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CIA-Affäre: Was weiß Starreporter Woodward?

Der Skandal um die enttarnte CIA-Agentin Valerie Plame bringt die Bush-Regierung zunehmend in Bedrängnis. Nun taucht der Name Bob Woodward in der Affäre auf und bringt den Starreporter in die Kritik.

Bob Woodward gerät ins Zwielicht: Der weltberühmte Reporter, der in den 70er Jahren den Watergate-Skandal enthüllt hatte, soll nach Aussage der Ombudsfrau seiner eigenen Zeitung, Deborah Howell, eine "schwere Sünde" begangen haben. Zahlreiche Leser, so schreibt sie in der "Washington Post", hätten sogar die Entlassung des als bisher untadelig geltenen Starjournalisten gefordert.

Was ist passiert? Es geht um einen komplizierten Fall, den der Enttarnung der Agentin Valerie Plame. Ihre Identität als CIA-Mitarbeiterin soll aus höchsten Regierungskreisen verraten worden sein, was viele Beobachter als Racheakt der Regierung an ihr und ihrem Ehemann interpretieren. Der hatte als Ex-Botschafter der Darstellung der US-Regierung widersprochen, wonach der Irak versucht haben soll, im westafrikanischen Staat Niger waffenfähiges Uran zu kaufen. Doch seit bekannt wurde, dass Plame vermutlich von ihrer eigene Regierung verraten wurde, steckt die Bush-Regierung in ihrer schwersten innenpolitischen Krise.

Bob Woodward wusste nach eigener Aussage schon seit zweieinhalb Jahren über Valerie Plame Bescheid. Das hatte er unlängst seinem Arbeitgeber, der "Washington Post", mitgeteilt. Vermutlich war er der erste Journalist, dem Informationen über die CIA-Agentin gesteckt wurden. Nun wird ihm zweierlei vorgeworfen: Zum einen habe er durch sein Schweigen die Glaubwürdigkeit der Zeitung beschädigt, denn er hatte seinen Arbeitgeber nicht über sein Wissen informiert. Zum anderen, so die Ombudsfrau, habe Woodward in den vergangenen Wochen mehrfach den Fall öffentlich kommentiert, ohne darauf hinzuweisen, dass auch er über die Affäre Plame schon länger Bescheid wisse. Auch dies sei eine "Sünde", so Woodwards Kollegin Howell.

Und während Woodward sich in Schweigen hüllte, musste eine andere Kollegin, die Reporterin der "New York Times" Judith Miller, für drei Monate in Beugehaft. Sie hatte zwar nichts über Plame geschrieben, aber sich geweigert zu verraten, von wem sie die Informationen über Valerie Plame hatte. Erst vor dem Untersuchungsausschuss sagte die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Judith Miller, dass sie die Identität der Agentin vom Regierungsbeamten Lewis "Scooter" Libby erfahren haben will.

Libby muss sich vor Gericht verantworten

Libby wiederum steht nun seit einigen Wochen vor Gericht. Er ist war zwar nicht wegen Plames Enttarnung angeklagt worden, aber wegen Falschaussage. Er soll gelogen hatte, als er angegeben hatte, er habe den Namen der Agentin von Reportern erfahren. In Wirklichkeit kursierte der Name offenbar schon zuvor in höchsten Regierungskreisen.

Und hier kommt wieder Bob Woodward ins Spiel. Zwar hat er die Identität seines Gesprächspartners nicht öffentlich gemacht, aber doch soviel durchblicken lassen, dass es sich dabei nicht um "Scooter" Libby gehandelt habe. Das würde bedeuten, dass noch ein weiterer Regierungsbeamter die Identität Valerie Plames verraten hat.

Ob Staatsanwalt Patrick Fitzgerald deswegen nun die Einberufung einer neuen Anklagekammer angekündigt hat, ist vorerst offen. Das ist nur bei Vorlage neuer belastender Beweise möglich. Beobachter zumindest schließen nach Medienberichten weitere Anklagen nicht aus.

Niels Kruse