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Corona-Pandemie Niederlande vor zweitem Lockdown: "Haltet Euch an die Regeln, sonst sitzen wir bald alle zu Hause fest"

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Die Zahlen steigen, und sie steigen schnell. In der abgelaufenen Woche gab es in den Niederlanden doppelt so viele Corona-Fälle wie in der Woche zuvor. Ein weiterer Lockdown droht. Grund genug für den Ministerpräsidenten, den Urlaub abzubrechen.

Als der niederländische Premier Mark Rutte am Donnerstagabend gemeinsam mit Gesundheitsminister Hugo de Jonge vor die Presse trat, hatte er eine klare Botschaft an seine Landsleute, aber auch an die Touristen. "Meiden Sie belebte Orte", rief er vor allem den Besuchern von Amsterdam zu. Das ist gar nicht so leicht im weltberühmten offenen Rotlichtviertel oder den vielen kleinen Gassen entlang der Grachten. An etlichen Stellen der Hauptstadt, aber auch der Hafenmetropole Rotterdam, gilt daher inzwischen unter freiem Himmel Maskenpflicht. Immer da, wo ein Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Deshalb kommentierten einige niederländische Blätter die Aussage Ruttes auch mit den Worten: "Man kann belebte Orte meiden, man kann sie aber auch vermeiden."

Vermeiden ist das große Stichwort in diesen Tagen zwischen Groningen und Maastricht, Amsterdam und Enschede. Auf keinen Fall soll es zu einem zweiten Lockdown kommen, da ist die Stimmungslage nicht anders als in Deutschland. Doch die Gefahr, dass es trotzdem passiert, ist angesichts alarmierend schnell steigenden Fallzahlen groß. 2588 neue positiv Getestete vermeldete das "Reichsinstitut für Volksgesundheit" (RIVM), dem Pendant zum deutschen Robert-Koch-Institut, zuletzt - eine Verdoppelung zur Vorwoche; und das, obwohl laut RIVM weniger getestet wurde als zuvor. Auch der viel beachtete R-Wert, der besagt, wieviele Personen ein Infizierter ansteckt, stieg - auf 1,2. Zuviel, um das Virus im Zaum zu halten.

Rutte: Unbedingt zweiten Corona-Lockdown verhindern

"Wir müssen einen zweiten Lockdown verhindern, das geht nur gemeinsam", mahnte Rutte. Gezielt richtete sich der Premier an junge Leute. "Haltet euch an die Regeln, sonst sitzen wir alle bald wieder zu Hause fest." Viele junge Leute verhielten sich verantwortungslos. Ein Viertel der Neuinfizierten ist zwischen 20 und 29 Jahre alt. Rutte hatte wegen der schnell steigenden Corona-Infektionen seinen Urlaub vorzeitig abgebrochen. Der Premier hatte sich auch über Fans des Fußballclubs Feyenoord Rotterdam geärgert, die am Dienstag unbeschwert ein öffentliches Training ihrer Lieblingsmannschaft verfolgt hatten.

Mark Rutte zu Kolpapier-Hamsterkäufen: "Wir haben so viel, wir können zehn Jahre kacken."

Als erste Schritte gegen den neuen Lockdown verschärft die Rutte-Regierung nun die Auflagen für Restaurants und Cafés. Ab sofort gilt wieder, wie im Frühjahr, die Reservierungspflicht für Gäste. Diese müssen außerdem ihre Kontaktdaten hinterlassen. Reisende aus Risikogebieten sollen künftig schärfer auf Einhaltung der Quarantäne-Pflicht kontrolliert werden. Betroffene müssten mit regelmäßigen Anrufen der örtlichen Gesundheitsdienste rechnen, kündigte Gesundheitsminister de Jonge an. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol werde es eine Corona-Teststraße gegben, laut de Jonge lassen die geltenden Gesetze eine Verpflichtung, sich testen zu lassen, derzeit aber nicht zu.

Eingeschränkt werden sollen auch Veranstaltungen zum Studienbeginn. Einführungswochen sollen so weit wie möglich online organisiert werden; notwendige Treffen sollen kurz, informativ und in kleinen Gruppen abgehalten werden. Die zuvor bekannt gewordene Plan, alle Einführungsveranstaltungen an den Universitäten komplett abzusagen, war am Widerstand von Studentenverbänden gescheitert.

"Leider wird es kein unbeschwerter Sommer"

"Der kritische Punkt ist noch nicht erreicht", betonte Rutte. "Es liegt wirklich an uns, uns an die Regeln zu halten." Wenn es nötig werde, würden erneut landesweite Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Vorrang soll aber ein regionales Vorgehen gegen Sars-CoV-2 haben, denn: "Die Unterschiede im Land sind enorm." Im besonders stark betroffenen Amsterdam mussten die Gesundheitsbehörden am Freitag die Reißleine ziehen. In Absprache mit dem RIVM werde man sich bis auf Weiteres auf Risikogruppen und -situation konzentrieren, sagte ein Sprecher der Stadt dem TV-Sender "NOS".

Laut der Johns-Hopkins-Universität haben sich in den Niederlanden bisher mehr als 57.000 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. 6173 Betroffene erlagen der Krankheit Covid-19. Seit Mitte Juli steigen die Infiziertenzahlen stark an. Rutte: "Wir hatten alle auf einen unbeschwerten Sommer gehofft. Leider wird es nicht so ein Sommer. Die Zahlen lügen nicht."

Quellen: "De Telegraaf"; "NOS"; Rijsinstituut voor Volksgezondheit en Milieu; Angaben der Reichsregierung; Johns-Hopkins-Universität; Nachrichtenagentur DPA


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