Chrobog-Entführung Freilassung wird erwartet


Der im Jemen entführte Ex-Diplomaten Chrobog und seine Familie sollen in Kürze freikommen. Angeblich haben sich Entführer und Vermittler geeinigt. Das Außenministerium bestätigte die Informationen bislang nicht.

Die Freilassung des im Jemen entführten früheren Staatssekretärs Jürgen Chrobog und seiner Familie steht nach Angaben eines Regierungsvertreters in Sanaa kurz bevor. "Eine Gruppe der Stammesführer ist jetzt bei den Geiseln und wir erwarten, dass sie in wenigen Minuten freigelassen werden", sagte er der dpa am Freitagabend in Sanaa. Gleichwohl zögerte sich die Freilassung aus unbekannten Gründen weiter hin. Laut "Yemen Observer" habe der Stammesführer Awadh bin al Wasir gesagt, die Geiseln würden freigelassen, wenn sich die Vermittler im Austausch in die Hände der Kidnapper begeben würden. Das Auswärtige Amt in Berlin machte zum Stand der Verhandlungen weiterhin keine Angaben.

Unterdessen setzt die jemenitische Regierung offenbar auch die Armee ein. Augenzeugenberichten zufolge kreisen Militärhubschrauber über dem Versteck, um die Entführer einzuschüchtern. Tausende Sicherheitskräfte haben die Al-Said-Region abgeriegelt und ziehen den Ring um das Versteck immer enger. Die ARD hatte einen kurzen telefonischen Kontakt mit Chrobog. Er sagte während des Gespräches, ihm und seiner Familie ginge es gut.

Ortswechsel angedroht

Unterdessen haben die Entführer nach jemenitischen Medienberichten damit gedroht, die Geiseln an einen anderen Ort zu verschleppen, falls sich die Sicherheitskräfte nicht zurückhalten. Wenn kein Ergebnis erzielt werde, "werden wir unsere Gäste so lange bei uns behalten, wie wir können", hieß es. Zwei Verhandlungsrunden zwischen den Entführern und den Vermittlern sind offenbar gescheitert. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Donnerstag gemahnt: "Was wir brauchen, ist Zeit, Geduld und Nerven".

Die Entführer wollen mit ihren Geiseln fünf Stammesangehörige freipressen, die im Jemen in Haft sitzen. Einer soll bereits zum Tode verurteilt worden sein. Die Inhaftierung erfolgte nach einer blutigen Stammesfehde, bei der zwei Menschen ermordet wurden.

"Ein kluger Lebensretter"

Der 65-jährige Chrobog war vor seiner Pensionierung Krisenmanager im Auswärtigen Amt. Der FDP-Generalsekretär Dirk Niebel rief die Deutschen dazu auf, sich mit dem ehemaligen Diplomaten solidarisch zu erklären: "Jürgen Chrobog war für zahlreiche Deutsche, die in fernen Ländern als Geiseln genommen wurden, ein kluger Lebensretter", sagte Niebel der "Bild". "Wir Deutsche können ihm jetzt unsere Dankbarkeit erweisen, indem wir in diesen schweren Stunden seiner Geiselhaft an ihn und seine Familie denken und alles unternehmen, um ihn freizubekommen."

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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