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Comeback des "Cavaliere": Berlusconi gibt Ambitionen auf Ministerpräsidentenamt auf

Sang- und klanglos trat er 2011 ab, im Parlament ohne Mehrheit und umzingelt von Affären und Prozessen. Knapp ein Jahr später begräbt er auch letzte Ambitionen, erneut als Spitzenkandidat anzutreten.

Es war kein Paukenschlag, eher ein Abgesang in 50 Zeilen, den #link;www.stern.de/politik/ausland/silvio-berlusconi-90249635t.html;Silvio Berlusconi# lieferte: nicht vor laufenen TV-Kameras, sondern im Internet. War den Sommer über noch von einem Comeback des "Cavaliere" die Rede, so hat der Mailänder Milliardär und Medienzar jetzt offiziell die Segel gestrichen. Er will nicht nochmals in die Wahlkampfmühle, will nicht um das Amt des Regierungschefs in Rom kämpfen. Selbst wenn politisch Totgesagte länger leben: Der langjährige Ministerpräsident Italiens kapituliert, weil seinem Lager bei den Wahlen im Frühjahr 2013 eine empfindliche Niederlage droht. Jüngere sollen nun ans Ruder. Und er wirbt praktisch für eine Neuauflage der Regierung von Mario Monti.

"Monarch ohne Thron", so nennt ihn die Anti-Berlusconi-Speerspitze des Landes, die linksliberale "La Repubblica". Berlusconi hat nahezu zwei Jahrzehnte lang den Stiefelstaat politisch geprägt. Was hat den "Cavaliere" aber letztendlich bewegt, dem verstärkten Druck aus den eigenen Reihen nachzugeben und Platz zu machen? Es dürften wohl vor allem immer schlimmere Umfragewerte gewesen sein; seine Partei PdL (Volk der Freiheit) liegt danach gerade mal bei noch 15 Prozent der Wählerstimmen. Verlieren mag der erfolgsverwöhnte und einst als charismatisch eingestufte Berlusconi sicher nicht. Und wenn er keine Zugkraft mehr zu haben scheint, dann sollen es die Nachrückenden besser machen.

Berlusconi bleibt in der politischen Szene aktiv

Ganz von der politischen Szene Italiens dürfte Berlusconi aber kaum abtreten. Das können sich im Land nur wenige vorstellen. "Nein, das glaube ich nicht", meinte Berlusconis langjähriger Mitstreiter Umberto Bossi von der Lega Nord zu diesem angekündigten Rückzug.

Als eine Art Übervater seines Lagers und über sein Medienimperium kann Berlusconi sich allzeit einschalten. Also wird es noch nichts mit dem Altenteil auf den Bermudas. Er könnte etwa als Senator in Rom weiterhin sehr direkt mitmischen. Jedenfalls setzt auch die liberale Turiner "#link;www.stern.de/sport/formel1/la-stampa-90289747t.html;La Stampa#" ein Fragezeichen hinter diese "letzte Folge der Silvio-Novelle" und fügt bildhaft an: "Es ist nur so, dass er jetzt entschieden hat, sein Land anders zu lieben. Nicht mehr als Spieler also, sondern als Trainer." In seiner Partei scheint man zufrieden.

Schwer wird es ihm schon fallen. 3340 Tage hat Berlusconi im Regierungspalast Chigi verbracht, alles in allem so lange wie kein anderer in der Geschichte der italienischen Republik. Wenn er jetzt abtritt, dann "aus Liebe zu Italien". Das sagt der Mann, dem seine vielen Gegner vorhalten, Politik nur aus Eigeninteresse zu machen.

Berlusconi-Imperium leidet in der Wirtschaftskrise

Die miesen Umfragewerte sind es auch nicht allein, die Berlusconi müde wirken lassen. Die auf ihn zugeschnittene Partei PdL gleicht oft einem Hühnerhaufen, von Grabenkämpfen zerrüttet. Seine Familie drängt ihn, sich verstärkt um seine Geschäfte zu kümmern, hat doch auch das Berlusconi-Imperium in der Wirtschaftskrise gelitten. Nicht zuletzt aber droht er weiterhin in juristischen Klemmen zu stecken. Zunächst einmal mit einer möglichen Verurteilung in dem Mediaset-Verfahren um Steuerbetrug und Schwarzgeldkassen. Und dann in dem "Ruby"-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch. Da ist er mit dem Rücktritt ins Glied politisch doch etwas aus der Schusslinie.

Profitieren dürfte davon vor allem der leise auftretende Reformer Mario Monti. Längst läuft in Italien die Debatte, ob der im November 2011 nicht gewählte, sondern eingesetzte frühere EU-Kommissar auch nach den Parlamentswahlen im Frühjahr das Land führen soll. "Diese Option Monti gefällt dem Cavaliere", meint der Mailänder "Corriere della Sera". Berlusconi wolle ihn als Chef eines gemäßigten Lagers sehen. Er könnte sich dann immer zugutehalten, dieses auf den Weg gebracht zu haben. Aufatmen dürfte auch Italien, das mit Mario Monti schon einen guten Schritt aus dem Schuldensumpf gemacht hat. Und das nun darauf wartet, dass Monti das Land auch aus der Rezession bringt.

Von Hanns-Jochen Kaffsack, DPA / DPA