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Bush-Berater tritt ab: "Karl der Große" geht nach Texas

Karl Rove, genialer Stratege und wichtigster Berater von US-Präsident George W. Bush, tritt Ende August ab. In jüngster Zeit hatte er sich zu einer Belastung für seinen Chef entwickelt. In einem Interview verriet "Karl der Große" seine Beweggründe.

Die Nachricht dürfte das Frühstücksfernsehen in den USA beherrschen. Karl Rove, das politische Genie, der gewiefte Stratege, der wichtigste Berater von US-Präsident George W. Bush tritt mit Wirkung zum 31. August dieses Jahres als stellvertretender Stabschef des Weißen Hauses zurück. Das hat Rove dem "Wall Street Journal" in einem Interview verraten. "Karl der Große", Bushs Hirn, verabschiedet sich nach Texas. "Ich glaube, es ist einfach an der Zeit", sagte Rove dem "Wall Street Journal". "Es gibt immer etwas, dass dich hier hält, aber so gerne ich auch hier wäre, muss ich diesen Schritt zum Wohle meiner Familie gehen." Es wird davon ausgegangen, dass Rove zurück nach Texas geht, wo er ein Haus besitzt.

Zunehmend eine Belastung für Bush

Rove war in den vergangenen Wochen zunehmend zu einer Belastung für Bush geworden. Aktuell war der Skandal um acht entlassene Staatsanwälte problematisch. Der Justizausschuss des US-Senats beleuchtet die Entlassung der Staatsanwälte durch Justizminister Alberto Gonzales. Im Raum steht der Vorwurf, dass die Staatsanwälte gefeuert wurden, weil sie in bestimmten Fällen nicht nach dem Gusto der Bush-Regierung ermittelt hätten. Rove wird verdächtigt, bei den Entlassungen eine zentrale Rolle gespielt zu haben.

Bush unterband jedoch Roves Aussage mit Verweis auf ein "Regierungsprivileg", vor allem, um ihn zu schützen. Dennoch blieb Rove in der Schusslinie. Auch in dem Skandal um Geheimnisverrat im Fall der CIA-Agentin Valerie Plame hatte er eine Rolle - auch, wenn es Scooter Libby war, der vormalige Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, der dafür verurteilt wurde. Indem Rove sich nun nach Texas zurückzieht, tritt nach Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nun ein weitere Buhmann des Bush-Trosses zurück.

Rove wollte schon früher gehen

Den Zeitpunkt seines Rücktritts begründete Rove mit einer Aufforderung von Joshua Bolten, dem Stabschef des Weißen Hauses. Dieser hatte den Spitzenberatern des Präsidenten gesagt, dass sie sich entweder in diesem Spätsommer zurückziehen oder bis zum Ende des Amtszeit des Präsidenten im Januar 2009 bleiben müssten. Rove sagte dem "Wall Street Journal", dass er sich viel früher zurückziehen habe wollen, eigentlich schon vor einem Jahr. Aber dann hätten die Demokraten die Kongresswahlen im November 2006 gewonnen, und das Weiße Haus habe die heißen Eisen Irak sowie ein Gesetz zur Regelung der Einwanderung angepackt.

Kritik an Hillary Clinton

Auch in dem Interview stellte Rove einmal sehr seine Loyalität zu den Republikanern und zu Bush unter Beweis. Er sagte, er rechne damit, dass die Umfragewerte des Präsidenten sich bald bessern würden. Die Situation im Irak stabilisiere sich dank der umstrittenen Entsendung weiterer Soldaten. Die Demokraten würden sich in der Auseinandersetzung über Abhöraktionen ohne richterliche Zustimmung spalten. Die Republikaner hätten eine "sehr gute Chance", das Weiße Haus bei den Präsidentschaftswahlen 2008 wieder zu erobern. Er, so Rove, rechne damit dass der republikanische Kandidat sich mit Hillary Clinton als Spitzenkandidatin der Demokraten würde auseinandersetzen müssen. Diese sei eine "harte, hartnäckige und tödlich fehlgeleitete Kandidatin", sagte Rove der Zeitung.

Der erzkonservative Rove hat Bush seit 1993 beraten, seitdem dieser ankündigte, als Kandidat für den Gouverneursposten im US-Bundesstaat Texas anzutreten. Er gilt als der Kopf hinter den erfolgreichen Präsidentschaftswahlkämpfen Bushs. Was er mit seiner neuen Freizeit anfangen wolle, fragte ihn nun das "Wall Street Journal". Ein wenig unterrichten, antwortete er. Und ein Buch über die Bush-Jahre schreiben. Der "Boss" höchstpersönlich habe ihn dazu ermuntert. Und so kann es gut sein, dass Rove demnächst wieder im Frühstücksfernsehen auftaucht - als Kommentator und Spezialist für Zeitgeschichte.

Florian Güßgen