bilder einer Frau, die am Strand von Nizza von vier Polizisten kontrolliert wird, lösten Empörung aus. Die Fotos, die unterem vom britischen "Guardian" veröffentlicht wurden, zeigen vier städtische Polizisten, die die mit einem türkisfarbenen Turban und einer Bluse mit langem Ärmeln bekleidete Frau umringen. Man sieht, dass sie diese Bluse auszieht, wobei nicht deutlich wird, ob dies aus eigener Initiative oder auf Anweisung der Ordnungshüter geschieht. Seit Wochenbeginn bekamen in Nizza etwa 15 Frauen Strafzettel.

In der Ferienmetropole am Mittelmeer gilt das Burkini-Verbot seit vergangener Woche, ebenso wie in Cannes und einigen anderen Badeorten der französischen Riviera. International stößt das Burkini-Verbot an Frankreichs Südküste auf heftige Kritik - wir haben für Sie verschiedene Pressestimmen zu dem Thema zusammengefasst.

"Le Figaro" (Frankreich): "Laizität und Religion sind hier nicht das Thema. Der Burkini ist keine Koranvorschrift, sondern die x-te Manifestation eines politischen, aktivistischen, zerstörerischen Islam, der versucht, unseren Lebensstil, unsere Kultur und unsere Zivilisation infrage zu stellen. Kopftuch in der Schule, Straßengebet, Halal-Menüs in der Schule, sexuelle Apartheid in den Schwimmbädern, den Krankenhäusern, den Fahrschulen, Nikab, Burka... Seit 30 Jahren gefährdet diese Unterwanderung unsre Gesellschaft und versucht, sie zu destabilisieren. Es ist Zeit, ihr die Tür vor der Nase zuzuknallen."

"Libération" (Frankreich)"Die Laizität besteht nicht darin, die Glaubensrichtungen zu unterdrücken. Es geht vielmehr darum, sicherzustellen, dass sie nicht unberechtigterweise die Staatsgewalt oder die Entstehung der Gesetze beeinflussen. Wir hoffen, dass (Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht) der Staatsrat, der sich an diesem Donnerstag in seiner juristischen Weisheit mit den "Anti-Burkini"-Verordnungen befasst, dieser diskriminierenden Posse ein Ende setzt. Sie schockiert die Demokraten und bringt die Polizei in eine schwierige Lage. Der Geist der Laizität wäre am besten respektiert, wenn man die gesetzestreuen Gläubigen ohne Umschweife willkommen heißt."

"The Guardian" (Großbritannien): "Einige Politiker verweisen auf das Risiko von Unruhen und scheinen besorgt zu sein, dass wachsendes Misstrauen zwischen Teilen der Gesellschaft zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führt - wie kürzlich eine Rauferei auf Korsika. Dies vor allem, seit der Chef des Inlandsgeheimdienstes gewarnt hat, dass Rechtsextreme auf Konfrontationen aus sind. Sie sehen im Verbot (von Burkinis) eine pragmatische Lösung. Tatsächlich jedoch sind sie höchst unfair, denn sie verlangen von muslimische Frauen, kriminelle Handlungen anderer Leute zu verhindern, indem sie deren Vorurteile nicht schüren. Frankreichs höchstes Gericht, der Staatsrat, wird über die Rechtmäßigkeit des Verbots entscheiden. Obwohl der politische Hintergrund komplex ist, bleibt das Thema ganz einfach: Das Recht der Frauen, sich so zu anzuziehen, wie sie es komfortabel und angebracht finden, sollte gegen all diejenigen verteidigt werden, die sie dazu zwingen wollen, sich entweder zu verhüllen oder auszuziehen. Die Körper der Frauen sind allein ihre Angelegenheit."

"Der Standard" (Österreich): "Den Burkini zu akzeptieren heißt zu akzeptieren, dass ein Zehntel der Franzosen eigene Sitten- und Bekleidungsvorstellungen hat - wie jene Frauen, die sich gerne topless sonnen. Die Güterabwägung spricht klar zugunsten der persönlichen Freiheit und gegen laizistische Prinzipien. Es ist deshalb zu hoffen, dass die lokalen Burkini-Verbote ein saisonales Phänomen bleiben, das unter dem Eindruck des Nizza-Attentats zustande gekommen ist - und in der nächsten Badesaison wieder in Vergessenheit gerät. Damit in der Stranddemokratie alle willkommen sind."

"Nepszava" (Ungarn): "Seit 2008 hat die australische Erfinderin 700.000 Exemplare dieser Badekleidung in alle Teile der Welt verkauft. Unter den Bestellern sind auch Hindufrauen und Christinnen, Mormoninnen und Jüdinnen. Es sind Frauen, die aus irgendeinem Grund eine Badekleidung brauchen, die ihren ganzen Körper verhüllt und sie dabei in ihrer Bewegungsfreiheit nicht einschränkt. All dies könnte sich schlicht auf eine Frage der Mode reduzieren - wäre da nicht eine aufgeheizte öffentliche Stimmung, die aus einem schnöden Bade-Utensil eine politische Frage macht. Heute tragen Musliminnen den Burkini noch aus religiösen Erwägungen. Aber man kann darauf wetten, dass daraus eine weltweite Mode wird, sobald man ihn verbietet."

amt DPA AFP

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